Nicht nur im Land, sondern auch im Landkreis Göppingen hat das Jugendamt im vergangenen Jahr häufiger eingegriffen, wenn das Kindeswohl gefährdet war. Wie aus Zahlen des statistischen Landesamtes hervorgeht, mussten die Mitarbeiter 79 Kinder und Jugendliche in Obhut nehmen, 18 mehr als im Vorjahr. Diese Akut-Maßnahme ist Krisensituationen vorbehalten. Die Heranwachsenden werden dann umgehend aus ihrem bisherigen Umfeld genommen und vorübergehend für einige Stunden oder Tage in Bereitschaftspflegefamilien oder in Heimen untergebracht.

Meist schließt sich an diese Inobhutnahmen und Herausnahmen (auch gegen den Willen der Sorgeberechtigten) eine "Hilfe zur Erziehung" an - auf Landesebene war das 2013 bei rund 86 Prozent der Schutzmaßnahmen der Fall. Einige Kinder und Jugendliche kehren anschließend in ihr gewohntes Umfeld zurück, andere kommen fest in einer Pflegefamilie oder im Heim unter. Wieder andere benötigen stationäre Hilfe in einem Krankenhaus oder in der Psychiatrie.

Häufig melden Erzieherinnen, Lehrer, Nachbarn und Kinderärzte Hinweise auf vernachlässigte, misshandelte oder missbrauchte Kinder ans Jugendamt. In landesweit einem Fünftel aller Fälle veranlasste im Jahr 2013 die Polizei die Schutzmaßnahme. Nicht selten wenden sich die Jugendlichen in ihrer Not selbst ans Jugendamt - im Landkreis Göppingen in fünf Fällen, landesweit insgesamt 746 Mal, also in rund einem Fünftel aller Fälle.

Die Jugendämter in Baden-Württemberg griffen im Jahr 2013 insgesamt 3809 Mal ein. Verglichen mit dem Vorjahr (3617 Fälle) war das ein Anstieg um fünf Prozent. Im Jahr 2011 hatte es rund 3300 Fälle gegeben, im Jahr 2010 rund 3000 Fälle und weitere fünf Jahre zuvor waren es nach den Zahlen der Statistiker erst knapp 1700 Fälle gewesen.

Höhere Aufmerksamkeit der Bevölkerung

Soziologen zufolge beruht die Steigerung einerseits auf einer höheren Aufmerksamkeit der Bevölkerung durch die Medienberichterstattung. Erschütternde Fälle wie der Tod des, vom drogensüchtigen Ziehvater vernachlässigten, zweijährigen Kevin in Bremen im Jahr 2006 haben die Menschen sensibler gemacht. Andererseits sehen die Experten auch die immer schwieriger werdenden Lebensverhältnisse von vielen Familien. Hinzu kommt, dass die Zahl unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge steigt, auch sie werden vom Jugendamt in Obhut genommen.

Statistisch wird bei den Schutzmaßnahmen übrigens unterschieden zwischen der Inobhutnahme und der Herausnahme (auch gegen den Willen der Eltern oder des Sorgeberechtigten). Letzteres war im Landkreis Göppingen zwei Mal der Fall. Von den insgesamt 77 Inobhutnahmen geschahen fünf auf eigenen Wunsch des Minderjährigen und 72 aufgrund einer Gefährdung.

Die Hauptursache für das Eingreifen des Jugendamtes lag 2013 erneut in einer Überforderung der Eltern oder eines Elternteils. Fast die Hälfte aller Fälle in Baden-Württemberg geht darauf zurück. Dahinter folgten Beziehungsprobleme (15 Prozent), dann bereits die unbegleitete Einreise von minderjährigen Flüchtlingen (14 Prozent), Anzeichen von Misshandlungen (elf Prozent) und von Vernachlässigungen (zehn Prozent).