Kabarett Kabarett mit Michl Müller in Uhingen

Michl Müller stellte im Uditorium sein Programm „Dreggsagg“ vor.
Michl Müller stellte im Uditorium sein Programm „Dreggsagg“ vor. © Foto: Giacinto Carlucci
Uhingen / Sabine Ackermann 28.07.2018

Gleich zweimal wehte binnen fünf Tagen der Geist von Shakespeare durchs Uditorium, ob es dazu allerdings einen (angel)sächsisch plappernden Totenkopf als Shakespeare braucht? Wohl eher nicht. Schließlich hat der 46-Jährige in seinem eingängigen Titel: „Hey, ich bin nicht Shakespeare, bin nicht Goethe, bin nicht Schiller, bin der Michl Müller“ selbst erkannt, dass die feinen Unterschiede nicht im Inhalt, sondern lediglich in der sprachlichen Ausdrucksform liegen.

Bester Beweis – die legendäre Balkonszene mit „Romeo und Julia“ wird in die Gegenwart versetzt, im bunten Scheinwerferlicht baggert BMW-Fahrer und Checker Hassan seine Julia an. Doch gemessen an der Reaktion des Publikums, hat der energiegeladene Unterfranke mit seinem spitzbübischen Charme selbst bei intimen Fragen, wie etwa der, „ob auch alle e frische Unnerhos anhaben“, die Zuschauer im ausverkauften Saal auf seiner Seite. Bei dem gelernten Werkzeugmacher sind die Sprüche manchmal wie fast nebenbei daher gesagt: „Hitze, Hitze, aber dafür Tiefdruck Özil“, stellt Michl Müller fest und kommt wieder auf die „Unnerhos“ und das Einmaleins der Hygiene zurück. So heißt die Waschmaschine des Mannes „Febreze“.

Zum Schießen, wenn er mit entsprechender Mimik von der Wirkung eines wasserscheuen „72-Stunden-Deo-Benutzers“ im überhitzten Bus erzählt oder von seinem „Nivea-Syndrom“ berichtet. Werbung von Jogi Löw hin oder her, seit ihm seine Mutter das weiße Zeugs drei Zentimeter dick als Kind aufs Gesicht geschmiert habe, zieht Michl Müller trockene Haut sowie Rosamunde-Pilcher-Filme dem „Tatort“ vor.

Dann wandert der vielseitige Kabarettist kurz in die Politik ab, nimmt Merkel, Kretschmann und den bekannten Rest aufs Korn und stellt fest, dass Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen mehr Kinder als intakte Eurofighter habe.

Mit gewohnter Leidenschaft arbeitet sich Michl Müller an den Widrigkeiten des täglichen Lebens durch: Ärgert sich über die zeitraubenden Service-Hotlines und den Spruch: „Man muss auch mal den Anbieter wechseln“ – seitdem gebe es mehr Scheidungen. Stellt zwar erstaunt fest, dass die über 60-Jährigen statistisch am häufigsten Sex haben und ist Mitglied in über 80 Vereinen, weil er sich eine dreitägige Beerdigung mit ganz vielen Trauerreden wünscht, ganz nach dem Motto: „Wir haben ihn gemocht, da haben wir ihn noch nicht gekannt.“

Mit Elan, viel Schmackes und ohne Hänger präsentierte Michl Müller in Uhingen ein buntes Kaleidoskop voller Themen. Keine Frage: Der Franke ist in der obersten Liga angekommen. Auch deshalb, weil er gar nicht mal so schlecht singt. So kommen in seinem Programm auf jeden Fall die mit einer speziellen Choreo­grafie getanzten Schlager-Persiflagen bestens an – diesmal hat der Spaßvogel mehrere Hits von Ed Sheeran „ins Deutsche zurück übersetzt“. Die tragen dann ­lustige Titel wie „Heringsdösle“, „Fleischereifachverkäuferin“ oder „Sex ist nicht alles, wäre aber schön“ und werden mitunter wie Helene Fischer „performt“. Und die gleicht in seinen Augen einer Sicherheitsunterweisung im Flugzeug.

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