Göppingen / Harald Betz Beim blamablen Auftritt vor 3800 Fans unterliegen die Frisch-Auf-Handballer der HSG Wetzlar mit 22:24 und werfen die Chance auf den EHF-Cup weg.

Mit einem extrem schwachen Auftritt gestern Abend haben die Frisch-Auf-Handballer nicht nur ihre Fans massiv vergrault, sondern mit der 22:24 (10:9)-Niederlage gegen die HSG Wetzlar auch ihre Heimbilanz in der Bundesliga weiter ramponiert und zugleich ihre Chancen auf eine Europapokal-Teilnahme in der kommenden Saison verspielt.

Frisch-Auf-Manager schimpft

Nicht nur Frisch-Auf-Geschäftsführer Gerd Hofele hatte nach dem Abpfiff einen dicken Hals. „Wir haben schon in Wetzlar grottenschlecht gespielt, aber das Spiel heute war noch eine Steigerung. Ich hatte den Eindruck, dass die Mannschaft nicht alles gegeben hat“, schimpfte der ansonsten besonnene Manager, „wir hatten die Riesenchance auf Platz sechs, diese haben wir weggeworfen. Ich bin wahnsinnig enttäuscht und möchte mich bei den Zuschauern entschuldigen.“ Diese Gemütslage hatte Hofele mit allen Frisch-Auf-Fans gemein, das Kopfschütteln wurde zur Massenbewegung  auf den Rängen, mancher Anhänger hatte schon lange vor dem Spielende genug. Dabei war schon zum Anpfiff der schwächste Besuch des gesamten Runde zu verzeichnen, nur 3800 Arena-Plätze waren belegt.

Die Göppinger legten zufriedenstellend los und gingen in einer torarmen Startphase mit 2:0 und 4:2 (14. Minute) in Führung. Kapitän Tim Kneule saß nach einer Magen-Darm-Infektion unter der Woche erst einmal auf der Bank, Kresimir Kozina (Abwehr) und Josip Peric (Angriff) vertraten ihn. Ließen die Göppinger schon von Beginn an viel zu viele Chancen liegen, sollte ihnen dieses latente Problem mit zunehmender Spieldauer zum Verhängnis werden.  Wetzlar erkannte alsbald seine Chance, glich zum 4:4  aus und gestaltete die erste Hälfte bis zum 10:9-Pausenstand eng. „Wir sind nie richtig ins Spiel gekommen, leben im ersten Durchgang von unserer Abwehr, verschießen aber zu viel“, fasste ein frustrierter Torjäger Marcel Schiller nach den 60 Minuten das Geschehen zusammen, „die zweite Hälfte war eine Katastrophe vorne und hinten. Alles war zu langsam, zu verschleppt. Vielleicht war das heute entscheidend für Europa.“ Dem Linksaußen und seinen Kollegen passierten unglaubliche Fehler, es kam nie ein Fluss in die Aktionen, von Tempohandball und Überraschungsmomenten keine Spur. Zudem ließen die Profis jegliches Feuer in ihrer Körpersprache vermissen, mitreißende Emotionen Fehlanzeige, allein Einzelaktionen führten hin und wieder zum Erfolg.

Hessen kommen selbstbewusst aus der Kabine

Prompt kamen die Hessen weit selbstbewusster aus der Kabine und übernahmen gleich die Führung. Über ein 10:12 (34.), 12:14 (39.) und 13:17 (43.) schwammen den Göppingern die Felle davon, die HSG Wetzlar behauptete auch in einer äußerst zähen Phase der Partie weiterhin einen Vorsprung von zwei bis drei Toren. Mit ihrem 22:17 sah die HSG fünf Minuten vor Schluss dann wie der sichere Sieger aus, doch in einem Akt der Verzweiflung arbeitete sich der Gastgeber noch auf 21:22 heran. Wetzlar wankte, fuhr mit dem 23:21 55 Sekunden vor dem Schlusspfiff aber doch die Ernte ein, weil Torhüter Klimpke noch mehrfach glänzend hielt, ehe der 22:24-Endstand zu notieren war, was die vor eigenem Publikum oft mut- und kraftlosen Frisch-Auf-Profis auf eine ernüchternde Heimbilanz von nun 17:15 Punkten blicken lässt. Auch Trainer Hartmut Mayerhoffer war bedient: „Wir waren heute nicht in der Lage, das Spiel erfolgreich zu gestalten, das Problem war die Angriffsleistung. Wir sind sehr enttäuscht. Selbst wenn wir nur die klaren Chancen genutzt hätten, hätte es reichen müssen, aber auch das hat nicht funktioniert.“

FA Göppingen: Rebmann, Prost (ab 41.); Kneule (2), Ritterbach (1), Damgaard (n.e.), Heymann (2), Bagersted (1), Peric (2), Sliskovic (2), Sörensen (n.e.), Schiller (7/6), Rentschler (1), Schöngarth, Zelenovic (3), Kozina (1).

HSG Wetzlar: Ivanisevic, Klimpke; Kneer, Björnsen (4), Mirkulovski (4), Torbrügge (2), Frend (1), Holst (4/4), Forsell (1), Rubin (4), Lindskog (1), Cavor (3).

SR: Kern/Kuschel.

Zeitstrafen: 6:10 Minuten.

Zuschauer: 3800.