Der neue Kreistag tritt zwar erst am 26. Juli zu seiner ersten Sitzung zusammen, aber bereits jetzt machen sich die Fraktionen Gedanken, wie sie künftig aufgestellt sein wollen. Dazu gehört auch die Frage, wer Vorsitzender wird. Parteichefs können den Job jedenfalls nicht machen: Sie wurden entweder nicht gewählt oder traten nicht an.

Nur ein Kreis-Vorsitzender wurde gewählt:Hans-Rudi Bührle

Der neue Chef der Kreis-CDU, Kai Steffen Meier aus Geislingen, wollte in den Gemeinderat und den Kreistag – doch beide Pläne wurden von den Wählern durchkreuzt. 93 Stimmen fehlten ihm zum Einzug ins Kreisparlament, gewählt wurde er aber in den Ortschaftsrat von Weiler. Auch FDP-Kreisvorsitzender Armin Koch aus Donzdorf verpasste den Einzug in den Kreistag, genauso der AfD-Chef Simon Dennenmoser aus Ottenbach.

Kreis Göppingen

Einzig der Vorsitzende der Freien Wähler, Hans-Rudi Bührle,  ist wieder gewählt worden. Doch den Fraktionsvorsitz bekleidet seither der Wangener Werner Stöckle – und der würde auch gerne weitermachen: „Die grundsätzliche Bereitschaft besteht bei mir.“

Göppinger Kreistag erstmals mit einer AfD-Fraktion

Der neue Kreistag hat mehr Mitglieder – 67 statt bisher 63 – und erstmals eine AfD-Fraktion. Stöckle meint dazu: „Man muss versuchen, das Beste draus zu machen.“ Seine Fraktion hat zwar mit 19,25 Prozent etwas weniger Stimmen bekommen als die Grünen (19,48) – hat aber dennoch einen Sitz mehr, nämlich 14. Das liegt am komplizierten Kommunalwahlrecht, das auch „gleichwertige Stimmen“ kennt, die ermittelt werden, indem die Anzahl der gültigen Stimmen durch die in den Wahlkreisen unterschiedliche Stimmenanzahl je Wähler geteilt wird, um eine bessere Vergleichbarkeit zu erhalten.

Wie Stöckle würde auch Wolfgang Rapp aus Geislingen, Chef der künftig dezimierten CDU- Fraktion, weitermachen. „Ja, ich habe vor anzutreten“, sagt er, betont aber auch: „Jetzt steht zunächst einmal das gegenseitige Kennenlernen im Mittelpunkt.“ Wie auch in anderen Fraktionen, kennen sich die Lokalpolitiker aus dem Landkreis oftmals noch gar nicht. Zum Verlust von 10,8 Prozentpunkten sagt der Schulleiter: „Das hat weh getan, das war alles andere als erfreulich.“

Wolfgang Rapp bekam mehr Stimmen als noch 2014

Rapp selbst bekam 2293 Stimmen, ein leichtes Plus gegenüber 2014. Stimmenkönig ist aber der Göppinger OB Guido Till, er konnte ebenfalls zulegen und kam auf 11 333 Stimmen. Doch den Fraktionsvorsitz will er seinem innerparteilichen Kontrahenten Rapp nicht streitig machen: „Mir geht’s gar nicht darum, wer Fraktionschef wird, ich werde nicht kandidieren“, stellt er klar. Aber: „Wir werden sehr genau darauf achten, dass wir durch die Besetzung bestimmter Posten unseren Einfluss geltend machen können.“ Mit „wir“ meint er sich und den Göppinger Kreisrat Felix Gerber, der gemeinsam mit Till in Sachen Müllheizkraftwerk eine gänzlich andere Meinung vertritt als der Rest der Fraktion. „Wir wollen ernst genommen werden“, unterstreicht Till. „Das Mandat bedeutet, die Interessen der Göppinger auf Kreisebene zu vertreten.“

Susanne Widmaier aus Uhingen steht der SPD-Fraktion vor. Auch sie signalisiert Bereitschaft, erneut anzutreten: „Ich würde es wieder machen, aber wir müssen erst in der Fraktion darüber reden. Ich habe auch kein Problem damit, wenn es jemand anders machen möchte.“ Die Sozialdemokraten haben zwei Prozentpunkte und einen Sitz verloren. „Das ist schade“, sagt Widmaier. „Aber man steckt ja nicht drin. Wir sind guten Mutes, gute Kommunalpolitik zu machen.“

Frey will von seiner Fraktion gewählt werden

FDP-Fraktionsvorsitzender Hans Georg Frey aus Kuchen war nicht mehr zur Wahl angetreten. „Ich würde es machen, wenn mich meine Fraktion wählt“, sagt die wiedergewählte Kreisrätin Susanne Weiß (Göppingen). Aber noch kenne sie nicht einmal alle neuen Kollegen persönlich, aber man habe schon telefoniert.

Die Frage des Vorsitzes sei noch nicht besprochen worden, sagt Grünen-Kreisrätin Ursula Bader aus Gammelshausen – „wir treffen uns erst einmal“. Fraktionsvorsitzende Martina Zeller-Mühleis war nicht erreichbar, Bader verweist darauf, dass es „bei den Grünen wie immer demokratisch“ zugehen werde. Sie bedauert, dass der Frauenanteil im Kreistag auf unter 25 Prozent gesunken ist und sieht die steigende Zahl von Bürgermeistern (zehn) in dem Gremium kritisch. Die brächten zwar Fachkompetenz mit, „aber ich finde es überproportional, das ist nicht gut“.

„Nicht als Gurkentruppe“

Die neue AfD-Fraktion muss sich erst noch konstituieren, Neu-Kreisrat Uwe Freiherr von Wangenheim aus Donzdorf kann aber schon vermelden: „Alle treten ihr Mandat an.“ Unter den sechs Neuen ist auch Karl Seitz aus Zell u. A., der 2016 für die „Republikaner“ für den Landtag kandidierte. Wangenheim versichert: „Es ist nicht unser Ziel, im Kreistag als Gurkentruppe aufzutreten.“ Trotz bekannter Konflikte im Kreisverband betont er, die AfD-Kreisräte verstünden sich untereinander gut: „Muss! Das wird auch passieren.“ Er und sein Kontrahent Dietmar-Dominik Hennig hätten „unsere Streitpunkte beseitigt“, sagt Wangenheim. Gewinner sei nun die Partei. Die Fraktion wolle sich auch nicht auf das Thema Flüchtlinge konzentrieren: „Migration ist ein Thema, aber es gibt im Landkreis wichtigere Sachen. Die Klinik beschäftigt mich mehr als irgendein Asylantenheim.“