Die Weltbevölkerung werde bis zum Jahr 2030 von bislang 7 Milliarden Menschen auf 8,5 Milliarden zunehmen. Dies sagte Carl-Albrecht Bartmer, langjähriger Präsident der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft (DLG) mit Sitz in Frankfurt, beim diesjährigen 70. Kreisbauerntag in der voll besetzten Sillerhalle in Hattenhofen. Es sei deshalb erforderlich, über die Zukunft von Landwirtschaft und deren globale Rahmenbedingungen mitsamt den Herausforderungen nachzudenken. Heute sei es en vogue, „lautstark, skrupellos und Fakten verachtend auf Regeln zu pfeifen“. Als Beispiele nannte er populistische Strömungen in Europa und in Deutschland, den Brexit und den angestrebten Protektionismus unter dem neuen amerikanischen Präsidenten Trump.

„Schnell und einfach können jedoch komplexe Fragen des Sektors Landwirtschaft nicht gelöst werden“, so Bartmer in seinem zweistündigen Impulsreferat, das mit zehn Thesen zur Landwirtschaft 2030 einen Diskurs anstoßen wolle. Die Landwirte müssten sich als Unternehmer Klarheit darüber verschaffen, was auf sie zukomme und die Herausforderungen benennen, denn damit könne auch das „Kapital der Akzeptanz für eine innovative Landwirtschaft“ erhöht werden. Man könne sich heute aufgrund der globalen Rahmenbedingungen nicht auf eine nostalgisch verklärte und rückwärtsgewandte biedermeierliche Idylle zurückziehen, die weder die Ernährung sichere, noch Tier und Umwelt schone, wie häufig behauptet werde.

Die Fachgesellschaft DLG habe deswegen mit Praktikern, Wissenschaftlern und Umweltverbänden Thesen erarbeitet, denn Politik führe mit einem holzschnittartigen generellen Plan für alle bei unterschiedlichen Bedingungen nur zu mehr Reglementierung ohne nachhaltige Lösungen. Bartmer sagte, die Landwirtschaft brauche „ein innovatives Umfeld“ für ihre Intensivierung und eine Stärkung des Agrarhandels, jedoch nicht zu Lasten von Umwelt, Mensch und Tier. „Wir alle sind Teil der Lösung“, so der Referent, der in Sachsen-Anhalt einen Ackerbaubetrieb mit rund 1000 Hektar bewirtschaftet.

Mit einzelnen Beispielen in den Punkten umfassende Ausbildung, Artenvielfalt, Entzerrung von Tierhaltung und Tierschutz, Pflanzenbau mit weniger Herbiziden und modernen Saatzüchtungen, Nutzung der Digitalisierung in den Ställen und bei Ernten bis hin zum Handel erläuterte er die Chancen für eine nachhaltige Landwirtschaft. Die europäische Agrarpolitik müsse in diese Richtung weiterentwickelt und der internationale Agrarhandel mit den Zielen der Entwicklungspolitik in Einklang gebracht werden. Wenn die Wertschöpfungskette Lebensmittel und der ländliche Raum nicht gestärkt werde, wandere die Ernährungswirtschaft aus Deutschland ab. Bartmer stellte sich einer anschließenden Diskussion, auf die ein Stehempfang, ausgerichtet von den Landfrauen, folgte.

Begonnen hatte der Kreisbauerntag 2017 mit einem Auftritt der reiterlichen Jagdhornbläsergruppe Donzdorf und mit einer thematischen Einführung durch den Vorsitzenden des Kreisbauernverbands, des Bundestagsabgeordneten Hermann Färber (CDU), der eine Vielzahl von Ehrengästen begrüßen konnte. Grußworte sprachen Steffen Berroth in Vertretung von Bürgermeister Reutter für die Gemeinde Hattenhofen, Landrat Edgar Wolff und die Bundetagsabgeordnete Heike Baehrens (SPD).

Landwirte für ihre Treue ausgezeichnet


Würdigung Beim Kreisbauerntag wurden auch langjährige Obmänner geehrt.

Für 10 Jahre: Thomas Fischer (Bad Überkingen/Unterböhringen)

Für 20 Jahre: Josef Dangelmayer (Eislingen/Krummwälden), Martin Glatzle (Heiningen), Hermann Gölz (Bad Boll/Eckwälden), Christof Heim (Deggingen/Reichenbach i.T.), Georg Ilg (Hattenhofen), Werner Niederberger (Böhmenkirch/Steinenkirch), Martin Rieker (Schlat), Heinrich Rothfuß (Wiesensteig), Heinz Schurr (Wangen), Hermann Weiss (Süßen)

Für 30 Jahre: Alois Baur (Ottenbach), Hermann Gauss (Göppingen/Holzheim),

Für 40 Jahre: Theodor Schäffler (Bad Ditzenbach/Schonterhöhe)