Deggingen Kämpfer für die Förderschule

Nach 18 Jahren als Rektor der Berneck-Schule in Deggingen ist Reinhard Irmscher (Mitte) gestern in den Ruhestand verabschiedet worden. Foto: Bernward Kehle
Nach 18 Jahren als Rektor der Berneck-Schule in Deggingen ist Reinhard Irmscher (Mitte) gestern in den Ruhestand verabschiedet worden. Foto: Bernward Kehle
Deggingen / BERNWARD KEHLE 07.07.2012
Seit 1994 war Reinhard Irmscher Rektor der Berneck- Schule in Deggingen. Gestern ist er in den Ruhestand verabschiedet worden. Die Schüler begeisterten mit dem schwarzen Theater "Die schöne Lau".

Im Foyer der Werkrealschule Deggingen herrschte gestern ein munteres Treiben. Rund 60 Gäste, darunter viele Lehrerkollegen, die Bürgermeister im Schulverband Oberes Filstal, Vertreter der Kirchen, von Firmen, Institutionen und Eltern, mit denen der bisherige Rektor der Berneck-Schule Reinhard Irmscher seit 1994 zu tun hatte, waren gekommen, um den Schulleiter zu verabschieden. In einem schwarz verhangenen Schulzimmer führten "seine" 19 Schüler und zwei fünfte Klassen der Werkrealschule "Die schöne Lau" auf. In tiefster Dunkelheit erlebten die Gäste im "schwarzen Theater" eine tolle Vorstellung. Die Schüler und die für das Theater verantwortlichen Lehrer bekamen tosenden Beifall.

Die Geschäftsführerin des Schulverbandes Oberes Filstal, Stephanie Benz, begrüßte die Gäste. Schulrätin Heidrun Storz verabschiedete den Sonderschul-Rektor sodann offiziell in den Ruhestand. Interessant dessen Vita vom Aufwachsen in der ehemaligen DDR, die seine Familie mit ihm 1957 illegal verlassen hat. Erster Wohnort sei Eislingen gewesen, dort habe er die Realschule besucht und später die Wirtschaftsoberschule in Göppingen mit dem Abschluss der Fachhochschulreife. Nach zwei Jahren Wehrdienst dann das Studium in Esslingen - und nachdem er sein Herz für die Sonderpädagogik entdeckt habe, sei ein weiteres am Institut für Sonderpädagogik in Reutlingen gefolgt. Die Schulrätin wünschte Rektor Irmscher alles Gute im Ruhestand in seiner neuen Heimat am Bodensee.

Heidrun Storz bemerkte weiter, dass es nicht gelungen sei, in der Leitung der Schule mit einem neuen Rektor oder einer Rektorin einen nahtlosen Übergang zu schaffen. Nachdem sich niemand beworben habe, sei die Stelle erneut ausgeschrieben worden. Als kommissarische Schulleiterin habe das Staatliche Schulamt Göppingen die Sonderschulrektorin der Pestalozzischule Geislingen, Irmgard Wörz, in dieses Amt berufen. Eines sicherte die Schulrätin auf jeden Fall zu: Die Berneckschule wird auch weiterhin in Deggingen bestehen bleiben.

Der Schulverbandsvorsitzende, Deggingens Bürgermeister Karl Weber, betonte, dass die Berneckschule "gut aufgestellt" sei. Er bedankte sich für die gute Zusammenarbeit und übergab Irmscher eine Pflanze für seine neue Wohnung. Der geschäftsführende Schulleiter des Ländlichen Bildungszentrums Deggingen, Rainer Maroska, hatte das Ganze in Verse gefasst: "Der, welcher geht, nimmt stets ein Stück von denen mit, die bleiben - und ebenso lässt er von sich etwas zurück beim Scheiden." Er gab Reinhard Irmscher viele guten Wünsche für den Ruhestand mit auf den Weg. Und weil das schwarze Theater so toll gespielt worden sei, lade die Realschule die Berneckschule zu einer Fahrt zum Blautopf ein. Dort hatte Eduard Mörike die Geschichte von der schönen Lau angesiedelt.

"Abschied zu nehmen heißt loslassen", erklärte der Schulleiter der Werkrealschule in Deggingen, Frank Henzler - einen Beruf und eine Berufung hinter sich zu lassen. Es bedeute aber auch den Blick nach vorne zu richten auf den bevorstehenden Ruhestand. Weitere Grußworte sprachen die Elternbeiratsvorsitzende Miriam Schulz und im Auftrag des Kollegiums Peter Allmendinger.

Die Rührung war dem scheidenden Rektor anzumerken, als er sich zum Schluss der zweieinhalbstündigen Veranstaltung bei allen Gekommenen bedankte und die Gelegenheit ergriff, sich noch einmal vehement für den Erhalt der Förderschulen einzusetzen.