Hohenstadt Kein Licht am Ende des Tunnels

Die Tunnelbaustelle an der Schnellbahntrasse hat der Gemeinde Hohenstadt (im Hintergrund) nicht  nur einen riesigen Abraumberg hinterlassen, sondern auch einen ordentlichen Batzen an Einnahmen verschafft.
Die Tunnelbaustelle an der Schnellbahntrasse hat der Gemeinde Hohenstadt (im Hintergrund) nicht  nur einen riesigen Abraumberg hinterlassen, sondern auch einen ordentlichen Batzen an Einnahmen verschafft. © Foto: Thomas Hehn
Hohenstadt / Thomas Hehn 18.05.2018
Der Etat 2018 wird für Hohenstadt der beste aller Zeiten sein. Doch mit dem Ende des Tunnelbaus für die Schnellbahntrasse enden auch die rosigen Zeiten.

Eigentlich hätten die Hohenstadter allen Grund zum Jubeln. Mit 580 000 Euro kann die Gemeinde heuer so hohe Einnahmen bei der Gewerbesteuer erwarten wie nie zuvor in ihrer Geschichte. Trotz der Rekordeinnahme hielt sich die Freude in Grenzen, als Verbandskämmerin Andrea Düwell dem Gemeinderat am Dienstag den Etat für 2018  vorstellte. Schließlich wussten alle: Das dicke Ende kommt noch: Durch die hohen Einnahmen in diesem Jahr müssen die Hohenstadter im Rahmen des Finanzausgleichs in zwei Jahren entsprechend hohe Umlagen ans Land zahlen. „Eigentlich ist das ungerecht: Wir werden ausgerechnet dann zur Kasse gebeten, wenn wir keine Einnahmen mehr  haben“, klagte Bürgermeister Günter Riebort.

Hintergrund der fetten und bald mageren Jahre auf der Alb bildet die Tunnelbaustelle beim Bau der  Schnellbahntrasse zwischen Stuttgart und Ulm. Sie hat der Albgemeinde seit dem Baustart im Juni 2013 bis zum vergangenen Jahr nicht nur 873 100 Euro an Gewerbesteuer in die Kassen gespült, sondern auch erhebliche Mehreinnahmen bei den sogenannten Schlüsselzuweisungen beschert. Da mit den österreichischen Bauarbeitern auch die Einwohnerzahl von Hohenstadt um bis zu 140 Menschen in die Höhe schnellte, bekam die Kommune auch entsprechend mehr an Pro-Kopf-Pauschalen. Und die beträgt im Schnitt immerhin rund 1100 Euro pro Einwohner und Jahr.

Doch diese Zeiten sind bald vorbei. „Der Tunnel ist weitgehend fertig und die meisten Bauarbeiter schon wieder weg“, warnte der Bürgermeister. Kämmerin Düwell zufolge steigen die Umlagen 2019 auf 683 000 Euro und 2020 sogar auf 728 000 Euro. So gesehen sind die Hohenstadter froh, dass sie mit 712 000 Euro in den Rücklagen doch einiges auf der hohen Kante haben, um die sich abzeichnenden Rückzahlungen abfedern zu können.

Investiert wird nur das Nötigste

Entsprechend  zurückhaltend sind die in diesem Jahr geplanten Investitionen: 83 000 Euro werden für die Tilgung von Krediten verwendet, 60 000 Euro sind für den Kauf von Grundstücken vorgesehen. 31 000 Euro  bekommt die Kirchengemeinde als Restrate für den bereits 2017  bewilligten Zuschuss bei der Sanierung der Kirche Sankt Margaretha. Ansonsten sind nur noch 15 000 Euro für den Kauf eines Mannschaftstransportwagens für die Feuerwehr und 12 000 Euro für die weitere Umstellung der Straßenbeleuchtung im Ort auf LED eingestellt. Für den Ausbau der Breitbandversorgung steht zwar ein Planansatz in Höhe von
­100 000 Euro im Etat, ob man die angesichts der stockenden Verhandlungen mit den Anbietern zumindest dieses Jahr überhaupt benötigt, steht in den Sternen (die GZ berichtete). In der kommenden Woche steht ein erneutes Gespräch mit Vertretern der beiden Firmen an. „Drücken Sie mir die Daumen, dass wir da zu einer Lösung kommen“, bat der Bürgermeister am Dienstag sowohl an die Gemeinderäte als auch die 20 Zuhörer im Ratssaal gerichtet.

Die Beratung zeigte, dass der Gemeinderat mit den Vorschlägen der Verwaltung weitgehend einverstanden war. Rudolf Stehle fragte an, ob man die bisher erzielten Überschüsse bei der Wasserversorgung über eine Preissenkung an die Bürger zurückgeben könnte. Der Bürgermeister riet davon ab: Den Gewinn verdanke die Gemeinde nur der Schnellbahntrasse. „Auf der Tunnelbaustelle wurde so viel Wasser verbraucht wie in ganz Hohenstadt.“  Doch das sei bald Vergangenheit: Mit dem Ende des Tunnelbaus werde auch der hohe Verbrauch wieder zurückgehen. „Doch die Fixkosten bleiben“, warnte Riebort.

Angesichts der durchwachsenen Aussichten eröffnete die Kämmerin den Räten am Dienstag zumindest einen – wenn auch eher ironisch gemeinten – Lichtblick. Der Etat 2018 sei der letzte in der alten Form. Ab dem kommenden Jahr gelte die Doppik: „Und dann wird ja alles besser und transparenter.“

DER ETAT IN ZAHLEN (IN EURO)

Gesamtvolumen 2 540 030
Verwaltungshaushalt 2 205 510
Vermögenshaushalt 334 520
Zuführungsrate 330 120

Wichtigste Einnahmen
- Anteil Einkommensteuer 463 800
- Schlüsselzuweisungen 377 000
- Gewerbesteuer (380%) 580 000
- Grundsteuer A (360%) 15 500
- Grundsteuer B (400%) 75 300

Wichtigste Ausgaben
- Breitband (Tiefbau) 100 000
- Umlage GVV 98 000
- Kredittilgung 83 000
- Grundstückskäufe 60 000
- Zuschuss Kirchensanierung 31 000
- MTW Feuerwehr 15 000

Schulden 191 500
Pro Kopf 249.35
Rücklagen 712 588

Der Etat in Zahlen

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