Kino Interview: Uschi Glas über Ihr Leben und "Fack Ju Göhte 2"

Uschi Glas ist nicht nur einmal mit dem Bambi ausgezeichnet worden. Jetzt spielt der Filmstar in "Fack Ju Göhte 2".
Uschi Glas ist nicht nur einmal mit dem Bambi ausgezeichnet worden. Jetzt spielt der Filmstar in "Fack Ju Göhte 2". © Foto: Foto: Britta Pedersen/dpa
DIETER OSSWALD 11.09.2015
Mit „Winnetou“ gelang Uschi Glas vor 40 Jahren der Durchbruch, wurde zum Filmstar und zur Quoten-Queen im Fernsehen. Als hysterische Lehrerin trat Glas im Kinoerfolg „Fack Ju Göhte“ auf. Diese Rolle übernimmt sie nun auch in der Fortsetzung.

Frau Glas, im Abspann von „Fack Ju Göhte 2“ heißt es in Anspielung auf Ihre alten Pennäler-Filme: „Hurra die Uschi brennt“ – finden Sie das lustig?

USCHI GLAS (lacht): Na klar, man darf das alles ohnehin doch nicht so ganz ernst nehmen. Wenn man eine Komödie wie „Fack Ju Göhte 2“ macht, dann können die Scherze gerne auch etwas gröber ausfallen. Für mich ist diese Art von Humor völlig in Ordnung.

Wie sieht Ihre Rolle in der Fortsetzung aus?

GLAS: Nach ihren Therapiestunden hat Ingrid nun eine Teilzeitstelle, womit ihre Rektorin Gudrun Gerster überhaupt nichts anfangen kann. Die Schüler merken sofort, wenn eine Lehrerin Schwächen zeigt, und entsprechend erlebt Ingrid diesmal im Chemiesaal eine richtig böse Überraschung.

Welche Reaktionen haben Sie nach dem ersten Teil erlebt?

GLAS: Die Lehrer sagen: Wenn es nicht so komisch wäre, wäre es traurig. Denn der Film zeigt, wie es an unseren Schulen zugeht. Natürlich überzeichnen wir sehr stark. Das ist eine Komödie und soll kein Lehrstück sein, wie man mit seinen Lehrern umgehen soll.

In Ihrer Filmografie dominieren klar die Komödien, wie lustig sind Sie privat?

GLAS: Lustig wäre vielleicht übertrieben, aber ich bilde mir schon ein, dass ich über reichlich Humor verfüge. Ich nehme mich selbst möglichst nicht zu ernst, sondern betrachte die Dinge lieber mit einer gehörigen Portion Selbstironie. Insgesamt sehe ich mich eher als einen fröhlichen Menschen, der lieber das Positive sieht, als missmutig oder verbissen durch das Leben zu gehen.

Tut Ihnen Ihr Kollege Elyas M’Barek nicht ein bisschen leid, wenn er chronisch im Selfie-Stau steckt?

GLAS: Jede Zeit hat ihre Spezialitäten. Ich habe mich mit Elyas darüber unterhalten und der meint, er mache das eben für die Fans. Wir haben damals endlos Autogramme geschrieben, aber ebenfalls mit Gelassenheit. So ein Autogramm ist schneller geschrieben, als einem Fan lange zu erklären, warum man in diesem Augenblick eigentlich gerade keine Zeit dafür hätte. Da macht man es lieber und alle sind zufrieden.

Sind Sie froh, dass sie zu Zeiten von „Winnetou“ und den Pauker-Filmen damals nur den Bravo-Starschnitt absolvieren mussten und es noch keine Selfie-Fluten gab?

GLAS: Die Zeiten waren anders, aber deshalb war die Hysterie keineswegs kleiner. Damals sind die Stars nicht so einfach verfügbar gewesen wie heute, umso größer geriet der Rummel, als sie dann irgendwann aufgetaucht sind. Ich habe gerade in alten Kartons nach Fotos gesucht und zufällig Bilder entdeckt, wo wir unter Polizeischutz auf Filmpremieren gingen. Absperrung hatte es nicht gegeben, entsprechend haben die Fans an einem gezerrt. Das war natürlich nicht böse gemeint, aber es war tatsächlich sehr eng und gefährlich. Bisweilen sind dabei schon Teile der Dekoration umgestürzt.

