Dürnau Kamin von Gralglas fällt

Ende einer Ära: Der 34 Meter hohe Kamin der Firma Gralglas in Dürnau wird im Jahr 1990 gesprengt und zerfällt in Schutt und Asche. Fotos: Giacinto Carlucci
Ende einer Ära: Der 34 Meter hohe Kamin der Firma Gralglas in Dürnau wird im Jahr 1990 gesprengt und zerfällt in Schutt und Asche. Fotos: Giacinto Carlucci © Foto:  
Dürnau / ELKE BERGER 25.07.2015
Drei Pfund Sprengstoff beraubten Dürnau am 21. Juli 1990 seines "Wahrzeichens": Der 34 Meter hohe Kamin der Firma Gralglas wurde mit höchster Präzision in einen Haufen Ziegelsteine verwandelt.

Pünktlich zum Ladenschluss um 13 Uhr donnerten an diesem Samstag vor 25 Jahren die Sprengexplosionen durch Dürnau und ließen den Gralglas-Kamin in einer Staubwolke verschwinden, stand am 23. Juli 1990 in der NWZ. 1500 Gramm Ammongelit 3, nach der "Fallschlitz-Methode" in neun v-förmig angeordnete Bohrlöcher präpariert vom Technischen Hilfswerk Schwäbisch Gmünd unter der Leitung von Sprengmeister Irtenkauf, benötigte der Schornstein, um aus der Fassung zu geraten und sich gleichzeitig so zu neigen, dass seine Trümmer genau in die vorbereitete Kuhle fielen.

Nicht allein sein hohes Alter - 40 Jahre hatte der Schlot mittlerweile auf dem Buckel - hatte sein Ende besiegelt. Vor allem die Tatsache, dass der alte Kamin nicht mehr dafür taugte, in ihm moderne, dem Immissionsschutz genügende Filteranlagen unterzubringen, machte es notwendig, an seiner Stelle Platz zu schaffen für einen neuen, 25 Meter hohen Edelstahlkamin mit den erforderlichen Filtern.

Seit 1930 war Gralglas ein Begriff im Raum Göppingen, ab 1950 produzierte man auch in Dürnau und so fühlten sich viele Dürnauer mit der Firma verbunden, weswegen die Sprengung bei so manchem Dürnauer Wehmut auslöste. Nach zwei Konkursverfahren, 1981 und 1986, stand ein Neubeginn unter der Leitung der Firma Auer Handels GmbH aus Köln an. Ihr Ziel war eine reduzierte handwerkliche Glasproduktion - von industrieller Fertigung wollte man auch weiterhin nichts wissen. Dafür wurde nun ein Neubau auf 2000 Quadratmeter Grundfläche erstellt. Noch bis 1995 hielt sich die Firma mit ihrer Glasproduktion, dann war endgültig Schluss. Die hohen Lohnkosten der erforderlichen Handarbeit wurden ihr zum Verhängnis. Heute gibt es in Dürnau ein Gralglas-Museum.

Was sonst noch geschah . . .

21. Juli 1990: Beim Göppinger Stadtbad entscheidet sich der Gemeinderat der Stadt für die kleine Lösung: Man beschränkt sich auf eine Asbestsanierung und die Umgestaltung des Daches.

22. Juli 1965: Bei strahlendem Sonnenschein findet im Turnerschaftsstadion das Sportfest der Göppinger Schulen statt. In diesem Jahr nehmen immerhin 4000 Schüler und Lehrer daran teil.

23. Juli 1965: Göppingen feiert seine 10-jährige Patenschaft für die sudetendeutsche Heimatlandschaft "Schönhengstgau" im heutigen Tschechien.

23. Juli 1990: In Uhingen wird das neue Freibad eröffnet, dessen Bau als "Zangengeburt" bezeichnet wird: Streichung aus dem Haushaltsplan, Bürgerproteste und Unterschriftenaktionen gingen dem Baustart voraus.

SWP

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