Zwei ältere Frauen sind mit ihren Nordic-Walking-Stöcken im Göppinger Oberholz unterwegs und drehen am Dienstag dieser Woche ihre morgendliche Fitnessrunde. Da kommt ihnen ein junger Mann entgegen, mit einem Hund, der nicht angeleint ist. Eine der Frauen sagt zu ihrer Freundin: „Sollen wir raus gehen auf den geteerten Weg?“ Die antwortet: „Ja, ich habe doch Angst vor Hunden.“ Die Frauen biegen ab auf den Hildenbrandweg, die geteerte Straße in Richtung Bartenbach. Für den Hundehalter ist das offenbar zu viel. Er rastet komplett aus.

„Einfach die Fresse halten und weiterlaufen!“

„Ich habe noch nie so Angst in meinem Leben gehabt“, berichtet eine der beiden Freizeitsportlerinnen. Der Mann – etwa 25 bis 30 Jahre alt, muskulös, nackter Oberkörper, tätowiert – sei aus dem Wald auf die Straße gerannt und habe sich vor ihrer Freundin aufgebaut, ihr im Abstand von fünf Zentimetern ins Gesicht geschrien und sie dabei angespuckt: „Einfach die Fresse halten und weiterlaufen!“ Dann habe er ihr den Walking-Stock aus der Hand geschlagen. Währenddessen habe er die Kette seines Hundes um seine Hand gewickelt und damit herumgefuchtelt.

Göppingen

„Ich dachte, dass er sie jetzt gleich schlagen würde“, erzählt die Frau. „Ich wies ihn dann darauf hin, dass hier Leinenpflicht für Hunde herrsche.“ Das brachte den Mann, der akzentfrei Deutsch sprach, noch mehr in Rage: „Was willst du denn jetzt? Der Hund tut doch nichts“, habe er gerufen. Zudem habe sein Tier Zahnschmerzen. „Der Mann hatte einen totalen Kontrollverlust, er war nicht mehr zurechnungsfähig“, sagt die Frau.

Glück für die Sportlerinnen: In diesem Moment tauchte ein Ehepaar auf. Die Bitte, die Polizei zu rufen, konnte das Paar nicht erfüllen, es hatte – wie auch die Frauen – kein Handy dabei. Immerhin ließ der Mann nun von den Damen ab, seine Begleiterin drängte darauf, den Schauplatz zu verlassen. Ganz in der Nähe klingelten die Frauen schließlich bei Bekannten und riefen von dort die Polizei, wählten den Notruf 110. Was dann geschah, macht die Anruferin völlig fassungslos: „Ich sage Ihnen gleich, das ist strafrechtlich nicht relevant“, habe der Beamte am anderen Ende der Leitung gesagt. „Bei uns kann doch jeder machen, was er will.“ Sie hätten dann überlegt, ob sie die Geschichte auf sich beruhen lassen, sagt die Betroffene. Schließlich habe sie aber beschlossen, etwas zu unternehmen: „Das kann ja nicht sein, dass der ungeschoren davonkommt, so jähzornig, wie der ist.“

Immer wieder nicht angeleinte Hunde

Immer wieder trifft die Frau im Oberholz auf Hundehalter, die ihre Tiere nicht anleinen, obwohl dies im Wald vorgeschrieben ist – „sicher sieben Mal die Woche“, meint sie. Zwar sei noch nie etwas vorgefallen, aber immer wieder mal gebe es „ein pampiges ,ach, der macht doch nichts’“. Die Göppingerin meint: „Ich habe noch nie erlebt, dass ein Hundehalter einsichtig war.“

Die Pressestelle des Polizeipräsidiums Ulm konnte gestern zu dem Fall im Oberholz nichts sagen. Er war nicht aktenkundig.

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Polizei: Stadtrat mahnt bessere Kommunikation an


Fragen: Die zwei bedrohten Frauen haben sich an den Göppinger FWG-Stadtrat Wolfgang Berge gewandt. Der hat nun einen Fragenkatalog an OB Guido Till geschickt. Unter anderem will Berge wissen:

An wie vielen Tagen waren Mitarbeiter der Ortspolizeibehörde in den vergangenen drei Monaten zu Kontrollzwecken im Oberholz? Samstags? Sonntags? Nachts?

Wie viele Ordnungswidrigkeiten wurden festgestellt und in welcher Weise geahndet?

Wie oft war in dem genannten Zeitraum die Landespolizei im Oberholz im Einsatz?

Wie kann die Kommunikation zwischen Bürgerschaft und Polizei verbessert werden?