Medizin Karddialog zu aktueller Herzforschung im Seminaris

Professor Stephen Schröder moderierte den Abend.
Professor Stephen Schröder moderierte den Abend. © Foto: Staufenpress
Bad Boll / Annerose Fischer-Bucher 04.12.2018

Um bei der in den letzten Jahren sich enorm weiter entwickelnden Herzmedizin am Ball und auf dem neuesten Stand zu bleiben, gibt es unter Kardiologen den sogenannten Karddialog. Hochkarätige Experten trafen sich unter der Moderation von Professor Dr. Stephen Schröder, Chefkardiologe der Göppinger Klinik am Eichert, im Hotel Seminaris in Bad Boll, um sich über Teilbereiche verschiedener Strömungen auszutauschen.

Professor Dr. Christof Burgstahler aus Tübingen, der am Olympia-Stützpunkt Stuttgart als Sportmediziner tätig ist und die U 17 Fußballnationalmannschaft ärztlich betreut, sprach über Vorsorge in der Kardiologie und welche Untersuchungen aus kardiologischer Sicht sinnvoll sind. Professor Dr. Peter Radke, Neustadt, der lange Jahre an den Universitäten Aachen und Lübeck geforscht und gelehrt hat, gab einen Überblick über neu hinzugekommene Medikamente etwa im Bezug auf Gerinnungshemmung, Herzinsuffizienzbehandlung und Cholesterinsenkung.

Dr. Andreas Baumbach, Universitätsprofessor am Queen Mary Hospital in London, stellte das breite Spektrum der Interventions-Kardiologie mit Neuerungen samt allem Für und Wider vor. Er erläuterte die Entwicklung bis zum heutigen Katheterlabor und wann es sinnvoll sei, Stents einzusetzen. Beim Stent werde es keine Revolution mehr geben, jedoch seien Verbesserungen noch möglich. Zu den Herzklappen sagte Baumbach, es gebe heute neue und kleinere Klappen mit besseren Erfolgen und weniger Mortalität. Im Zusammenhang mit der Blutungsproblematik ging er auf die neue Technik als „richtig guter Ingenieurskunst“ ein, indem man einfach eine fünfte Herzklappe einsetze.

Dr. Hans-Jörg Weig von der Göppinger Klinik am Eichert, der die interventionelle Behandlung von Herzrhythmusstörungen in großen süddeutschen Zentren erlernt und die Methoden zwischenzeitlich in Göppingen etabliert hat, referierte über ausgefeilte Techniken im Katheterlabor. Komplexe Erkrankungen wie Vorhofflimmern, Ventrikuläre Tachykardien oder Extrasystolen können an der Göppinger Klinik behandelt werden.

„Herz und Psyche“ hatte Professor Dr. Christian Herdeg, Ruit, seinen Vortrag überschrieben. Nach Sprichwörtern zum Herz und dem Versuch einer Begriffsbestimmung von Seele, Psyche, Geist und Körper mit einem Rückgriff auf die Philosophie der Antike stellte er die Frage, ob sich die Schulmedizin nicht zu sehr dem Körper zuwende. Am Beispiel eines Managers mit einem Herzinfarkt mit traumatischer Krankheitserfahrung und Depression zeigte er, dass die Nöte der Seele auch ans Herz gehen können. Damit beschäftige sich die Psycho-Kardiologie.

Herdeg sprach über Herzrasen aufgrund von funktionellen Störungen, über die Herzneurose und über chronischen Stress und unbewältigte Konfliktsituationen, die das Herz krank machten, sowie über psychosoziale Folgen von Herzerkrankungen, die oft im Klinikalltag zu wenig in den Blick genommen würden. „Gerade die tollen Fortschritte der Medizin zwingen uns dazu, uns wieder mehr mit dem Menschen zu beschäftigen“, sagte der Chef einer kardiologischen Abteilung.

Man dürfe sich nicht nur als „Koronarklempner“ verstehen, sondern müsse auch „Seelenarzt“ sein und sich Zeit für die Nöte und Ängste des Patienten nehmen, so Herdeg, dem die „ganzheitliche Medizin“ ein Anliegen war. Psychosomatische Kliniken und ambulante Psychotherapie könnten beispielsweise helfen, den Teufelskreis zwischen Depression und Herzerkrankung zu unterbrechen. Eine breite Diskussion zu vielen Fragen schloss sich an.

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