Es lag wohl am nassen und stürmischen Wetter, dass am Mittwoch nur rund 25 Personen den Weg ins Evangelische Gemeindehaus Bad Ditzenbach fanden. Das Thema des Abends hätte sicher mehr Zuhörer verdient. Stand doch die Frage an, ob Pflege in der Bundesrepublik legal und bezahlbar geleistet werden kann.

Das deutsche Pflegesystem gewährleiste keine Rundum-Betreuung mit deutschen Pflegekräften, weil das kaum bezahlbar sei, beklagte eingangs Norbert Necker, Vorsitzender der Seniorengemeinschaft Obere Fils (SEGOFILS) mit über 300 Mitgliedern. So würden viele Angehörige von Pflegebedürftigen sich eine Rundum-Versorgung auf dem Schwarzmarkt suchen, was natürlich illegal sei.

Über das neue Pflegestärkungsgesetz referierte die Bundestagsabgeordnete Heike Baehrens (SPD). Das Bundesgesundheitsministerium wolle durch zwei Gesetze Verbesserungen in der pflegerischen Versorgung umsetzen. Bereits zum 1. Januar 2015 sollen die Leistungen für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen spürbar ausgeweitet und die Zahl der zusätzlichen Betreuungskräfte in stationären Pflegeeinrichtungen erhöht werden. Zudem soll ein Pflegevorsorgefond eingerichtet werden. Die bisherige Unterscheidung zwischen Pflegebedürftigen mit körperlichen Einschränkungen und Demenzkranken soll wegfallen. Im Zentrum stehe der individuelle Unterstützungsbedarf jedes Einzelnen, so Baehrens.

Alle Leistungsbeträge sollen erhöht werden

Wie die Bundestagsabgeordnete weiter informierte, werden unter anderem alle Leistungsbeträge um vier Prozent erhöht, neue Wohnformen besser unterstützt, Leistungen der häuslichen Pflege aufgestockt und niederschwellige Entlastungsangebote (Einkauf, Botengänge, Begleitung zum Arzt usw.) finanziert.

Wie "bezahlbare" Pflege mit nichtdeutschem Personal geleistet werden kann, erläuterte Cornelia Müller von der "Pflegeagentur 24 Neckar-Fils-Stuttart". Die private Organisation mit Sitz in Essen hat Filialen in der ganzen Bundesrepublik. Die Agentur vermittelt Betreuungskräfte und Haushaltshilfen aus Osteuropa, die dann in der 24-Stunden-Betreuung tätig sind.

Die Betreuungskräfte sind in ihrem Heimatland sozialversicherungspflichtig angestellt und erhalten, wenn sie in deutschen Haushalten arbeiten, etwa 1700 Euro Lohn. Die Pflegerinnen, die nur in der Grundpflege tätig sein dürfen, bekommen in der Pflegefamilie kostenlose Unterkunft und Verpflegung. Da die Frauen im Haus wohnen, stehen sie auch nachts zur Verfügung, sodass eine Rundum-Betreuung gewährleistet ist. Sie sind zwei bis drei Monate hier tätig, bevor sie wieder in ihre Heimat zurückkehren.

Kurz vor Ablauf der Betreuungszeit werden den Angehörigen neue Betreuungskräfte vorgeschlagen. Somit ist eine nahtlose Fortsetzung der Pflege möglich. Die Pflegeagentur erhebt keine Vermittlungsgebühren und steht als Ansprechpartner über die gesamte Betreuungszeit zur Verfügung.