Für Sabine Braun, die Inhaberin des gleichnamigen Uhinger Zoogeschäfts ist jetzt der richtige Zeitpunkt zu schließen – 40 Jahre hin oder her, Sabine Braun geht in den Vorruhestand. Seit August 1979 ist Zoo-Braun ein Begriff rund um das Thema Kleintiere, Fische, Vögel und die breite Palette des Tierbedarfs im Kreis Göppingen. Alteingesessene Uhinger werden es noch wissen, vor etwa 50 Jahren war dies noch die Zoohandlung Becker. Ende der siebziger Jahre machte der Inhaber einen Großhandel in Sparwiesen auf, doch auch diesen gibt es schon länger nicht mehr.

Gleichfalls in der Ulmer Straße, nur mit der Hausnummer 26 und bedeutend kleiner, liegen die Anfänge von Sabine Brauns Zoogeschäft. Erst Jahre später kaufte die taffe Unternehmerin mit ihrem Mann Martin das schräg gegenüberliegende Geschäftshaus. In Göppingen geboren, kam Sabine Braun mit 13 Jahren nach Uhingen. Ihre Eltern hatten 1969 am Haldenberg gebaut. Nach dem Besuch des Mörike-Gymnasiums erlernte sie den Beruf der Arzthelferin, arbeitete jeweils in Göppingen bei einem praktischen Arzt und bei einem Internisten. Als zweifache Mutter bekam Sabine Braun 1979 die Chance, die Uhinger Zoohandlung zu übernehmen. Als dann die Räume der ehemaligen „Urban-Apotheke“ in der Ulmer Straße 17 frei wurden, war alles perfekt. „Einen Laden inklusive einer Wohnung war für uns damals Bedingung“, erinnert sich die Geschäftsfrau. Mit genügend Platz für die mittlerweile vier Kinder in der über zwei Etagen gehenden Wohnung. Die vier Ladenräume verteilten sich auf über hundert Quadratmeter – so hatten Fische und Vögel jeweils ihr eigenes Refugium.

Das Geschäft lief von Anfang an recht gut. Einerseits, weil Sabine Braun ihr Angebot stetig ausbaute und andererseits, weil sie der Kundschaft selbstbewusst gegenüber stand. „Die Leute fragten ganz am Anfang immer nach meinem Vater, ich war erst 23 und sah dazu noch wie 17 aus“, erinnert sie sich lachend und verrät: „Irgendwo war es „learning by doing“. Mein Fachwissen eignete ich mir durchs Lesen an, und auch handwerklich war ich nicht gerade ungeschickt“. Und diese Eigenschaften wurden von der Kundschaft honoriert, viele wussten ihre kompetente Beratung sehr zu schätzen. Beständig vergrößerte sich das Geschäft, neben Zubehör jeglicher Couleur kamen fortwährend Kleintiere wie Hamster, Hasen oder Meerschweinchen dazu. Dabei achtete die heute 62-jährige Tierfreundin stets darauf, dass sich nacht- und tagaktive Tiere mit Blick auf ihren unterschiedlichen Lebensrhythmus wohlfühlten. „Meine Tiere haben auch am Wochenende Hunger und Durst“, sagt Sabine Braun zu ihrer Sieben-Tage-Woche.

Noch bis vor zwanzig Jahren hatte sie eine Palette seltener Vögel, doch die Nachfrage nach Exoten und Co. wurde schon Mitte der Neunziger immer bescheidener, verrät die Geschäftsfrau. Auch die Terraristik- und Reptilien-Abteilung mit Schlangen, Bartgarnelen, Chamäleon, Saumfingerechsen (Anolis), Skorpione oder Vogelspinnen löste sie vor sechs, sieben Jahren auf – „das Interesse war einfach zu gering“. Ein schleichender Prozess, den die 62-Jährige dazu veranlasste, ihren Fokus auf Nahrung und Zubehör für Hunde, Katzen nebst weiteren Kleintieren zu legen. Tummelten sich noch bis vor kurzem über hundert verschiedene Fischarten in 46 gläsernen Wasserbecken mit rund 4000 Liter Süßwasser, wird derzeit die Aquarien-Abteilung aufgelöst.

Warum die Geschäftsfrau kurz vor dem 40-jährigen Bestehen aufhört? „Das ist hauptsächlich familiär bedingt“, bedauert Sabine Braun und nennt auch das veränderte Einkaufsverhalten als einer der Gründe: „Das Zubehör wird heute zum Großteil übers Internet geordert, zum Einzelhandel kommen die Leute nur noch, wenn sie kompetente Beratung möchten“. Darüber hinaus ist sie mit der Pflege ihres Mannes voll ausgelastet und als CDU-Stadträtin und im Verwaltungsausschuss des Gemeinderats, in der Agenda 21 und letztendlich in der Fahrer­einteilung des Uli-Busses gut eingespannt.

Mit ein bisschen Wehmut und auch Stolz blickt die Geschäftsfrau auf die vergangenen vier Jahrzehnte zurück: „Ich hatte stets Glück mit meinen Großhändlern und von daher kaum Verluste – aber dafür viele zufriedene Kunden und eine schöne Zeit“.

Info Der Ausverkauf geht noch bis Ende Oktober.