Jugendhaus Jugendliche packen an

Eislingen / Karin Tutas 13.02.2018

Die Jungs geben alles. Einen rund 600 Kilogramm schweren Billardtisch vorwärts zu bewegen, dazu gehört schon etwas. „Dazu braucht’s acht Mann“, sagt Jugendhausleiter Hänsi Weiß. Das gute Stück muss zwar nur rund 50 Meter weit transportiert werden, aber es wird ein Kraftakt. Gestern hat der Umzug des bislang im Bahnhofsgebäude untergebrachten Jugendhauses Nonstop in die neuen Räume im ehemaligen Ausstellungsgebäude der Firma Holz Koch begonnen. Ein 14-köpfiges Team – alle Stammgäste des Nonstop – wird während der Faschingsferien das Inventar ins neue Gebäude schaffen.

Der Sozialpädagoge weiß, dass er sich auf seine Jungs verlassen kann. „Die standen alle pünktlich da“, berichtet Weiß. Einige, die bereits in der Ausbildung sind, haben eigens Urlaub genommen, um mitzuhelfen. „Stahlbau Nägele hat seine Azubis sogar freigestellt“, freut sich der Jugendhausleiter. Die Jugendlichen freuen sich auf ihre neuen Räume. Dort gibt es rund 280 Quadratmeter Fläche – etwa 100 mehr – als im Bahnhofsgebäude, was der Jugendarbeit neue Möglichkeiten eröffnet. Dank des Raumkonzepts gebe es Rückzugsmöglichkeiten, um gezielt mit Gruppen zu arbeiten. Zum Beispiel soll im Nonstop die Arbeit mit Mädchen forciert werden, die bislang eher die Minderheit der Besucher bilden.

Rund 80 000 Euro hat die Stadt in den Umbau des Gebäudes an der Bahnhofstraße investiert. Wände wurden rausgerissen, Zwischenwände mit Glasfenstern reingezogen, ein neuer Fußboden verlegt, die Decke frisch verputzt, moderne Toiletten eingebaut und auch eine Dusche. Es gibt eine Küche, einen Werkraum und ein Büro für die Mitarbeiter, das auch als Garderobe umfunktioniert werden kann. Der Clou des neuen Jugendhauses ist die Jam-Box, ein schallisolierter Raum mit einer kleinen Bühne für Veranstaltungen. Damit bei den Rap-Battles und Konzerten die Musik auch mal aufgedreht werden kann.

Der Eislinger Bauhof habe beim Umbau tolle Arbeit geleistet, berichtet Weiß, der während der Abbruchphase jeden Abend mit seiner jugendlichen Putzkolonne vor Ort war, um den Schutt wegzuräumen und das Haus durchzuwischen. Das habe auf die Mieter, die im Obergeschoss wohnen, schon mal einen positiven Eindruck gemacht und für einen freundlichen Kontakt gesorgt.

Im alten Gebäude wird jetzt die Musikanlage angeworfen. Derweil diskutiert die Umzugsmannschaft, wie der rund drei Meter lange Tresen der Bar am geschicktesten transportiert werden kann. Das Teil ist sperrig und vor allem schwer. Aber Weiß weiß, dass seine Truppe das hinkriegt. Die Jugendlichen sind es gewohnt, in ihrem Treff anzupacken. Auch im neuen Gebäude werde Beteiligung groß geschrieben. „In den nächsten Wochen werden wir das Haus gemeinsam einrichten“, sagt Weiß.

Die Stadt hat aus der Jugendbeteiligung ein Projekt gemacht, das aus dem Programm „Soziale Stadt“ des Bundes mit insgesamt 100 000 Euro gefördert wird. Die jungen Jugendhausbesucher werden nicht nur ihre Räume mitgestalten, sondern auch eine Rampe bauen, um das Haus barrierefrei zu machen. Die Rampe werde ein Gesellenstück von Auszubildenden der Firma Stahlbau Nägele. Gefördert wird aus dem Bundestopf auch die Schaffung mädchengerechter Räume. „Das ist eine tolle Sache für die Stadt“, sagt Oberbürgermeister Klaus Heininger, der solche Beteiligungsprojekte „enorm wichtig“ findet, zumal die Stadt damit gute Erfahrungen gemacht habe: „Wo immer Jugendliche Hand anlegen, gehen sie mit Respekt damit um.“

100 000 Euro für soziales Begleitprogramm

Jugendhaus Das Nonstop betreut an Spitzentagen bis zu 60 Kinder und Jugendliche an vier Nachmittagen in der Woche.
Umbau Die Stadt Eislingen hat rund 80 000 Euro in den Umbau der neuen Räume investiert.
Beteiligung Für das soziale Begleitprogramm gibt es 100 000 Euro aus der Städtebauförderung. Bezuschusst wird neben der aktiven Mitgestaltung der Räume und den Bau einer behindertengerechten Rampe durch die Jugendlichen auch die Einrichtung von Räumen zur Förderung der Mädchenarbeit.