Lauterstein Kages Mikrowelt: Östrogen in Farbenpracht

Der Blick durchs Mikroskop faszinierte die Besucher bei der Führung durch die Kristallwelten von Kage in Weißenstein. Einfacher Sand verwandelte sich in kleine Wunderkugeln.
Der Blick durchs Mikroskop faszinierte die Besucher bei der Führung durch die Kristallwelten von Kage in Weißenstein. Einfacher Sand verwandelte sich in kleine Wunderkugeln. © Foto: Claudia Burst
CLAUDIA BURST 09.09.2015
Manfred Kage war acht Jahre alt, als er zum ersten Mal durch ein Mikroskop lugte. Ab diesem Moment ließ ihn die Faszination der Mikrowelten nie mehr los. Das erfuhren die Besucher jetzt bei einer Führung.

Heute ist Manfred Kage 80 Jahre alt. Die Faszination für die Welt im Kleinen blieb bestehen. Der Visionär in Bezug auf Mikrofotografie gründete das Institut für wissenschaftliche Fotografie, das er mit seiner Frau Christina, seiner Tochter Ninja-Nadine und seinem Schwiegersohn Oliver auf Schloss Weißenstein betreibt. Dort wirkt und wirbelt er seit 1971 - und kann mit seinem Elan und seiner Begeisterung bis heute die Besucher in den Bann seiner Mikro-Welten ziehen. Problemlos stellte der Chemie-Ingenieur das beim Sommer der Ver-Führungen im als Museum genutzten ersten Stock des Schlosses unter Beweis.

"Kristalle" lautete das Thema. Beruflich habe er die wunderbaren Bilder entdeckt, die durch auskristallisiertes Magnesiumsulfat entstehen, erzählte er. Er habe dann andere Substanzen kristallisiert, weiter experimentiert, Polfilter benutzt und mit eingebauten Kameras damit farbige Bilder erhalten. Kage sprudelt über vor Begeisterung, als er davon spricht, wie er erstmals mit Rasterelektronenmikroskop arbeiten konnte. Endlich Bilder von dreidimensionalen Objekten.

Wie die Entwicklung in der Mikrofotografie weiterging, wie Manfred Kage im Lauf der Jahre immer professionellere Mikroskop-Kamera-Techniken entwickelte und immer tiefer in die Kristallwelten eintauchte - davon erfuhren die 20 Besucher bei einem Demonstrations-Film. Kristalle gibt es nicht nur in Gesteinskristallen oder in der Tiefsee, Kage entdeckte sie in Knochen, Holz, Metall, in Pflanzen und anderen organischen Substanzen. Der Film präsentierte die an Kaleidoskop-Eindrücke erinnernde Geometrie mancher Kristalle genauso wie die Farbenpracht von Hormonen wie Östrogen oder Testosteron. Die DNA des Menschen sah hier aus wie ein kunstvolles Aquarell, Vitamine faszinierten durch die Verschiedenartigkeit, mit der sie kristallisieren, und Weichmacher sind zwar "umstritten in der Anwendung, ergeben aber traumhafte Bilder", erläuterte Oliver Kage im Kinoraum.

Das Trio Vater, Tochter, Schwiegersohn wechselte sich ab, führte seine Gäste durch Bildergalerien, Kinoräume, Ausstellungsräume. Zweieinhalb Stunden vergingen auf diese Weise kurzweilig und schnell. Die hochherrschaftlichen Räumlichkeiten erwiesen sich als edler Rahmen - sowohl für die zahlreichen ausgestellten Mikroskope der letzten Jahrzehnte als auch für die Vielzahl der in dieser Zeit benutzten Kameras als auch für das Mineralienkabinett. Hier war es erneut Oliver Kage, der die Besucher mit einem für seine Größe verblüffend schweren Eisen-Meteoriten faszinierte.

Den Entdeckergeist der Kristallwelt-Reisenden weckte Ninja-Nadine Kage im Raum mit den Mikroskopen, die mit Untersuchungsproben bestückt waren und benutzt werden durften. Die Gäste kamen spätestens hier aus dem Staunen nicht mehr heraus. "Ich will auch ein Mikroskop", flüsterte der zehnjährige Hannes seiner Oma zu, als er entdeckte, wie sich selbst Mallorca-Sand in kleine Wunderkugeln verwandelt, wenn man ihn so stark vergrößert. Im letzten Raum war es wieder Manfred Kage selbst, der an seinem Stereomikroskop mit dem Polfilter zauberte und auf diese Weise ganze Landschaften in seinen Achat-Vergrößerungen sichtbar machte. "Echt stark", "wunderschön", "sagenhaft" oder "faszinierend", lauteten die Adjektive, die an diesem Nachmittag von begeisterten Ver-Führten am häufigsten verwendet wurden.

Schon ver-führt?

Freie Plätze In den kommenden Tagen gibt es unter anderem bei diesen Veranstaltungen noch freie Plätze:

Angebote Führung historische Pumpstation Bad Überkingen - Albwasserversorgung, 755 Jahre Bartenbach (11. September), Führung in die Kahlensteinhöhle Bad Überkingen

Ausgebucht Revoluzzer, Pioniere und Bierbrauer, Weinwanderung im Remstal, Von Ganslosen nach Auendorf - das Hägenmarkdorf, Zwischen Schwamm und Myzel - Literarisches aus dem Pilzwald (abgesagt)

Anmeldungen direkt beim jeweiligen Veranstalter. Infos zu den einzelnen Angeboten auf www.landkreis-goeppingen.de