Interview Interview mit Festivalleiter Gerald Buß

Gerald Buß am Torbogen zum Schlosshof. Der künstlerische Leiter verspricht auch für das kommende Sommerfestival auf Schloss Filseck musikalische Überraschungen. Am Samstag in einer Woche geht es los mit Canadian Brass. 
Gerald Buß am Torbogen zum Schlosshof. Der künstlerische Leiter verspricht auch für das kommende Sommerfestival auf Schloss Filseck musikalische Überraschungen. Am Samstag in einer Woche geht es los mit Canadian Brass.  © Foto: Giacinto Carlucci
Uhingen / Marcus Zecha / Helge Thiele 14.07.2018

Zehn Konzerte in neun Tagen, und jeden Tag erneut die Frage: Sonne oder Regen, Umziehen oder nicht? Warum Gerald Buß,  von Beginn an Künstlerischer Leiter des Sommerfestivals, dennoch gelassen bleibt,  berichtet er im Interview.

Eine Konstante im Programm ist das Kindermusical: „Herr Bello und das blaue Wunder“  wurde schon mal aufgeführt. Was ist jetzt anders?

Gerald Buß: Da ist in den letzten zehn Jahren eine ganz neue Generation herangewachsen. Damals waren auch mehr jugendliche Schauspieler dabei. Und die Inszenierung ist auch deutlich anders.

War es schwer, die Aufführungsrechte zu bekommen?

Einfach war es nicht. Aber wir hatten damals ja Konstantin Wecker beauftragt, die Musik zu schreiben. Die Premiere 2008 fand er offenbar so gut, dass wir die Rechte nochmal bekamen.

Für viele Besucher war das Schlusskonzert mit dem Festivalorchester der Höhepunkt der Filseck-Woche. Dieses Jahr fehlt der finale Paukenschlag. Warum?

Grundsätzlich gab es im Arbeitskreis schon die Überlegung, ob man es mal ohne Festivalorchester versucht. Und dann war es letztlich so, dass ich, als die Entscheidung anstand, aus familiären Gründen verzichtet habe. Das ist auch eine Zeitfrage.

Aber das heißt nicht, dass es auch nächstes Jahr kein Festivalorchester gibt?

Nächstes Jahr findet das Abschlusskonzert wieder wie gewohnt statt.

Das ist schon sicher?

Ja, das ist sicher. Der Verzicht ist mir auch schwer gefallen. Das Programm des Festivalorchesters ist ja eine Produktion von 70 Musikern größtenteils aus der Region für die Region. Und das fehlt.

Zum jetzigen Programm: Arabische Ud, Tuba und Bassetthorn als Soloinstrumente, zum Finale Klanghölzer und Kuhglocken: Kommt nun der Aufstand der „Kleinen“? Oder ist das Zufall?

Nein. Wir versuchen jedes Jahr diese Mischung aus klassischen Ensembles und Neuem zu bieten, und da gehören etwa Hofmeir mit seinem Tuba-Programm oder Fisfüz mit ihrer Weltmusik dazu.

Sie wollen Nischen besetzen…

Ja. Es ist dem Arbeitskreis und mir wichtig, unter der Woche Musikstile auszuprobieren, die noch nie auf Filseck zu hören waren. Das ist spannend.

Auf was freuen Sie sich am meisten?

Puuh, schwierige Frage. Worauf ich mich sehr freue, ist das Konzert mit Capella Nova in der Oberhofenkirche, weil wir auch da wieder einen neuen Weg gehen mit Kompositionen von Eric Whitacre.

Den nicht jeder kennt…

Den nicht jeder kennt, der aber ein spannender Komponist ist. Whitacre hat zum Beispiel mit knapp 6000 Leuten im Internet eine Aufführung gemacht, er arbeitet auch viel mit jungen Leuten, und mit Musik, die auch bei den jüngeren Leuten in unserem Chor unheimlich gut ankommt.

Und wie läuft der Vorverkauf?

Wir sind sehr zufrieden, aber unter der Woche hat es noch Luft.

Also die positive Botschaft: Es gibt für jedes Konzert noch Karten?

Gut, für Auftakt und Abschluss sind wir im A-Block ausverkauft. Und auch das Kindermusical ist morgens schon sehr gut verkauft. Aber sonst gibt es noch Karten.

