Kommentar Dirk Hülser: Keine gute Werbung

Kreis Göppingen / Dirk Hülser 27.08.2018
Ein Vorfall in einem Pendlerzug ist alles andere als kundenfreundlich und sicher keine Werbung für den Nahverkehr.

Natürlich ist die Bahn im Recht, wenn Radfahrer ihre Gefährte im Zug mitnehmen und kein Extra-Ticket lösen, wie es zwischen 6 und 9 Uhr vorgeschrieben ist. Dann darf der Zugbegleiter 60 Euro kassieren, das steht außer Frage. Doch der Fall, den der Göppinger Kreisrat Christian Stähle erlebt hat und auch in einem Schreiben Verkehrsminister Winfried Hermann schildert, sorgt für Verwunderung. Immer wieder klagen Pendler, dass entweder keine Zugbegleiter an Bord der Züge sind oder sie sich nicht blicken lassen. Da mutet es seltsam an, dass ausgerechnet, als drei Radfahrer morgens um sieben den Zug besteigen, der Zugbegleiter auftaucht. Er kassiert 180 Euro, weil die Ausflügler für ihre Drahtesel keine Tickets hatten – und verschwindet wieder beim Lokführer. 

Ist er als Ansprechpartner für die Fahrgäste verfügbar? Fehlanzeige. Kümmert sich der Mitarbeiter darum, einen Platz für die Fahrräder zu finden – die ja nun völlig legal und teuer bezahlt an Bord sind? Natürlich nicht. Das ist alles andere als kundenfreundlich und sicher keine Werbung für den Nahverkehr. Zumal es für die Pendler, die den Vorfall mitbekamen, so aussehen musste, als ginge es hier nur ums schnelle Geld. Dass der Zug total überfüllt war, wie fast jeden Morgen, interessierte den Zugbegleiter offenbar nicht weiter. Ein Armutszeugnis.

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