Technik ISDN-Aus verzögert sich

Kreis Göppingen / Axel Raisch 07.01.2017

Das angekündigte Aus für ISDN wird wohl etwas länger dauern. Die Umstellung auf Telefonie über „IP“, also mittels digitaler Übertragungstechnik ist in vollem Gange, aber bis Ende des Jahres 2017 wohl längst nicht in trockenen Tüchern. „Die IP-Umstellung wird frühestens Ende 2018 abgeschlossen sein“, erklärt Dr. Markus Jodl, Pressesprecher für den Unternehmensbereich Festnetz und Mobilfunk bei der Deutschen Telekom. Heiko Schmidt vom Göppinger Full-Service-Systemhaus Schmidt & Fuchs bestätigt diese Verzögerung: Vodafone habe gar bis zum Jahr 2020 verlängert.

Probleme gibt es  im Geschäftskundenbereich. Dort fänden  70 bis 80 Prozent der Festnetzgespräche statt, erklärt Schmidt. Während im Privatkundenbereich nach Auskunft von Dr. Markus Jodl alles glatt laufe und über 12 Millionen Anschlüsse und damit weit über 50% umgestellt seien, sehe es im Firmenkundenbereich ganz anders aus erklärt Heiko Schmidt. Selbst die 25%-Marke sei noch ein gutes Stück entfernt.

Hintergrund ist oftmals die mangelnde Infrastruktur. Schnelle Internetverbindungen seien noch nicht allerorts verfügbar, erklärt Joachim Fuchs, ebenso wie Heiko Schmidt Geschäftsführer von Schmidt & Fuchs. Es werde zwar inzwischen auch von privater Seite – im Kreis beispielsweise von Imos und der EVF – der Glasfaserleitungsausbau vorangetrieben, aber es gebe noch zahlreiche weiße Flecke.

„Viele unserer Kunden würden lieber heute als morgen auf IP umstellen, aber die schmale Bandbreite in der Versorgung lässt es bei ihnen nicht zu“, berichtet Fuchs. Businesskunden hatten bislang getrennte Leitungen für Internet und Telefonie. Nun ist eine Bandbreite mit der entsprechenden Konnektivität erforderlich. Ein Problem des ländlichen Raums? „Nein“, sagt Heiko Schmidt, ein Stadt-Land-Gefälle gebe es nicht. So sei beispielsweise Ottenbach bereits komplett auf IP umgestellt. Es lasse sich keinerlei regionale Einteilung machen. Die im Göppinger Stauferpark beheimateten IT-Dienstleister empfehlen Firmen, sich rechtzeitig mit dem Thema auseinanderzusetzen. Biete die Umstellung doch große Chancen. Entschieden sich Firmenkunden für eine sogenannte Cloud-basierte Lösung des Anbieters Nfon seien nicht nur Einsparungen gegenüber der ISDN-Anlage in Höhe von bis zu 50% möglich, sondern es werde auch eine Anlage überflüssig, die Standortbindung sei aufgehoben und der Kunde nahezu weltweit erreichbar – und das mit der Vorwahl des Firmenstandorts. „Jegliches Endgerät kann eingebunden werden, wenn es im Netz ist; es gibt keine Rufumleitungsproblematik mehr.“ Auch für ältere Technologie, analoge Geräte wie Fax, Türsprechanlagen, Schrankensteuerung oder Aufzugalarm, versprechen Schmidt und Fuchs die problemlose Einbindung in das neue Netzwerk mittels „Mediagates“. Dazu seien über 100 weitere Features enthalten, die über die ISDN-Angebote hinausgingen, zum Beispiel Konferenzräume, die bislang kostenpflichtig gebucht werden müssten, sowie bis zu 249 000 Nebenstellen, die monatlich auf- und auch wieder abgerüstet werden könnten.

Kosten einer solchen  Umstellung  könnten nicht benannt werden, da die Lösungen individuell verschieden  seien, sagt Schmidt. Nachteile der neuen Technologie gebe es nicht, sagt Fuchs. Alle säßen künftig im selben Boot, das auf Internetleitungen und dem IP Protokoll basiere. Um für einen eventuellen Leitungsausfall vorzusorgen, genüge bei der Cloud-Lösung ein einfaches und aktuelles Smartphone, das im Notfall ins Netzwerk eingebunden werden könne.

Was die Kunden beachten müssen

Privatkunden: Der Umstieg geht unkompliziert vonstatten  Für Kunden mit einem einfachen Telefonanschluss bietet die Telekom einen besonderen Service: Sie müssen sich um gar nichts kümmern (https://www.telekom.com/de/blog/netz/artikel/ip-umstellung-ohne-vertragswechsel-479426).

Firmenkunden: Müssen sich für den Zeitpunkt der ISDN-Abschaltung aktiv vorbereiten. Für diese Kunden empfehlen Schmidt & Fuchs und bieten ebenso wie die Telekom, Vodafone und Telefonica den Wechsel zu sogenannten Full-IP TK-Anlagen an.

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