Die großen Stars wie Senta Berger, Klaus-Maria Brandauer oder Konstantin Wecker haben sich rar gemacht. Sind solche Künstler überhaupt noch zu bezahlen?

Tatsächlich sind viele Große in ihren Kombinationen für uns nicht mehr bezahlbar. Das würde den Rahmen sprengen. Da würde man mit 1500 oder 2000 Plätzen besser kalkulieren können.

Mit 800 Plätzen im Schlosshof liegen Sie dann doch deutlich darunter.

Ja, deshalb bleibt es auch bezüglich eines Max Raabe, der schon zwei Mal da war, bei den Wünschen. Wir wollen ja auch junge Ensembles herholen, die gerade auf dem aufsteigenden Ast sind, wie uns das bei den King‘s Singers oder auch bei Singer Pur gelungen ist, die inzwischen Karriere gemacht haben und eben in der Göppinger Meisterkonzert-Reihe zu hören waren.

Haben Sie beim Gedanken an das Festival noch Bauchweh?

Wir sind ein irrsinnig gutes Team, das so eingespielt ist, dass ich kein Bauchweh haben muss.

Wie groß ist das Team?

Über 100 Leute, wobei 30 Leute den harten Kern bilden.

Gibt es Neuerungen auf Filseck? Einen neuen Cocktail? Oder vielleicht sogar besseres Wetter?

Noch besseres Wetter? Nein, über das Wetter können wir uns nicht beklagen. Bisher haben wir die Entscheidung über den Spielort immer richtig getroffen. Und der bisherige Cocktail, von dem ich nach wie vor die Mixtur nicht weiß, bleibt.

Apropos Wetter: Ab 15 Uhr kann man auf der Homepage nachschauen, wo gespielt wird. Auf welcher Grundlage treffen Sie die Entscheidungen?

Wir haben drei Quellen: die normale Wetterprognose, die jeder von uns abrufen kann, dann holen wir uns bei unklarer Wetterlage eine Prognose vom Stuttgarter Flughafen bzw. vom Deutschen Wetter­dienst. Und dann haben wir drittens das Land­­­­­­­­wirt­schaftswetter vom Walter Zwicker, einem Gründungsmitglied und von Beruf Landwirt. Wobei wir meistens nach Letzterem entscheiden.

Aber ein Restrisiko bleibt?

Ja, aber wir sind seit einigen Jahren technisch sehr versiert unterwegs. Zwei gleiche Bühnen haben wir ja schon lang, aber inzwischen ist die Technik, also Licht und Ton, sowohl in der Bürenhalle als auch auf Filseck montiert. Das erleichtert den Umzug.

Nächstes Jahr findet das Sommerfestival Schloss Filseck zum 25. Mal statt. Gibt es schon Pläne, Träume, Hoffnungen bezüglich des Jubiläumsprogramms?

Das Programm steht eigentlich schon.

Geht es ein bisschen konkreter?

Nein, da verrate ich noch nichts. Aber es sind einige Ensembles nicht nur angefragt, sondern auch vorgebracht. Und dann entscheidet der Arbeitskreis demokratisch darüber.

Wird der Etat zum Jubiläumsprogramm erhöht?

Das hoffe ich.

Wie hoch ist der Etat? Sechsstellig?

Schon.

Im unteren oder oberen sechsstelligen Bereich?

Im unteren, für einen e.V. ist das, trotz Sponsoren, durchaus ein Risiko. Da spielen auch Aufführungsrechte und Gema-Gebühren mit rein. Wobei wir vorsichtig kalkulieren. Wir wollen ja das 25. Festival noch erleben.

Zur Person

Gerald Buß Der Kirchenmusikdirektor Gerald Buß (54) hat als Kantor und Beauftragter für Popularmusik und Bläserarbeit unzählige Konzerte geleitet und als Musiker begleitet. Der Kammerchor Capella Nova und der Gospelchor Joyful Voices sind nur zwei seiner zahlreichen Ensembles, die er seit vielen Jahren und dirigiert. Zusammen mit Gleichgesinnten hat Buß im Jahr 1995 das Sommerfestival auf Schloss Filseck ins Leben gerufen, dessen Künstlerischer Leiter er ist.

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