Kabarett Kabarett trifft Modehaus

Premiere im Modehaus: Resolute Camping-Platzwartin „Renaade  Stempfle“ vor feiner Bekleidungskulisse.
Premiere im Modehaus: Resolute Camping-Platzwartin „Renaade  Stempfle“ vor feiner Bekleidungskulisse. © Foto: Sabine Ackermann
Süßen / Sabine Ackermann 14.05.2018

„Das gab’s noch nie in Süßen“, verrät Gastgeberin Kristina Irsigler. Ihr Modehaus wird zur Kabarettbühne für einen fiktiven Campingplatz mit freistehendem Lokus und, natürlich, Platzwartin Renaade Stempfle. Die nimmt kein Blatt vor den Mund.

Saubere Sanitärräume wollen alle, aber selber mal die Klobürste schwingen, auf die Idee würde keiner kommen, wettert sie gleich los, hebt den WC-Deckel hoch und erkennt das Problem: „Wahrscheinlich hen die Männer Kastrationsängste“! Fortan zieht sie über die neue Generation der Camper her, mit deren Ansprüchen es immer schlimmer wird. War früher der Bademantel von 7 bis 9 Uhr ein „must have“, hieß „veganes Reiten für Kinder“ halt Fahrrad fahren, hielt man auf wackligen Campingstühlen „Maulaffen feil“, sei heutzutage „Glamping“, Luxus pur in der Natur, quasi „Wildpinkeln auf höchstem Niveau“, angesagt. Anstelle von Plastikgeschirr gehörten Porzellan oder Weingläser aus Kristall ebenso wie Kaffeevollautomat, Mikrowelle, Fritteuse und Küchenmaschine zur Ausstattung. „Man kocht nicht mehr analog, sondern digital-vernetzt, der Thermo-Mix ist längst zum Familienmitglied geworden“, echauffiert sich Renaade Stempfle.

Sie macht ihre Sache trotz offensichtlicher Anspannung bei ihrer Premiere ganz gut. Sehr angenehm, dass ihre Betonung nicht so langgezogen und überzeichnet ist, wie der Vorname vermuten lässt. Dagegen etwas zu reduziert sind Emotionen, Mimik und Gestik bei den versteckten Botschaften, den Subtexten und auch bei der Präsentation ihrer Pointen: Beim Hinspielen auf den Gag ist angesichts der fehlenden kurzen Sprechpausen noch Luft nach oben. „Mein Chef schwätzt älleweil dazwischa“, umspielt die Kabarettistin schlagfertig den einen oder anderen Hänger – gemeint ist damit ihr Mann Andy, allerdings schwächelte dieser unter kollektivem Publikums-Gelächter selbst einmal: „Gibt’s denn sowas – mein Souffleur schloft!“

Und das ausgerechnet in jener pikanten Szene, als Renaade Stempfle das Thema Camping, Sex und Einzelbetten erläutert, ganz nach dem Motto: „Camping und Sex passt ogfähr so zamma, wie Tofuwurschd ond Metzlsupp.“

Dennoch empfiehlt die resolute Campingplatzwartin ihren Gästen aus dem nicht-schwäbischen „Ausland“ die Teilnahme an einem Integrationskurs. Schwierigste Übung fürs Publikum: „Wa deand denn dia do danna en denne Dennele denna?“

All dies erlebe sie jeden Tag, bekräftigt die 49-jährige Autorin, freie Journalistin und Kabarettistin Angelika Wesner  aus Degenfeld. Sie hat Krimis über die „Soko Camping“ geschrieben  und als passionierte Camperin auch längst den (Galgen-) Humor dahinter entdeckt. Seit Januar 2017 präsentiert sie als Platzwartin den Ort des Grauens oder der Erholung.

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