Rechberghausen Käsespätzle für den bösen Wolf

Rechberghausen / Sabine Ackermann 21.08.2018
Kurzweilig präsentierte das Reutlinger Sturmvogel-Team spannend-witzig „Der Wolf und die kleinen Geißlein“.

Es war so langweilig ohne Euch – aber jetzt geht’s ja los“, machen die zwei Protagonisten des Theaters Sturmvogel Appetit auf das Grimmsche Märchen im neuen Gewand. Nicht nur bei diesem Satz wird klar, bei den Stücken mit und von Sandra Jankowski und Frank Klaffke sind die Jüngsten ein wichtiger Bestandteil des Stücks. Und wer glaubt, bei nur drei kleinen Geißlein ist nichts los – der kennt Dicky, Zottel und Piefke noch nicht. „Der Wolf und die kleinen Geißlein“ war Auftakt zur Rechberghäuser Kindertheaterwoche.

„Findet ihr, dass ich meckere?“, hakt Mama Geiß bei den aufmerksam zuhörenden Kindern nach und kann mit dem darauffolgenden lauten „Ja“ ganz gut leben. Kurzerhand präsentiert sie ihr Meckerlied mit Musikbegleitung und schon ist das Publikum mitten drin in der Geschichte. Denn warum soll es bei den „Geißens“ anders als bei Familie Müller oder Maier sein?

Kaum ist die Mama aus dem Haus, freuen sich die drei Geschwister darauf, alles mal so richtig auf den Kopf zu stellen. Auch auf der Bühne ist viel los: Schlitten, Schaukelpferd sowie jede Menge Spielzeug zaubern eine kunterbunte „Kinderzimmer-Atmosphäre“. Kein Wunder, dass das Chaos keiner aufräumen will. Mal agieren Sandra Jankowski und Franz Klaffke als fantastische Erzähler, mal verwandeln sich die Schauspieler mit wenigen Handgriffen hinter der schwarzen Wand in die Geißenmutter und den nicht allzu bösen Wolf. Einfallsreiche Masken und Kleider lassen die Akteure immer wieder anders aussehen und machen den Mädchen und Jungen ab vier Jahren – bis auf eine Ausnahme – keine Angst. Ganz im Gegenteil.

Cool steckt der graue Wolf im edlen Blazer, trägt dazu seine Maske und wirre Zottelhaare sowie einen roten Glitzerschal. Mit seinen weißen Handschuhen (sie symbolisieren die Geißenmama) und den schwarzen Fingerwärmern (quasi die Wolfspfoten unter der Tür) wirkt er eher skurril als gefährlich. Auch „Mecker-Muttis“ Anblick zaubert eher ein Grinsen als Ehrfurcht ins Gesicht der Zuschauer. Gut gewählt – das adrette Blümchenkleid und der struppig-braune Lockenkopf, aus dem die Hörner und Ohren frech hervor lugen. „Jetzt tanzen wir den Wolfstanz, wackeln mit dem Schwänzchen“, regt auch der coole „Wolf-Song“ dank der einfachen Reime zum Mitsingen und Mitklatschen an.

Ohne Zwang, aber mit ansteckender Spielfreude und guter Laune hat das schwäbische Schauspiel-Duo kleine wie große Zuschauer schnell auf ihrer Seite.

„Eins, drei, sechs, fünf“, zählt Piefke den Versteckreim. „Ich kann nicht richtig gut zählen, helft ihr mir?“ Und natürlich lassen sich das die Kinder nicht zweimal sagen. Gemeinsam wird im Chor korrekt bis zehn gezählt. Gewollt und ohne erhobenen Zeigefinger driften Sandra Jankowski und Franz Klaffke bisweilen in Nebenschauplätze wie den des Apothekers ab. Bei ihm will der listige Wolf einfach nur Kreide kaufen und schon wird den Kindern die Frage gestellt, was denn eigentlich genau ein Apotheker so macht.

Wie im Original wird Meister Isegrim am Ende der Bauch „schnipp-schnapp“ aufgeschnitten und diesmal mit quadratischen Pflastersteinen gefüllt. Klug gelöst – die gruselige OP findet nur angedeutet hinter einer Schattenwand statt. Und am Schluss? Ja da kommt der Wolf zur Einsicht: „Nie wieder Geißenfleisch, das liegt mir viel zu schwer im Magen“, jammert er und will zukünftig seinen Speiseplan auf Salat, Karotten und Kässpätzle umstellen.

Jeden Tag Theater für Kinder

Aufführungen Am heutigen Dienstag steht „Rudi, der Zwerg aus dem Märchenland“ vom Doris-Batzler-Theater aus Karlsruhe auf dem Programm, am Mittwoch „Der Froschkönig“ mit dem „theater en miniature“ aus Leimen; am Donnerstag heißt es „Ich mach dich gesund, sagte der Bär“ vom Blinklichter Theater aus St. Leon-Rot. Der Freitag gehört der Hör- und Schaubühne aus Stuttgart mit „Briefe vom Maulwurf an den Hasen“. Am Samstag spielt das Theater Tam-Bambura aus Ludwigsburg „Die Bienenkönigin“ und am  Sonntag ist  „Hans im Glück“ vom Puppentheater Tredeschin Stuttgart an der Reihe. Alle Theaterstücke sind für Kinder ab vier Jahren und finden im Haug-Erkinger-Saal in Rechberghausen statt. Die Spieldauer liegt zwischen 45 und 55 Minuten, Beginn ist immer um 17 Uhr (Einlass 16.30 Uhr).

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