Uhingen Infekt rafft Schwäne dahin

Rot-weißes Absperrband hält Besucher seit Donnerstag fern vom Charlottensee. Die Schwäne sollen ihre Ruhe bekommen und nicht gefüttert werden.
Rot-weißes Absperrband hält Besucher seit Donnerstag fern vom Charlottensee. Die Schwäne sollen ihre Ruhe bekommen und nicht gefüttert werden. © Foto: GIACINTO CARLUCCI
Uhingen / TOBIAS FLEGEL 12.10.2018
Der heiße Sommer oder ungeeignetes Futter von Menschen können die starke Vermehrung von „Campylobacter coli“ befeuert haben.

Eine bakterielle Infektion hat zwei Drittel der jungen Wildschwäne auf dem Charlottensee bei Uhingen das Leben gekostet. Vier von sechs Tieren seien am Freitag vergangene Woche an dem Erreger verendet, teilte die Stadt am Donnerstagnachmittag mit. Ein weiterer junger Schwan soll am vergangenen Mittwoch erkrankt sein, sich mittlerweile aber außer Gefahr und auf dem Weg der Besserung befinden. Bürgermeister Matthias Wittlinger zufolge kann das Bakterium auf Menschen übertragen werden, wenn diese mit dem Kot oder Fleisch befallener Tiere in Kontakt kommen. Das Stadtoberhaupt hat den See bis auf Weiteres absperren lassen.

Nach Angaben des Bürgermeisters sind die vier jungen Schwäne innerhalb kurzer Zeit verendet. „Sie haben um 11.30 Uhr noch gelebt“, berichtet Wittlinger. Etwa eine Stunde später seien vier Tiere tot gewesen. Eines davon habe eine Spaziergängerin entdeckt und dies der Stadt gemeldet. Die habe die Feuerwehr benachrichtigt, welche die toten Tiere barg. Auch der Bürgermeister fuhr an dem Freitag zum Charlottensee, um sich ein Bild vom Geschehen zu machen.

Auf den ersten Blick soll den jungen Schwänen nicht anzusehen gewesen sein, woran sie gestorben sind. „Äußerlich wiesen die Tiere keine Verletzungen auf und der Ernährungszustand war gut“, heißt es in einer Pressemitteilung. Aufschluss über die Todesursache brachte eine Untersuchung des „Chemischen und Veterinäruntersuchungsamts Stuttgart“ (CVUA): Dort fand Andreas Hänel heraus, dass die jungen Schwäne an einem massiven Befall von „Campylobacter coli“ verendet sind – einem Bakterium, das zwar viele Tiere in sich tragen, aber nicht in dem Ausmaß, wie die jungen Wildschwäne aus Uhingen, erklärt Matthias Wittlinger. In der Mitteilung der Stadt ist von „ausgeprägten Lungenblutungen“ die Rede. „Es ist das gleiche Bakterium, das überlebt, wenn wir Geflügel nicht richtig garen“, erklärt der Bürgermeister von Uhingen.

Die Vogelgrippe oder eine Vergiftung als Todesursache schließen die Fachleute aus. Die Untersuchung des Amts ordnete Matthias Wittlinger an, nachdem er mit dem Veterinäramt des Kreises gesprochen hatte. Ihm zufolge brachten Feuerwehrleute noch am Tag des Auffindens eines der toten Tiere nach Fellbach, wo das CVUA seinen Sitz hat.

Für den massiven Befall mit dem Erreger gibt es mehrere Erklärungen. „Nach dem extrem trockenen und heißen Sommer sind die Seen voll mit Bakterien“, gibt Wittlinger die Aussagen von Tierärzten wider. Eine andere Möglichkeit sei, dass die Tiere durch Futter von Menschen krank wurden oder dass sie ungeeignetes Essen zusätzlich schwächte.

Tüten voller Futter bringen Spaziergänger für die Schwäne mit, berichten regelmäßige Besucher des Charlottensees. Von diesem Verhalten sollen sie ablassen: „Die oft gut gemeinte Fütterung ist für Wildtiere schädlich und schwächt sie zusätzlich“, warnt die Stadt. Zudem sei es verboten, Schwänen, Enten oder Gänsen Nahrung zu geben.

Entsprechende Hinweise hat die Stadt diese Woche beim Charlottensee angebracht. Zwischenzeitlich sah es nämlich danach aus, dass „Campylobacter coli“ dort einem weiteren Tier das Leben kostet. „Am Mittwoch bekam ich die Meldung, dass noch ein Schwan befallen ist“, berichtet Wittlinger. Erneut rückte die Feuerwehr aus, um nachzusehen, ob es einen fünften Fall gibt. Doch der erkrankte Schwan starb nicht. Damit sich das Tier weiter erholen kann und auch die übrigen drei Artgenossen Ruhe bekommen, ließ der Bürgermeister am Donnerstag die Wege zum See dicht machen. Absperrband und Warnhinweise sollen Besucher zunächst zwei Wochen von Gewässer und Schwänen fernhalten.

Das angeschlagene Tier soll sich auf dem Weg der Besserung befinden, sagte Wittlinger am Freitag. Er fahre jeden Tag selbst ein oder zwei Mal zum See, um nach ihm zu sehen. Keine Anzeichen einer Erkrankung zeigten bisher der andere junge Schwan und seine älteren Artgenossen: „Die Eltern sind stabil.“

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