Autofahrer, die mit einem Affenzahn durch Gammelshausen rasen, sind dem Gemeinderat seit Jahren ein Dorn im Auge. Immer wieder wurde darüber nachgedacht, welche Maßnahmen ergriffen werden könnten, um das Tempo aus dem Durchgangsverkehr zu nehmen. Eine Fahrbahnverschwenkung, so dachte man, sei ein probates Mittel. Für rund 2000 Euro wurde eine solche provisorisch in der Ortsdurchfahrt angebracht. Nun haben Geschwindigkeitsmessungen etwas höchst Kurioses ergeben. Als Bürgermeister Daniel Kohl unter "Bekanntgaben und Verschiedenes" sein Gremium über das Ergebnis informierte, erntete er teils amüsierte, teils ungläubige Blicke. Von insgesamt 36 000 gemessenen Fahrzeugen fuhren vor Anbringung der Fahrbahnverschwenkung 59,3 Prozent der maximal 50 Stundenkilometer, 40,7 Prozent waren schneller unterwegs.

Seit die Fahrbahnverschwenkung angebracht wurde fuhren 58,8 Prozent die maximal erlaubten 50 Stundenkilometer und 41,2 Prozent schneller. "Will heißen, dass seit Anbringen des Provisoriums an dieser Stelle die zu Schnellen um von 0,5 Prozent zugenommen haben", erklärte Kohl. "Oder anders: die Verschwenkung brachte keine spürbaren Veränderungen." Diese Einschätzung sei ihm während der Testphase bereits von Anwohnern mitgeteilt worden, so dass das Ergebnis keine allzu große Überraschung gewesen sei. "Die für das Provisorium investierten etwa 2000 Euro waren trotzdem gut und wichtig angelegt", meint Kohl. "Es ist für die Gemeinde eine absolut wichtige Erkenntnis, dass diese Verkehrsberuhigungsmaßnahme nichts bringt." Letztendlich hat Gammelshausen also Geld für die Umsetzung einer sinnlosen Maßnahme gespart.