Jeden Tag Gemeinheiten und Angriffe. Blöde Sprüche und Bloßstellungen. Videoclips im Internet, in denen sich seine Peiniger über ihn lustig machen. Markus S. (Name von der Redaktion geändert) hat die Hölle auf Erden erlebt. Mehr als drei Jahre wurde der 15-jährige Schüler gemobbt. „Ich bin richtig tief dringehängt“, sagt der Teenager. Leichte Depressionen machten ihm zu schaffen, der Gang zur Schule wurde zum Horrortrip. „Irgendwann merkt man, dass es nicht mehr geht“, fügt er hinzu. Nach einem langen Leidensweg vertraute er sich seiner Familie an, die ihm vorschlug, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. „Zuerst wollte ich das nicht“, sagt Markus. Heute ist er froh, den Schritt zu Therapeuten gemacht zu haben: „Ihnen verdanke ich viel“, meint der Jugendliche. „Ich habe gelernt, nicht ständig zu interpretieren, sondern entgegengesetztes Denken einzusetzen: So wird aus einer Fliege kein Elefant.“

Markus sagt heute von sich: „Mir geht’s ziemlich gut.“ Er möchte jungen Menschen, die in einer ähnlichen Situation wie er damals stecken, Mut machen, um aus diesem Teufelskreis zu entkommen. Daher spricht er über seine Erfahrungen – aus aktuellem Anlass. Denn am Donnerstag, 28. Juli, steigt auf dem Gelände der EWS-Arena ein Festival unter dem Motto „Take care + respect“ – sich kümmern und respektieren. Bei dieser Großveranstaltung geht es um mehr Menschlichkeit und gegenseitige Wertschätzung, die Organisatoren wollen ein Zeichen gegen Gewalt und damit auch gegen Mobbing setzen. Simone Thieß, Inhaberin des Therapeutischen Zentrums und Beratungsstelle für Konflikthilfe in Göppingen, hat das Event zusammen mit unzähligen engagierten Jugendlichen auf die Beine gestellt.

Simone Thieß weiß, wie es ist, wenn Probleme krank machen. Wenn junge Menschen zu Komasäufern, Gewalttätern oder Mobbern werden. Oder zu Opfern – wie Markus. Dass er auf dem Schulhof bloßgestellt wurde und ihm seine Schulsachen ins Genick geworfen wurden, sei schon schlimm genug gewesen, sagt der 15-Jährige. „Doch Cybermobbing ist noch heftiger als normales Mobbing“, weiß der Teenager aus eigener leidvoller Erfahrung. „Das Geschriebene verbreitet sich schnell und lässt sich dann nicht mehr aufhalten.“ In drei Videoclips hätten sich seine Feinde über ihn lustig gemacht – für jeden rund um die Uhr zugänglich im Internet. Markus empfiehlt, niemals die eigenen Zugangsdaten preiszugeben und im Netz regelmäßig nach sich selbst zu suchen, „falls dort Dinge stehen, die man nicht möchte. So etwas wieder zu löschen, kann schwierig sein, denn das Internet vergisst nie“, sagt der Schüler. Sein Tipp: „Immer erst denken, dann posten.“

Das hat der 15-Jährige aus seiner Zeit als Mobbing-Opfer gelernt. Aber noch viel mehr. Zum Beispiel, dass man nicht zurückschlägt, selbst wenn man gemobbt wird. Oder dass man nicht in Selbstmitleid verfallen sollte, selbst wenn es einem dreckig geht. „Am Anfang kann man nichts dafür, wenn man gemobbt wird“, meint Markus. „Aber irgendwann begreift man, dass man an der Situation auch irgendwo teilschuldig ist.“ Der Jugendliche hat gelernt, auch über sich selbst nachzudenken: Wie wirke ich auf andere mit einem grimmigen Gesichtsausdruck? Und wie reagiere ich, selbst wenn mich jemand schräg anschaut? „Früher bin ich da immer zurück in ein Muster gefallen“, blickt Markus zurück. Heute kann er Situationen ins Positive lenken, er hat gelernt, seine Selbstwahrnehmung zu verbessern und seine Frustrationstoleranz erhöht. Handwerkszeug, das ihm die Therapeuten mit auf den Weg gegeben haben und das ihm geholfen hat, zu einem „Kein-Mobbing-Opfer-mehr“ zu werden.

Nena rockt die EWS-Arena: Es gibt noch Tickets

Konzert: Der Höhepunkt der Großveranstaltung am 28. Juli ist der Live-Auftritt von Nena. Die deutsche Popmusikerin wird ab 20 Uhr die EWS-Arena rocken. Tickets gibt es bei der Volksbank in Göppingen und in Geislingen sowie online unter www.eventim.de. Als Vorband treten ab 18.30 Uhr die Singer/Songwriter „Juno im Park“  auf.

Festival: Das Großereignis „Take care + respect“ beginnt bereits um 11 Uhr mit einer Menschenkette, die ein Zeichen gegen Gewalt und mehr Menschlichkeit setzen soll. Der Göppinger Oberbürgermeister Guido Till wird die Veranstaltung auf dem Marktplatz eröffnen. Die Party-Meile auf dem Außengelände der EWS-Arena eröffnet um 12 Uhr. Die Besucher erwarten zahlreiche Aktionen wie Menschenkicker und Bungee-Run. An verschiedenen Bars gibt es die Möglichkeit, mit Experten rund um die Themen Gewalt, Mobbing, Drogen beziehungsweise Auswege aus Problemsituationen ins Gespräch zu kommen. Mehrere Live-DJs werden an diesem Tag auflegen. Der Eintritt zur Party-Meile ist frei.