Gartenmarkt Inspriationsquelle für Hobby-Gärtner

Rechberghausen / WERNER SCHMIDT 13.08.2018
Das Format lohnt sich auch für Aussteller, denn manche von ihnen reisen bis zu 600 Kilometer weit an.

Es war mit rund 120 Ständen von Ausstellern und Anbietern aus dem Bereich Garten der bisher größte Gartenmarkt in Rechberghausen. Und es dürfte mit dem strahlend blauen Himmel, von dem die Sonne knallte, auch einer der wärmsten gewesen sein, der vor allem den Verkäufern von Sonnenhüten reges Interesse einbrachte. Ob normaler Strohhut oder echter Panama – kaum ein Besucher schlenderte am Wochenende ohne Kopfschutz durch die Grüne Mitte von Rechberghausen. Auch dieses Mal kamen die Anbieter aus dem gesamten bundesdeutschen Raum.

Jürgen Hatke zu Beispiel stammt aus Hörstel und hat eine Anreise von etwa 600 Kilometern. Neben Gartenmöbeln aus Rattangeflecht und Metall hat er auch Strandkörbe im Angebot. Die stehen direkt an dem kleinen Weier, im einstigen Gartenschaugelände: „Wo sonst hat man auf einer Gartenschau so ein Gelände?“ schwärmt der Münsterländer. Für ihn lohnt es sich offenbar, denn er nimmt bereits zum siebten Mal an den Rechberghauser Gartentagen teil.

Silke Müller, die die Akquise für die Veranstaltung übernommen hat, habe ihn damals hergelockt. Die Rechnung geht für ihn „jedes Jahr auf – sonst kommt man als Händler ja auch nicht wieder“. Und Hatke ist viel im süddeutschen Raum unterwegs: Ob die Ludwigsburger „Barocken Gartentage“ oder „Haus und Garten“, ob ähnliche Veranstaltungen in Ulm oder Stuttgart, überall ist er präsent. Und ja – er verkauft auch immer wieder einige seiner exklusiven Strandkörbe, die man nicht so einfach aus der Portokasse bezahlt. Außer, man überzieht kräftig.

Für Erich Hieber aus Wäschenbeuren hat sich der Markt dank seiner Attraktivität gut etabliert. Er kommt mit seiner Frau immer wieder, um mal zu schauen: „Wir finden immer eine Anregung.“ Dieses Mal will er sich bei Jürgen Hatke umsehen, der nämlich bei den Hiebers in der Ferienwohnung untergekommen ist.

Das erste Mal auf dem Gartenmarkt vertreten ist Dusan (gesprochen Duschan) der Barbar samt seinem Weibe Mayendra. Gut, die Dame heißt im bürgerlichen Leben Manuela, da beide aber mehr der Mittelalterszene zugehören und auch entsprechend gewandet sind, nennen wir sie auch weiterhin Mayendra. Sie bietet Fußmassagen an, genannt „Fußkneterey“, nebenan liegt das Refugium von Dusan: Axtwurf kann hier geübt werden – „etwas Rustikales für Männer“, weiß auch Olga Arendt, die Kulturbeauftragte für Rechberghausen. Sie verweist auch auf die vielen, eigens für Kinder organisierten Veranstaltungen, wie Töpfern für Kinder oder auch die kostenfreie Kinderbetreuung.

Rund 3700 zahlende Besucher kamen am Samstag in den Gartenmarkt, am Sonntag hoffte die Gemeinde auf mindestens die doppelte Zahl. Die Fahrradstellplätze waren recht schnell recht stark frequentiert. Parkplätze für Autos waren im Umfeld kaum zu finden: „Aber im Gewerbegebiet Lindach sind noch welche frei“, sagte Olga Arendt. Das gecharterte Zubringerbähnle werde viel zu wenig genutzt: „Die Leute wollen nicht mit dem Bähnle fahren.“

Ob mit Bähnle oder ohne – wer auf dem Gelände des Gartenmarktes ist, fühlt sich wohl, vor allem, weil er am Sonntagnachmittag nicht nicht so überlaufen ist, dass man an die einzelnen Stände nicht herankommt. Zusätzlich sind ausreichend Sitzplätze auch im Schatten vorhanden.

Gut, die Axt bei Dusan dem Barbaren fliegt durch die pralle Sonne. Er ist das erste Mal als Teilnehmer beim Gartenmarkt: „Wir kennen ihn als Gäste,“ sagt der Mann aus Ebersbach. Dann aber habe er teilnehmen wollen – und siehe da: „Wir kommen ganz gut an. Es mal was anderes, was Exotisches.“ Das wiederum hat ihn beflügelt, auch nächstes Jahr wiederzukommen. Als Teilnehmer natürlich. Und dann mit Bogenschießen.

Überhaupt scheint der Markt eine Art Suchtpotenzial zu haben. Wer einmal da war, kommt immer wieder. Anita und Rolf aus Remshalden gestehen: „Wir kommen jedes Jahr. Wir schauen, was es Neues gibt. Und wenn etwas „ins Auge sticht“, kaufe man es für den heimischen Park. Ist der groß? „Naja, so oms Haus rom!“ Die schwäbischen Worte werden akkurat diktiert, damit der Preuße, der die Feder führt, bloß keinen Fehler macht. „Der Markt ist dieses Mal größer!“, stellt Anita abschließend noch fachkundig fest und präzisiert: „Es sind weniger Pflanzen.“

Für die insgesamt 40 ehrenamtlichen Helfer, von denen viele laut der Kulturbeauftragten Olga Arendt noch aus der Zeit der Gartenschau vor fast zehn Jahren stammen und die immer wieder einspringen, helfen und sich engagieren, war es dieses Mal ein echt heißer Job.

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