Gruibingen Kampf mit der Bürokratie

Jürgen Fink (r.) und Hans Omrein sind die Vorstände der selbstständigen Raiffeisenbank Gruibingen. Foto: Margit Haas
Jürgen Fink (r.) und Hans Omrein sind die Vorstände der selbstständigen Raiffeisenbank Gruibingen. Foto: Margit Haas
MARGIT HAAS 19.03.2014
Gut aufgestellt blickt die Raiffeisenbank Gruibingen in die Zukunft - auch wenn die Vorstände Jürgen Fink und Hans Omrein mit immer mehr bürokratischen Hemmnissen zu kämpfen haben.

"In der Zinsfalle" titelte jüngst das Handelsblatt. Die historisch niedrigen Kapitalmarktzinsen betreffen aber nicht nur private Geldanleger. "Die anhaltende extreme Niedrigzinsphase ist für die Kreditwirtschaft insgesamt schädlich", stellt Jürgen Fink, einer der beiden Vorstände der selbstständigen Raiffeisenbank Gruibingen, fest. Weil es dauern wird, bis die Ursachen - die Staatsschuldenkrisen einiger europäischer Staaten und die Bankenkrise - aufgearbeitet sind, "müssen wir heute davon ausgehen, dass diese Niedrigzinsphase noch einige Jahre anhält", ergänzt sein Kollege Hans Omrein.

Was gerade Großbanken ins Straucheln brachte und sie auf die Unterstützung aus Steuergeldern anwies, ist bei der Raiffeisenbank in Gruibingen, eine der kleinsten im Landkreis, kein größeres Problem. "Wir sind gut aufgestellt und haben überdurchschnittlich viel Eigenkapital gebildet", betont Fink. "Im Gegensatz zu einigen Großbanken haben wir nämlich nie gezockt." Für sein Haus sieht Fink deshalb auch "keine Krise" - wie sie eben das Handelsblatt im Bereich des Möglichen sieht.

Gleichwohl geht die europäische Geldmarktpolitik natürlich nicht spurlos an der Gruibinger Bank vorüber. "Wir müssen eine Abschwächung unserer Ertragslage feststellen und uns entsprechend bewegen", sagt Omrein.

Im Jahr 2013 war der Zinsüberschuss erstmals deutlich geschrumpft. "Deshalb haben wir unsere Mitglieder bereits in der letztjährigen Generalversammlung darüber informiert, dass wir planen, die Dividende von sechs auf fünf Prozent zu kürzen", meint Omrein. "Dies ist weiterhin ein sehr hoher Wert", betont Jürgen Fink, seit mehr als 30 Jahren in verantwortlicher Position in der Bank.

Und anders, als es offensichtlich bei der einen oder anderen Großbank der Fall zu sein scheint, wird in Gruibingen langfristig geplant. "Wir haben unter Betrachtung der verschiedensten Zinsszenarien in die Zukunft geblickt", erläutert Fink. "In jedem Fall erreichen wir unseren Mindestzinsüberschuss, den wir benötigen, um unsere Kosten zu decken." Und: "Wo immer möglich, reduzieren wir Kosten." Dies soll aber nicht auf Kosten der rund 2400 Kunden der Bank geschehen. "Wir wollen unsere derzeitigen Öffnungszeiten nicht einschränken", betont Fink.

Auf manche Kosten haben die Gruibinger Einfluss, auf andere wiederum nicht. Denn obwohl die Bank gut aufgestellt ist und nie auf Unterstützung aus Steuergeldern angewiesen war, muss sie die Vorgaben der Bankenaufsicht einhalten. Und die werden immer umfangreicher, füllen ganze Ordner und bringen ein kleines Geldinstitut wie die Gruibinger Genossenschaftsbank ziemlich in Bedrängnis.

"Die Regulierung schießt über das Ziel hinaus", betont Hans Omrein. Und: "Sie trifft häufig die Falschen." Denn zwischenzeitlich müssen Fink und Omrein und ihre acht Mitarbeiter viel Zeit für Dokumentationen aufwenden, Zeit, die zum einen Geld kostet und sich so negativ auf den Ertrag der Bank auswirkt und Zeit, "die wir viel lieber für unsere Kunden einsetzen wollen, statt uns ständig um neue und immer noch umfangreichere Vorschriften zu kümmern".

Die Kunden der Bank kommen überwiegend aus der Region. In den vergangenen Jahren sind es mehr geworden - die Bankenkrise hat auch in Gruibingen dazu beigetragen, dass sich Anleger wieder vermehrt auf regionale Kreditinstitute und ihre Partner besinnen.

Gleichwohl ist auch die Raiffeisenbank von der Konkurrenz des Internets und den Direktbanken betroffen.

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