Religion Gemeinsames Fastenbrechen im Uditorium

Aufeinander zugehen: 400 Gäste kamen zum Fastenbrechen ins Uditorium.
Aufeinander zugehen: 400 Gäste kamen zum Fastenbrechen ins Uditorium. © Foto: Axel Raisch
Uhingen / Axel Raisch 06.06.2017

Bürgermeister Matthias Wittlinger ging in seiner Begrüßung auf die politischen Herausforderungen im deutsch-türkischen Verhältnis ein. „Der Putschversuch gegen Erdogan war Unrecht. Eine Reaktion von Erdogan hierauf ist nachvollziehbar. Allerdings muss er sich fragen lassen, ob er mit dem richtigen Maß vorgeht.“ Das Iftar-Essen sei eine wichtige Gelegenheit auch solche wichtigen und schwierigen Themen zu besprechen. „Menschenrechte sind uns in Deutschland wichtig. Vielleicht kann von den Iftar-Essen ein Signal ausgehen.“ Während zweier von Angeline Fischer moderierten Talkrunden sprachen Veranstalter und Teilnehmer anschließend über Themen rund um das Iftar-Essen sowie das Zusammenleben der Religionen und Kulturen.

Der Göppinger DRK-Präsident und Landtagsabgeordnete Peter Hofelich sieht im Uhinger Iftar-Essen ein gesellschaftliches Ereignis, bei dem die Veranstalter nicht unter sich blieben. Den Charakter des Roten Kreuzes als internationaler und interkultureller Hilfsgemeinschaft sieht er im gegenseitigen Respekt, der Versammlung unterschiedlicher Menschen und dem aufeinander Zugehen widergespiegelt. Es gehe darum, sich auf der Basis der eigenen Grundwerte zu öffnen, nicht darum prinzipienlos zu werden, so Hofelich weiter. Dies ermögliche, auch in „spannungsgeladenen Zeiten ernsthaft miteinander sprechen zu können“. Die Bedeutung der Reichensteuer im Islam während des Fastenmonats erläuterte der Vorsitzende der türkischen Kulturvereine, Vedat Dag; die Studienleiterin der Evangelischen Kirche Göppingen, Ingrid Held, sprach über die entsprechende Tradition auf christlicher Seite, über Opfer und Spende, auch wenn es sich dabei um keine Pflichtabgabe handle. Auch das gemeinsame Essen habe im Christentum seinen Platz, etwa beim Abendmahl.

Aykut Düzgüner, Vorsitzender der Deutsch-Türkischen Gesellschaft Stuttgart, bemängelte, dass Politik zunehmend von der Presse gemacht werde. Er kritisierte einseitige Berichterstattung und Wortwahl. Etwa wenn von IS-Terroristen gesprochen werde, gegen welche sich kurdische Kämpfer – nicht etwa ebenfalls Terroristen – stellten. Landrat Edgar Wolff rief dazu auf, über den Tellerrand hinauszublicken um einander verstehen zu können. Kulturelle Unterschiede, die es auch schon gegenüber Franzosen gebe, bezeichnete er als Bereicherung.

Über sein gemeinnütziges Engagement sprach Profi-Box-Star Firat Arslan. Durch „Mitmachen bei Charity-Aktionen statt nur Schirmherr sein“ möchte er Vorbild für Jugendliche sein. Sozialpädagogin Sevda Perihan Yildirim rief dazu auf, authentisches Interesse am Gegenüber und dessen Kultur zu zeigen und damit dessen Identität zu respektieren. Die Interkulturelle Chor der Volkshochschule Göppingen  sang internationale Lieder, der Jugendchor der bosnisch-islamischen Gemeinschaft Schwäbisch Gmünd leitete musikalisch zu Koranrezitation und Abendgebetsaufruf über. Mit Einbruch der Dunkelheit um 21.24 Uhr wurde das Büffet eröffnet. Zu den rund 400 Gästen gehörte die Bundestagsabgeordnete Heike Baehrens.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel