Das mit dem Verkehrsfluss in Geislingen ist so eine Sache für sich. Immer wieder werden Klagen der Autofahrer laut, von den Ampeln ausgebremst zu werden, die gefühlt immer auf Rot stehen. Für einen besseren Verkehrsschluss soll nun zumindest mittelfristig ein Beschluss des Geislinger Gemeinderats sorgen. Das Gremium hat in seiner Sitzung am Mittwoch den Grundsatzbeschluss gefasst, in der Oberen Stadt einen Kreisverkehr zu planen und zu bauen. Genauer: an der Kreuzung, an der die Bahnhof-, die Heidenheimer und die Weiler Straße zusammenlaufen.

Gesamtkosten von über einer Million

Die voraussichtlichen Kosten für das Projekt beziffert das zuständige Ingenieurbüro Junginger aus Heidenheim auf 1,15 Millionen Euro –  „was aber nur eine grobe Schätzung ist“, wie Helena Wenzel vom Geislinger  Tiefbauamt betont. Man müsse wohl noch mit einer Steigerung rechnen, wenn die Planung konkret wird. Den Bau würden  – vorbehaltlich der Zustimmung des Kreistags – Stadt und Landkreis dann finanziell gemeinsam stemmen. Hintergrund:  Bereits im März 2017 hatte das Straßenbauamt des Landkreises  der Geislinger Stadtverwaltung mitgeteilt, dass die recht marode Heidenheimer Straße – zugleich Teil der K 1441 – in den vordringlichen Sanierungsbedarf aufgenommen wird. Im Zuge dessen wollte die Behörde wissen, ob es bei der Stadtverwaltung Planungen gebe für eine „Verbesserung der städtebaulichen und verkehrstechnischen Situation“. Dort war das Thema nicht neu und schon vor zehn Jahren Teil einer Machbarkeitsstudie mit dem Titel „Verkehrskonzeption Bahnhofstraße“.

Gespräche auf beiden Ebenen

Auf jeden Fall gab es nun Gespräche beider Ebenen, das Ingenieurbüro Junginger berechnete, ob der Verkehr auf der Kreuzung mit der bisherigen Ampelschaltung oder auf einem Kreisel besser fließt. Mehr als 12 000 Autos rollen dort täglich drüber. Ergebnis der Studie: beide Varianten sind praktikabel, ein Kreisverkehr verbraucht aber deutlich weniger Platz, weil der Verkehr nur einspurig geführt wird, sprich: diverse Abbiegespuren wegfallen.

Am Ende stand die gemeinsame Entscheidung für einen Kreisel – aus Sicht der Geislinger Stadtverwaltung nicht zuletzt auch aus dem Grund, weil die in die Jahre gekommene Ampelanlage erneuert werden müsste, was wiederum erhebliche Kosten für Geislingen bedeutet hätte. Weitere Vorteile: Bei einem Kreisel verringert sich die Schadstoffbelastung der Umwelt durch Abgase, weil es keine wartenden Autos mehr gibt bei Ampel-Rotphasen – was sich gerade in den verkehrsärmeren Zeiten am Tag respektive Abend bezahlt macht. Außerdem könnte die Insel im Kreisel begrünt und damit das Stadtbild aufgewertet werden. Außerdem braucht ein Kreisel im Gegensatz zu einer Ampel keinen Strom.

Kreisverkehr mit Durchmesser von 34 Metern

Der Kreisverkehr würde  basierend auf einem Entwurf des Heidenheimer Ingenieurbüros Junginger – einen Durchmesser von 34 Meter haben. Dort, wo an den zuführenden Straßen bisher Fußgängerampeln stehen, kämen Zebrastreifen hin. In der Weiler Straße, die bislang in diesem Bereich noch ohne direkten Überweg zur nordöstlichen Seite der Heidenheimer Straße ist, sollen die Fußgänger künftig über eine Querungshilfe auf die andere Straßenseite kommen.

Mit dem Bau eines Kreisverkehrs würden denn auch die einmündenden Straßen verkehrstechnisch und baulich auf Vordermann gebracht. So etwa sieht der Entwurf für die Heidenheimer Straße zumindest einseitig einen durchgehenden Fahrrad-Schutzstreifen vor. In der südlichen Bahnhofstraße sollen Radler-Schutzstreifen zum Kreisverkehr beziehungsweise von ihm wegführen. Dass die Radler um das Rondell herum geleitet werden, damit sie nicht zusammen mit den Autos durchfahren müssen, ist aus Platzgründen nicht möglich. Für den Katzenloch-Tunnel sind beidseitige Schutzstreifen  für Radler vorgesehen, außerdem aus Sicherheitsgründen eine neue, stärkere Beleuchtung.

Sollten sich Stadt und Kreis über die Finanzierung einig werden, würde das Straßenbauamt einen Förderantrag ans Land stellen, dessen Ausgang allerdings erst im kommenden Jahr feststünde. Danach würde die Planungsphase anlaufen, Baubeginn wäre frühestens im Frühjahr 2021 – bei einer Bauzeit von einem halben Jahr. Im Vorgriff steht aber  noch heuer die Betonsanierug des Katzenloch-Tunnels an, Vergabe des Auftrags ist im Juni. Mit Baubeginn des Kreisels würde dann auch der Abschnitt der Weiler Straße – ebenfalls Teil der K 1441 – bis zur Kreuzung mit Konrad-Adenauer-/Bühlwiesenstraße saniert. Eine Komplettsanierung der Heidenheimer Straße wird es dagegen nicht vor 2023 geben.

„Längst überfällig“ nannte Stadtrat Hans-Peter Maichle in der Debatte das Projekt, „was mich ärgert, ist der Zeitpunkt der Sanierung der Heidenheimer Straße. Die Fahrbahn ist schon jetzt stellenweise lebensgefährlich für Radfahrer.“ Ludwig Kraus wollte wissen, was denn passieren würde, würde der Kreistag abwinken. „Das könnte ja bedeuten, dass an uns alles hängen bleibt, weil wir den Beschluss gefasst haben.“ OB Frank Dehmer sieht dem Schwur des Kreistags aber gelassen entgegen, „schließlich ist der Landkreis in der Sache auf uns zugekommen“. Fest stehe aber: Ohne geteilte Finanzierung werde es auch keinen Kreisel geben.