Besuch Ja zur Gemeinschaftsschule

Beim Bildungsgespräch: Volker Schebesta (CDU) und Volker Steinbrecher.
Beim Bildungsgespräch: Volker Schebesta (CDU) und Volker Steinbrecher. © Foto: Schule
Bad Boll / Jürgen Schäfer 03.07.2018

  Er ist kein Gegner der Gemeinschaftsschule. Volker Schebesta, CDU-Politiker aus Offenburg und zweiter Mann im Kultusministerium, spricht ihr einen Platz im Schulsystem zu. Sein Credo: Nicht die Schulform sei entscheidend, sondern der gute Unterricht. Der Lehrer also. Und so kam er völlig unverkrampft zu Besuch in die Heinrich-Schickhardt-Schule, die eine der ersten Gemeinschaftsschulen im Land war.  Eingeladen hat ihn der Schul-Förderkreis.

Diesen Förderkreis gibt es schon lange. Ihr Vorsitzender ist über Bad Boll hinaus bekannt: Volker Steinbrecher, früher an der Evangelischen Akademie und jetzt Beauftragter der Evangelischen Landeskirchen beim Landtag und der Landesregierung.  Man kennt sich also.

Steinbrecher interviewte den Politiker. Was macht ein Staatssekretär im Kultusministerium eigentlich? Den Anzug habe er heute nur an, weil einen Gast aus Indien empfangen musste, verrät er. Wie hat er seine Schulzeit erlebt? Wäre Gemeinschaftsschule auch was für ihn gewesen? Schebesta muss seine Zuhörer enttäuschen. Nein, winkt er in einer lockeren Talk-Runde vor Lehrern, Eltern und Schülern ab, er würde auch heute wieder das Gymnasium wählen. Er hat das Abi mit 1,8 gemacht, dann Jura studiert, wäre gerne Richter geworden.

Aber er lobt die Bad Boller Gemeinschaftsschule. „Man merkt schon, was das für eine Atmosphäre und ein Zusammengehörigkeitsgefühl ist.“  Bei einem Rundgang hat er Eindrücke bekommen und in eine Inklusionsklasse hineingeschnuppert. Er steht hinter der Inklusion und sieht es als Prozess, sie in die Fläche zu bringen. „Es wäre stinklangweilig, wenn alle gleich wären“, sagt er. Wäre es da nicht sinnvoll, ein Kompetenzzentrum Inklusion zu schaffen? An der Bad Boller Schule, die schon soviel Erfahrung hat? Schebesta geht nicht darauf ein. Man habe das akute Problem: Es gibt zu wenig Sonderpädagogen. „Das macht es nicht einfacher.“ Die Bad Boller Schule hat damit zu kämpfen. Für das nächste Schuljahr seien ihr nur noch die Hälfte der Sonderpädagogen in Aussicht gestellt, klagten Rektor Thomas Schnell und Konrektorin Viola Knogler. Mehr Lehrer, das wissen sie, sind auch nicht zu bekommen. Die sind Mangelware. Es werden bereits Quereinsteiger genommen. So solle man wenigstens die über Gebühr eingespannten Kollegen ein bisschen entlasten. Über das Deputat gehe das.

Die Gemeinschaftsschule sieht sich als Schule für alle. Für sie war es eine gute Wahl, sagten dem Gast zwei Schüler aus Klasse 10. Der eine kam damals auf eigenen Wunsch, dem anderen empfahlen es die Eltern. Jetzt wechseln beide auf das sozialwissenschaftliche Gymnasium in der Öde. Sie würden auch gerne bleiben, wenn die Gemeinschaftsschule zum Abi führen würde. Ein offener Wunsch ans Kultusministerium.

Schüler fragen den Politiker: Warum muss Schule so früh morgens beginnen? Schebesta fragt sich das manchmal auch. Aber: „Wenn man das ändern will, da hängt viel dran.“

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