Trockenheit Kaum Ausfälle bei der Ernte

Viele Landwirte stellen sich in diesem Jahr wegen des fehlenden Regens auf Maispflanzen mit kleineren Kolben ein. Unser Bild zeigt ein Feld zwischen Heiningen und Bezgenriet.
Viele Landwirte stellen sich in diesem Jahr wegen des fehlenden Regens auf Maispflanzen mit kleineren Kolben ein. Unser Bild zeigt ein Feld zwischen Heiningen und Bezgenriet. © Foto: Staufenpress
Kreis Göppingen / TOBIAS FLEGEL 02.08.2018
Eine weiter anhaltende Trockenheit könnte sich insbesondere auf die Futtervorräte für den kommenden Winter auswirken.

Ganz im Gegensatz zu den Landwirten im Norden und Osten der Republik erwarten die Bauern im Kreis bisher keine großen Einbußen bei der Ernte. „Wir haben dieses Jahr noch keine Trockenheitskatastrophe“, sagte der Leiter des Landwirtschaftsamts, Wilfried Dieterich, am Mittwoch auf dem Rauwiesenhof bei Roßwälden. Das heiße Wetter der vergangen Wochen bedrohe die Existenz der hiesigen Betriebe noch nicht. Das könne sich aber in manchen Fällen ändern, wenn in den kommenden drei bis vier Wochen der Regen ausbleibt.

Für die vergleichsweise gute Lage der Bauern gibt es zwei Gründe. Zum einen regnete es hierzulande häufiger als in anderen Teilen des Landes. „Durchschnittlich hatten wir alle zwei Wochen einen Gewitterregen“, berichtete Heinrich Rothfuß vom Reußensteinhof in Wiesensteig. Zum anderen stellen die Landwirte fest, dass sich Pflanzen wie Mais auf das heiße Wetter einstellen und tiefer wurzeln, um an Wasser zu kommen.

Eine weiter anhaltende Trockenheit könnte sich insbesondere auf die Futtervorräte für den kommenden Winter auswirken. „Beim Futteranbau kann sich noch viel tun“, sagte Hermann Färber. Laut dem Vorsitzenden des Bauernverbands im Kreis zeige sich in den kommenden Tagen, ob sich die Kolben von Maispflanzen stattlicher als bisher ausbildeten. Einbußen drohen auch bei Sojabohnen: „Es fehlen immer wieder Hülsen“, zeigte Jonas Keyl vom Rauwiesenhof an einer Pflanze von seinem Feld. Ähnlich sieht es beim Grünland aus, da viele Bauern seltener mähen können und dadurch weniger Gras und Pflanzen zum Verfüttern haben. Auch Stroh gibt es weniger.

Abgesehen von diesen Unwägbarkeiten haben die Landwirte im Kreis kaum Grund zum Klagen. „Vom Obst her sind wir sehr zufrieden“, sagte Karl Müller von Schulzenbauers Hof in Schlat. Egal, ob Erdbeeren, Kirschen oder Zwetschgen – die Ernte bei allen diesen Sorten sei gut oder sogar sehr gut ausgefallen. Volle Äste lassen eine gute Ausbeute auch bei Äpfeln erwarten, die aber von der Hitze Sonnenflecken bekommen könnten, befürchtet der Landwirt. Zufrieden sind die Bauern mit der Getreideernte: Von durchschnittlichen bis sehr guten Erträgen zwischen Mühlhausen und Ebersbach war die Rede.

Doch nicht jeder kam in den vergangenen Monaten gut weg. „Für die Ernte dieses Jahr gilt noch mehr als sonst, dass sie unterschiedlich ausfällt“, sagte Hermann Färber. Mancher Acker bringe Rekorderträge hervor, während zwei Kilometer weiter nur „Murks“ wachse. „In ganz Württemberg kommen wir mit einem lachenden und weinenden Auge davon“, sagte Thomas Tränkle vom Agrarkonzern Baywa. Mancherorts habe der Hagel „ganze Ortschaften rasiert“.

Mit der Ernte sind die Bauern im Kreis durch die Bank zeitiger dran als sonst. „Eine frühe Ernte ist nicht so ertragreich“, sagte Hermann Färber. Was die Bauern bisher von den Feldern holten, bestätige diese Regel.

Im Vergleich zu Landwirten in anderen Landesteilen dürften solche Einbußen zu verschmerzen sein. Trotzdem empfiehlt der Leiter des Landwirtschaftsamts den Bauern, sich für Wetterextreme zu wappnen. „Futterbetriebe sollten sich fragen, welche Pflanzen sie anbauen können, die hitzeresistenter sind“, sagte Wilfried Dieterich. Sehr heiße Jahre wie 2003 und 1976 habe es immer schon gegeben. Extreme bei Hitze oder Kälte kämen aber durch den Klimawandel künftig häufiger vor als früher.

Viele Bauern haben mehrere Standbeine

Vielfalt: Die Struktur der hiesigen Landwirtschaft hat für viele Vorbildcharakter, sagt der Vorsitzende des Bauernverbands im Kreis. Ein Grund sei, dass nicht nur auf Viehzucht oder Getreideanbau, sondern auf viele Ausprägungen gesetzt werde. „Viele Betriebe haben mehrere Standbeine“, sagt Hermann Färber.

Einnahmen: Eine wichtige Ertragsquelle ist laut dem Verbandsvorsitzenden die Milchproduktion im Kreis. Im Fils­tal werde zudem mehr Grünlandwirtschaft als Ackerbau betrieben. Letzterer sei auf der Alb eine wichtige Anbauform.

Getreide: Etliche Mühlen im Kreis sind derzeit voll ausgelastet.

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