In drei Minuten ein 75-seitiges Wahlprogramm zur Bundestagswahl im September vorstellen – geht das? Es musste gehen, denn die sechs Kandidaten wurden durch eine große digitale Stoppuhr im voll besetzten Kreissparkassen-Forum dazu gezwungen, sich kurz zu fassen. Und sie sollten das in einer einfachen Sprache ohne Fremdwörter tun. Dem Beifall des Publikums nach schien es den beiden Bundestagsabgeordneten Hermann Färber (CDU) und Heike Baehrens (SPD) sowie den anderen sich um ein Bundestagsmandat bewerbenden Kandidaten Hans-Peter Semmler (FDP), Dietrich Burchard (Grüne), Konstantinos Katevas (Linke) und Volker Münz (AfD) einigermaßen gelungen zu sein. Die Kandidaten stellten ihre Forderungen auf, sagten jedoch kaum etwas dazu, wie ihre Ziele zu verwirklichen seien.

Die Stiftung Haus Lindenhof mit Uwe Bauer hatte zusammen mit weiteren Kooperationspartnern die Veranstaltung organisiert, an die sich dann jeweils zwei 15-minütige Diskussionsrunden anschlossen, bei denen die Zuhörer jeweils in Stuhlkreisen den einzelnen Bewerbern Fragen stellen konnten. Die beiden Themen „Arbeit und Bildung“ und „Soziale Gerechtigkeit“ wurden durch die Vertreter der Kooperationspartner, zu denen auch der Kreisseniorenrat gehörte, moderiert: Wolfgang Schultes (VHS), Michael Tränkle (Lebenshilfe), Thomas Meyer-Weithofer (Evangelische Erwachsenenbildung), Dr. Christina Jetter-Staib (Katholische Erwachsenenbildung), Wolfgang Berger und Daniel Paric (Landeszentrale für politische Bildung).

Färber (CDU) übte „im wichtigsten Feld Wirtschaft“ Kritik an zu viel Bürokratie und forderte einen gleichen Zugang zu Bildung und Durchlässigkeit. Bei der Frage der sozialen Gerechtigkeit dürfe man den Starken nicht überfordern. Baehrens (SPD) sagte, alle sollten eine guten Lohn bekommen, mitmachen, sicher leben, gut lernen und in einer sauberen Umwelt leben können. Die meisten Steuern sollten von den Starken bezahlt werden.

Hans-Peter Semmler (FDP) nannte die Punkte Vorankommen durch eigene Leistung, Selbstbestimmung in allen Lebenslagen, Einsatz für Freiheit und Menschenrechte auch weltweit, einen unkomplizierten Staat sowie „beste Bildung“, die man erhalten wolle. Veränderungen, die die Linke wolle, so Konstantinos Katevas, seien keine Waffenexporte und Abrüstung. Sie seien gegen Auslandseinsätze, für einen Mindestlohn von 12 Euro und für Erhebungen und Erhöhungen von Vermögens- und Erbschaftssteuern, um eine komplette Änderung des Schulsystems zu bezahlen.

Das Motto „Zukunft wird aus Mut gemacht“ erläuterte Dietrich Burchard (Grüne) in vier Überschriften: Umwelt im Kopf, Welt im Blick, Freiheit im Herzen und Gerechtigkeit im Sinn. Demokratie funktioniere nur, wenn es Informationen gebe und daran Interesse bestehe. Volker Münz (AfD) beanspruchte für seine Partei „ein anderes Programm, weil die anderen das Gleiche sagen“. Er forderte keine Experimente und Volksabstimmungen und sagte: „Kriminalität steigt durch Zuwanderung“, „unser Schulsystem wird kaputtgemacht“ sowie „keine Inklusion, weil man in normalen Schulen den behinderten Kindern und den anderen Kindern nichts Gutes tut“.

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