Gute Taten Keine Angst mehr vor Ameisen

Neues Angebot am Jugendcamp Bläsiberg: Drei Schäferwagen bieten Übernachtung ohne Tuchfühlung mit der Natur.
Neues Angebot am Jugendcamp Bläsiberg: Drei Schäferwagen bieten Übernachtung ohne Tuchfühlung mit der Natur. © Foto: Claudia Burst
Claudia Burst 06.07.2018

Fünfzehn Sechstklässler der Eislinger Schillerschule toben auf dem großen Gelände hinter dem Christlichen Jugenddorfwerk (CJD) auf dem Bläsiberg bei Wiesensteig herum. Hier ist genug Platz zum Kicken, für Geländespiele oder um ein großes Lagerfeuer zu machen. Tagsüber sind die Kinder mit ihren Lehrern Ulrich Traub und Susanne Schwarz sowie mit den Bufdis (Bundesfreiwilligendienst) Dennis Köcksal und Imad Benlablali auf Tour. Es locken die Burgruine Reußenstein, die Schertelshöhle, das Freibad.

Da ist nachts das Schlafen kein Problem. Dafür stehen zwei Mannschaftszelte auf dem Jugendcamp-Gelände, in dem die Schüler schlafen. Alle 15.

Aber so mutig sind nicht mehr sämtliche Kinder bei Camp-Freizeiten. „Es ist tatsächlich immer öfter so, dass sich Kinder nicht mehr in der Lage sehen, im Zelt auf einer Isomatte oder einer Luftmatratze zu übernachten. Etwa weil sie Angst vor Ameisen oder anderen Krabbeltieren haben“, weiß Walter Reichersdorfer, der Pädagogische Leiter des CJD Bläsiberg.

Nicht zuletzt deshalb stehen auf dem Jugendcampgelände seit dem Frühsommer drei Schäferwagen. Diese stehen nicht einfach nur da, sie peppen das Camping-Gelände regelrecht auf.

„Sie passen einfach hierher“

„Sie passen einfach hierher ins Ambiente auf der Alb“, freut sich Walter Reichersdorfer über die Neuanschaffung, die dank der Spenden der NWZ-Leser im Rahmen der Weihnachtsaktion „Gute Taten“ möglich war. Die Schäferwagen werden sowohl von Erwachsenen als auch Kindern bei den vielen Freizeiten mit Begeisterung genutzt. In jedem der drei gemütlichen Schäferwagen gibt es Platz für zwei 80 Zentimeter breite Betten plus einer kleinen Ablage fürs Gepäck. Zwischen den Betten führt ein schmaler Gang zur Tür an der Vorderseite. Zwei Fenster inklusive Fensterläden lassen Licht ins Innere und geben den Hängern auf den alten Wagen-Gestellen das besondere Etwas.

„Im Vergleich zum Zelt ist die Übernachtung im Schäferwagen eine super Sache“, findet Dennis Köcksal, der wie Benlablali und die beiden Lehrer die beiden Nächte in den Schäferwagen verbracht hat.

Seit etwa fünf Jahren gibt es das Jugendcamp-Gelände hinter den Gebäuden des CJD. „Das hat sich durch die Kooperation mit der Kampfkunstschule Shimboku so ergeben“, erzählt Walter Reichersdorfer. Seit etwa zehn Jahren ermöglicht das Jugenddorf für seine Jugendlichen die Teilnahme an den Seminaren zur Gewaltprävention, die vom Leiter der Kampfkunstschule Shimboku, Eugen Keim, einem Polizisten, angeboten werden. Aus dieser Zusammenarbeit entwickelte sich eine enge Kooperation. „Eugen Keim ist ein gefragter Trainer, der an vielen Schulen zwei- bis dreitägige Seminare zur Gewaltprävention anbietet“, informiert Reichersdorfer. Seit fünf Jahren steht ihm dafür die Turnhalle des CJD sowie das Außengelände zur Verfügung.

Das Übernachten auf dem Jugendcamp-Gelände ist aber auch für andere Gruppen oder Einzelpersonen möglich. „Entweder mit eigenem Zelt oder mit unseren Zelten oder in den Schäferwagen. Die Selbstversorger-Küche, Toilette und Dusche sind dann dabei“, sagt Reichersdorfer. Wer will, kann außerdem die Turnhalle oder den Seminarraum dazubuchen.

Reichersdorfer macht deutlich, dass es bei diesem Angebot nicht darum geht, Geld zu verdienen. „Nein, es ist wichtige Öffentlichkeitsarbeit“, sagt er. Denn viele der Schulen, in denen Eugen Keim seine Seminare in den Landkreisen Göppingen, Esslingen und Böblingen anbietet, sind Förderschulen. Deren Schüler gehören zur Zielgruppe des CJD, das ihnen Hilfsmaßnahmen zur Eingliederung ins Arbeitsleben anbietet. Reichersdorfer: „Wenn die Jugendlichen den Bläsiberg mit positiven Erlebnissen verbinden, sind sie nach der Schule viel eher dazu bereit, unsere Hilfen anzunehmen, die von der Arbeitsagentur angeboten werden.“

Hilfestellung für junge Menschen

Qualifikation Junge Menschen mit Handicaps oder Lernbehinderungen oder psychischen Problemen haben ein Recht auf Eingliederung ins Arbeitsleben. Das CJD ermöglicht das seit 35 Jahren im Auftrag der Arbeitsagentur, indem es schulische Zugangsqualifikationen verbessert, berufsvorbereitende Bildung  und die Ausbildung in den Berufen Maler, Schlosser, Gärtner, Koch oder Hauswirtschaft anbietet. 

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