Ein Blick in die Zeller Holzwerkstatt der Arbeits- und Lebensgemeinschaft Bad Boll genügt, um festzustellen: Es gibt viel zu tun. Nach dem Motto. „Vorbereitung ist alles“, arbeiten fünf Mitarbeiter mit Unterstützungsbedarf gemeinsam auf ihren alljährlichen Adventsverkauf hin. „Die Regale müssen voll sein“, sind sich Lisa Attinger, Ramona Bauer, Katrin Vogt und der „gefühlte Chef“ Moritz Schiebel einig. Annika Hagmann, Nesthäkchen und seit September neu im Team, hält sich noch ein wenig zurück. „Die Arbeit macht mir Spaß, mein Opa Ernst ist auch Schreiner“, sagt die 19-jährige und ihr Lächeln wirkt noch etwas schüchtern. Werkstattleiter Heinrich Götz wirft ihr einen aufmunternden Blick zu, er weiß, dass es einfach seine Zeit braucht, bis sich die neuen Mitarbeiter eingewöhnen. „Annika hat zuvor ein Praktikum gemacht und die Belastungsprobe gut gemeistert“, erzählt der Werkstattleiter.

In der Holzwerkstatt wird sowohl ernsthaft als auch sehr sorgfältig gearbeitet. Gleichwohl für den Eigenbedarf als auch für Fremdarbeiten wie beispielsweise von der Firma Ostheimer, die in diesen Tagen jede Menge Sterne benötigt.

Für den Feinschliff der begehrten Himmelslichter ist Moritz Schiebel zuständig. Konzentriert bearbeitet er alle Sternspitzen mit der rotierenden Schleifmaschine, dreht dabei den Holzstern auf jeder Seite um 360 Grad. „Das ist gar nicht so einfach, sich die Spitze zu merken, mit der man begonnen hat. Schleift man nämlich zu viel ab, ist der Stern hinüber“, erklärt Götz und ergänzt: „Macht man diese eintönige Arbeit über Stunden, erfordert das ein hohes Maß an Konzentration“. Doch der 30-jährige hat den Bogen raus. „Ich zähle ganz für mich immer bis sechs, dann wird’s gut“, verrät er. Und in der Tat, ein Stern gleicht dem anderen. Das können einige der Frauen auch, bringen  sich aber lieber zusammen beim Einölen oder Marmorieren ein. Derzeit sind es fünf junge Erwachsene mit Handikap, die sechs Stunden täglich unter der Anleitung von Götz sowie den beiden Schreinern Peter Siller und Andrea Braun, letztere ist zudem Betreuerin, einer sinnvollen Arbeit nachgehen.

Und der Anspruch ist groß. „In unserer Holzwerkstatt arbeiten wir sozial, fair und ökologisch. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit und ohne Handicap freuen sich besonders, von Hand gute Holzartikel aus nachhaltigem Holz zu fertigen“, betont Günther Hofmann. Und der ALB-Vorsitzende gibt zu, die Produktpalette im Sommer aus betriebswirtschaftlichen Gründen nur noch auf vorerst vier Artikel reduziert zu haben, sei ein Fehler gewesen. „Den Leuten war das zu wenig Auswahl, wir bekamen jede Menge Zuspruch, wieder mehr zu produzieren“. Insofern wird wieder aufgestockt, kommt zu dem Altbewährten immer wieder Neues dazu. Wie zum Beispiel das Staufer-Spiel, ein lustiges Gesellschaftsspiel für die ganze Familie, oder die rustikale Staufer-Schale aus gehämmertem Lindenholz. „Eine blühende Linde träufelt geradezu von Süßigkeit und ein herrlicher Duft strömt nach allen Seiten“, nennt Hofmann den Grund, warum Botaniker die Linde auch gerne Honigbaum nennen.

Und genau aus diesem weichen und hellen Lindenholz sind die neuen Staufer-Schalen geschnitzt, welche die Mitarbeiter mit Unterstützungsbedarf mit feinem Schleifpapier und wohlriechendem Bio-Öl sorgfältig bearbeiten. Erst dann kommen die gewollten Maserungen und Unebenheiten prima zur Geltung.

Großer Tag in der Holzwerkstatt


Weihnachtsmarkt: Morgen ist von 14 bis 20 Uhr Weihnachtsmarkt in der Holzwerkstatt der Arbeits- und Lebensgemeinschaft Bad Boll in der Boschstraße 20 im Zeller Gewerbegebiet. Es gibt Punsch und Christstollen, die Erzeugnisse reichen von Weihnachtsartikeln bis zu Bauklötzen und Spielzeugautos.

Adventssingen: Um 18 Uhr begrüßt Werkstattleiter Heinrich Götz die Gäste, anschließend Adventssingen mit dem Inklusiven Chor der evangelischen Kirchengemeinde Zell und der Inklusiven Musikwerkstatt der JMS Göppingen.

Sage: Sagen-haft wird es bei der Sage vom Staufer-Spiel von und mit Günther Hofmann. Ebenso bei der Sage vom Hohenstaufen von und mit Hedwig Schlecht. Dazu erzählt Heinrich Götz aus der Holzwerkstatt.