Haben Sie in den alten Kartons noch Bravo-Starschnitte von damals aufbewahrt?

GLAS: Meine Mutter war sehr fleißig und hat immer vieles gesammelt, bei Bravo war sie allerdings ein bisschen schlapp. Ich glaube nicht, dass ich noch Starschnitte im Haus habe, allerdings bekomme ich in meiner Fanpost immer wieder ganz erstaunliche Dinge zugeschickt. Da gibt es Bilder, die ich noch nie gesehen habe und wo ich denke: Hoppla, wo kommt das denn her?

Ihre frühen Filme laufen regelmäßig als Wiederholung im Fernsehen. Mit welchen Gefühlen sehen sie den alten Winnetou heute, oder schalten Sie da lieber um?

GLAS: Winnetou war meine erste Hauptrolle und als junges Mädchen war es natürlich sehr aufregend mit Pierre Brice und Lex Barker zu drehen. Das waren die großen Stars – und plötzlich stehst du neben ihnen. Für mich war das ein großes und aufregendes Abenteuer. Wenn ich den Winnetou heute zufällig im Fernsehen sehe, dann denke ich schon: „Ja mei, was war das für eine schöne Zeit!“ Es ist allerdings nicht so, dass ich in der Programmzeitschrift ankreuze, wenn ein Film von mir läuft. In der Regel sage ich beim zufälligen Zappen zu meinem Mann: „Schau mal, ich glaube, da spiele ich mit.“ (Lacht) Dann schauen wir uns das ein bisschen gemeinsam an – und dann ist es auch gut damit.

Wissen Sie überhaupt die Zahl der Filme, die Sie gedreht haben?

GLAS: Ich habe etwas über 40 Kinofilme gedreht, wie viel es für das Fernsehen gewesen sind, das weiß ich tatsächlich nicht.

Was macht die Qualität von Elyas M’Barek aus, die ihn zu diesem großen Star werden ließ?

GLAS: Seine Natürlichkeit. Elyas ist eine sehr starke Persönlichkeit mit einer enormen Ausstrahlung. Er ist nie abgehoben und sehr glaubwürdig. Zudem hat er wunderbare Augen, ganz abgesehen davon, dass er einen sehr schönen Körper hat.

Was ist die Erfolgsformel von Uschi Glas? Sie waren damals der große Kinostar und sind heute die Quoten-Köngin im Fernsehen.

GLAS: Wenn man sehr jung sehr viel Erfolg hat, ist die Verführung wahnsinnig groß, sich selber total falsch einzuschätzen. Da glaubt man leicht, man wäre der Nabel der Welt. Davor konnte ich mich schützen, weil ich immer selbst mein eigener größter Kritiker war. Ich habe schnell gemerkt, dass man sich in dieser Position alles erlauben könnte: Du könntest unverschämt sein oder die Leute schlecht behandeln – und du würdest immer Recht bekommen. Es gibt wenige Menschen, die dir dann noch sagen: „Uschi, jetzt reicht es bitte!“ Du bist der Star und darfst alle deine Launen haben. In diesem Moment musst du aufpassen und dir selber sagen: „Versetz dich in die Position des anderen und frag' dich, ob du von irgendjemandem so behandelt werden möchtest?“

Ihre schrägen Anarcho-Komödien „Zur Sache, Schätzchen“, „Hau drauf, Kleiner“ oder „Nicht fummeln, Liebling“ hatten Kultstatus Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre. Dennoch drehten Sie nie Filme mit Wenders, Herzog oder Fassbinder. Wollten die Sie nicht? Oder wollten Sie die nicht?

GLAS: Ich glaube, die wollten mich nicht! Man darf nicht vergessen, dass es eine wahnsinnig politische Zeit gewesen ist. Nachdem ich damals nicht für Willy Brandt unterschrieben habe, galt ich ab da irgendwie als das rote Tuch – besser: als das schwarze Tuch! Mir hat das immer leid getan, weil die meine politische Meinung ja gar nicht kannten. Ich habe mich gegen den Wind gestellt und wollte in diesem Gleichschritt nicht mitmarschieren. Und deswegen konnten die mich einfach nicht leiden. Der Fassbinder oder Wim Wenders sind leider nie mit Rollen auf mich zugekommen.

