Wiesensteig Jubiläum beim Männergesangverein Concordia Wiesensteig

Wiesensteig / CLAUDIA BURST 21.03.2014
Miteinander singen und Gemeinschaft pflegen - das ist den Männern der Concordia Wiesensteig seit mittlerweile 150 Jahren wichtig. In diesem Jahr soll das Jubiläum groß gefeiert werden.

"Ei du Mädel vom Lande", singen mir über 30 gestandene Männer zu. Es ist ein Lied, das sie aus dem Stegreif beherrschen, gehört es doch zu den klassischen Liedern aus dem Repertoire des Männergesangvereins Concordia Wiesensteig. Es ist Dienstagabend, kurz nach acht im Übungsraum der Sänger im Nebengebäude der Hauptschule. Chorleiterin Heidemarie Güller hat die Männer fest im Griff. Seit über 23 Jahren leitet die Expertin den Chor, macht Atem- und Sprachübungen, bevor es ans Singen geht. "Sie hört jeden falschen Ton und weiß, von wem der kommt. Das ist manchmal unglaublich", verrät der Vorsitzende der Concordia, Volker Rapp, schmunzelnd. "Es macht einfach Spaß, das Singen", fasst der 66-Jährige zusammen, warum so viele der 37 aktiven Sänger seit Jahrzehnten dem Verein angehören. Sogar Paul Göser singt noch mit. Mit 87 Jahren ist er der älteste der Truppe und war nach dem Krieg einer derjenigen, die den Traditionsverein wieder mit ins Leben gerufen haben. Josef Haile ist mit seinen 47 Jahren der Jüngste. Die Altersbreite eines der größten Männergesangvereine im Chorverband Hohenstaufen ist damit überdurchschnittlich groß.

Genau 150 Jahre ist es her, dass der Männergesangverein Concordia Wiesensteig gegründet wurde. "Die Sängersache muss damals () mit großer Begeisterung betrieben worden sein", heißt es in der Vereins-Chronik von 1953. So kamen zur Fahnenweihe im Jahr 1864 immerhin 300 Sänger nach Wiesensteig und zwar ohne Eisenbahn oder Omnibus. Im Lauf der eineinhalb Jahrhunderte unterlag das Vereinsleben der Concordia einem steten Auf und Ab. Äußerliche Gründe für die Tiefpunkte bilden in erster Linie die beiden Weltkriege. Immer wieder gab es jedoch musikbegeisterte Sänger, die "ihrem" Verein wieder neues Leben einhauchten. So geschehen ab 1921 unter dem Vorsitzenden Henrich Dummlert. Die Wiesensteiger machten unter seiner Ägide in den 20er und Anfang 30er Jahre mit "Aufführungen des deutschen Opernrepertoires" von sich reden, wie etwa dem "Freischütz" oder "Zar und Zimmermann". Und erneut 1948 bei einer "Wiedergründungsversammlung", die Josef Armbruster zum Vorsitzenden wählte. Bereits im Februar 1949 gehörten dem Verein wieder 77 aktive Sänger an.

"Das Soziale, die Gemeinschaft ist uns allen ganz wichtig", betont der aktuelle Vorsitzende Volker Rapp. Auch damit liegen die Mannen voll in der Tradition ihres Vereins. Die Chronik berichtet von besonderen Sängerausflügen in den 20er Jahren, die "als angenehme Abwechslung im Vereinsleben galten".

Bis heute ist es Brauch, nach den Singstunden am Dienstagabend erst dem oder den jeweiligen "Geburtstagskindern der Woche" ein Ständchen zu geben, bevor die Männer die Wiesensteiger Gastronomen beehren und dort noch Karten spielen oder plaudern. Zwei Wanderungen, eine im Winter, eine im Sommer beziehen die ganze Familie mit ein. Jedes Jahr gibt es darüber hinaus den Sängerausflug oder den Familienabend Anfang Januar.

Um etwas Geld in die Vereinskasse zu spülen, wird auch gemeinsam "gschafft" beim alljährlichen "Kartoffelfest" im Schlossgarten, das aus der früheren Tradition des "Ebelesfestes" entstanden ist. Oder im vergangenen Jahr erstmals beim Weihnachtsmarkt. "Dort haben wir Heidschnucken-Gulasch verkauft", fügt der Zweite Vorsitzende des Vereins, Walter Reichersdorfer hinzu.

Öffentliche Auftritte haben die Concordia-Männer das ganze Jahr über im Städtle: beim Seniorennachmittag, am Totensonntag, an Fronleichnam, am Altjahresabend oder beim Marktplatzsingen an Heilig Abend. Der sängerische Höhepunkt findet jedoch im Oktober mit dem "Herbstkonzert" statt. Dort beweisen die in schwarz-grün gekleideten Barden, dass sie doch nicht nur der Tradition verhaftet sind: Unter Heidemarie Güller hat sich das musikalische Repertoire des Chors weit über Silcher und deutsches Liedgut hinaus verbreitert. "Sie hat die Themenkonzerte eingeführt. So singen wir die unterschiedlichsten Lieder: zum Thema "sonniges Italien", zum "Berlin der 20er Jahre", zum "Baikal" oder fröhliche "Weinlieder", erzählt Reichersdorfer. "Deshalb gehen wir alle nach wie vor so zahlreich und gerne in die Singstunde."

Zum Jubiläum haben Volker Rapp und Walter Reichersdorfer eine eindrucksvolle Festschrift verfasst, die an die Vereinsmitglieder, Sponsoren und befreundeten Chöre verteilt wird.

Das Jubiläumsjahr beim MGV Concordia Wiesensteig
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