Ebersbach / Angela Bötzl  Uhr

Der erste regionale Familienblog ist online. Alexandra Gaida-Steingaß hat die Vorstellung ihres eigenen Blogs in die Realität umgesetzt. Ein EDV-Profi unterstützte sie beim Aufbau, weshalb die Vorbereitungen bereits nach zwei Monaten erfolgreich abgeschlossen waren. Nun befüllt sie ihn seit November fast täglich mit neuem Content.

„Breit gefächert aber übersichtlich“, beschreibt sie ihr virtuelles Tagebuch. Alles zum Thema Familie wird dort veröffentlicht. Ihr eigenes Familienleben bleibt dabei außen vor, es soll nicht im Mittelpunkt stehen. Durch Ausflugs- und Reisetipps, Spielzeugtrends und Erziehungsratgeber stöbern täglich zwischen 40 und 400 Leser. Am liebsten porträtiert die Ebersbacherin Menschen, die Interessantes zu erzählen haben. Das Interview mit einem Familienvater, der sich neben der Alltagsorganisation und den Kindern um seine im Wachkoma liegende Frau kümmert, hatte bis jetzt mit über 800 Klicks die meisten Leser. Dafür, dass es den Blog erst seit ein paar Wochen gibt, sei das schon recht viel, findet sie.

Nach ihrem Verlagsstudium an der Hochschule der Medien in Stuttgart ist die 38-Jährige hauptberuflich als Autorin, Verlegerin und im Marketingbereich tätig. Durch die Recherchen für ihr vor einem Jahr erschienenes Buch stieß sie zum ersten Mal auf einen Blog. „Bis dahin wusste ich selbst nicht, was das ist“, gibt sie zu. Ihr Interesse wurde geweckt, weil das Bloggen die Möglichkeit verschafft, spontane Textideen schnell und einfach umzusetzen.

An einem Beitrag sitze sie normalerweise ein bis zwei Stunden, bevor er „live geht“. Bunte Artikel zeigen auf ihrem Blog „Mama im Ländle“ was das facettenreiche Ländle für Familien zu bieten hat. Die Bilder zu den Berichten macht sie selbst und die Namensfindung gestaltete sich relativ einfach. „Es sollte etwas mit der Region und Mamas zu tun haben.“ Heraus kam: Mama im Ländle.

Primär richte sich der Familienblog an Frauen, vor allem an die Mamas unter ihnen. Selbst Mutter einer fünfjährigen Tochter, arbeitet sie eng mit ihrem Redaktionsteam, bestehend aus zwei Freundinnen, zusammen. Über das Team oder ihren Bekanntenkreis bekommt sie häufig Themenvorschläge und Interviewpartner vermittelt. Aber auch spontan auf dem Spielplatz kam schon ein interessantes Gespräch zustande, das danach in Schriftform auf der Website landete.

Angst, dass ihr die Themen ausgehen hat Alexandra Gaida Steingaß nicht, im Gegenteil: Die Ideen sprudeln nur so aus ihr heraus. Ihre Familie sei sehr aktiv, deswegen gebe es immer Füllmaterial. Bald steht ein Besuch im Steiff-Museum mit Tochter und Mann an, einige Porträts sind geplant. Die aus Stuttgart stammende Sängerin Cassandra Steen zu interviewen, steht ganz oben auf der Wunschliste. „Ich interessierte mich für viele Sachen“, sagt sie. Nur so kann sie eine große Bandbreite bieten mit der viele Leser erreicht werden. Um die Perspektive auch mal zu wechseln, haben Gastautoren die Möglichkeit, von ihren Familien, eigenen Erfahrungen und Geschichten zu erzählen.

Feedback gibt es auch schon. „Einer Leserin fehlen auf der Seite die Großeltern, und sie hat recht“, meint die Schreiberin, die sich über Anregungen freut. Oma und Opa sollen künftig einen festen Platz auf der Seite bekommen.

Am wichtigsten sei ihr die Authentizität des Blogs. Er solle nicht, wie andere, vollgestopft sein mit gesponserten Posts. Vielmehr soll der Inhalt einen Mehrwert für die Leser haben. „Viele Leute wissen gar nichts von den tollen Ausflugszielen, die es hier gibt“, sagt sie. Um sie vorzustellen, nutzt sie die Plattform. Warum soll es nur in Großstädten wie Berlin oder München tolle Blogs geben? Unsere Region müsse sich nicht verstecken, betont die Schreiberin und hofft, dass sich das Bloggen auch in kleineren Städten weiter etabliert. Eigentlich sei das ganze Projekt ein Versuchsballon, um zu sehen, ob es Zuspruch findet und sich in der Region ausbreitet.

Neben den virtuellen Texten schätze sie als „Bücherfrau“ auch schöne, hochwertige Bücher. Beides miteinander zu vergleichen wäre aber falsch, weil es zwei völlig unterschiedliche Medien sind. Für die Unentschlossenen, die mit dem Gedanken spielen einen Blog zu eröffnen, hat Alexandra Gaida-Steingaß einen Tipp: „Wenn man eine Idee hat, sollte man ihr eine Chance geben und einfach mal machen.“

Was ist ein Blog?

Tagebuch: Ein Blog ist ein virtuelles Tagebuch, das im Internet öffentlich zugänglich ist. Oft ist er auf einen Bereich spezialisiert, wie Mode, Reisen oder alles rund um die Familie. Im Laufe der Zeit hat sich Bloggen zu einem ernstzunehmenden Vollzeitberuf entwickelt. In Großstädten längst nichts Besonderes mehr, können namhafte Blogger mittlerweile sehr gut davon leben.

Reichweite: Ein Muss sind viele Leser. Hunderte, Tausende, nach oben keine Grenze, die die Website regelmäßig verfolgen und dadurch reichlich Klicks bescheren. Je mehr, desto besser. Firmen interessieren sich immer mehr für die Reichweite und Zielgruppen der Blogs, um gezielt Werbung zu machen. Kooperationen kommen zustande, für die die Blogger der Reichweite entsprechend bezahlt werden.

Hobby: Gaida berichtet von einer Mutter, die durch ihren erfolgreichen Familienblog ihre fünfköpfige Familie ernähren kann. Mit „Mama im Ländle“ sei sie jedoch nicht auf der Jagd nach Klicks, sondern sehe es als reines Hobby, das ihr viel Spaß macht.