Sie spielen fast immer die sympathische und charmante Figur. Hätte Sie das intrigante Biest oder die Serienmörderin nicht auch einmal gereizt?

GLAS: Ja, warum nicht? Für mich ist es immer entscheidend, dass ich mit der Figur etwas anfangen kann. Und dass ich mir zutraue, die Rolle hinzubekommen. Ich könnte durchaus eine Mörderin spielen, wenn ich nachvollziehen kann, was in der Frau vorgegangen ist. Als bloßen Selbstzweck die Böse zu spielen wäre mir jedoch zu wenig – das muss einfach stimmen.

Til Schweiger und Ihre Kollegin Katja Riemann engagieren sich aktuell für Flüchtlinge. Sie sind in sozialen Bereichen schon lange aktiv und haben den gemeinnützigen Verein „brotZeit“ ins Leben gerufen, der sich um bedürftige Grundschulkinder kümmert. Wie groß ist die gesellschaftliche Verantwortung für einen Künstler?

GLAS: Jeder muss für sich entscheiden, was er tut und wie er das macht, man kann die Verantwortung nicht einfordern, aber ich glaube schon, dass wir, die wir in der Öffentlichkeit stehen, einiges bewirken können. Ich finde es wunderbar, wenn Menschen sich überhaupt engagieren. Ich bin wirklich überwältigt davon, wie viele Menschen derzeit ihre Hilfe anbieten. Zum Beispiel hier in München und nicht nur am Hauptbahnhof! In unserem Verein „brotZeit e.V.“ engagieren sich inzwischen über 1000 Senioren, die täglich über 6500 Kinder mit einem reichhaltigen Frühstück vor Schulbeginn versorgen. Diese ehrenamtliche Hilfe von so vielen tollen Menschen ist einfach sensationell. Auf dieses Land kann man wirklich stolz sein.

Wie lange wollen Sie noch vor der Kamera stehen?

GLAS: Also hören Sie! Ich liebe meinen Beruf und ich drehe gern. Ich möchte noch spielen, wenn ich 90 Jahre alt bin, wenn ich mir den Text merken kann – ansonsten mache ich „Die stumme Jule“.

Persönliche Daten

Name: Uschi (Ursula) Glas
Geburtstag: 2. März 1944
Geburtsort: Landau an der Isar
Privat: verheiratet; drei Kinder

Beruflicher Werdegang: Mittlere Reife an der Realschule Landau, anschließend Tätigkeit als Sekretärin, 1965 erste Nebenrolle im Wallace-Film „Der unheimliche Mönch“, Durchbruch mit Winnetou-Filmen und „Zur Sache, Schätzchen!“. Schnell wird sie zum Kinostar und zur „Quoten-Queen“ im Fernsehen, spielt aber auch Theater.

Filme und Serien: u.a. Immer Ärger mit den Paukern ( 1968), Wir hau’n die Pauker in die Pfanne (1970), Black Beauty (1971), Ich denk mich tritt ein Pferd (1975), Appartement für drei (1979), Zwei Münchner in Hamburg (1989-1993), Tierärztin Christine (1993), Staatsanwältin Hohenberg (1997), Alles Glück dieser Erde (2003), Zur Sache, Lena (2008), Der Winzerkrieg (2011), Familie inklusive (2013), Fack Ju Göhte (2013), Fack Ju Göhte 2 (2015). 
Bücher: Biografie „Mit einem Lächeln“ (2014)
CDs: u.a. Uschi Glas singt die schönsten Weihnachtslieder (2002), Sonne, Mond und Sterne – Uschi Glas singt die schönsten deutschen Lieder 

Auszeichnungen: u.a. Bambi (1969, 1990), mehrfach Goldene Kamera und Romy, Bayerischer Verdienstorden (1992), Bundesverdienstkreuz (1998), Courage-Preis (1999), Aufnahme in Hall of Fame (2007), Bayerische Staatsmedaille für soziale Verdienste (2011) , Werzer’s Award (2013), fit-4-future-Award, Ehrenpreis für ihr Charity-Projekt „brotZeit“ (2014)