Bad Überkingen In der Sankt-Gallus-Kirche gibt es Schätze zu entdecken

Thomas Dohn (re.) zeigt den Elektromotor der Kirchenuhr.
Thomas Dohn (re.) zeigt den Elektromotor der Kirchenuhr. © Foto: Stefanie Schmidt
STEFANIE SCHMIDT 08.09.2015
In der Bad Überkinger Sankt-Gallus-Kirche gibt es viele Schätze zu entdecken: Thomas Dohn, der Vorsitzende des Kirchengemeinderats, zeigte sie.

Los ging die Führung am Sonntag in Bad Überkingen mit einem kurzen Rundgang um die Sankt-Gallus-Kirche. Sie wurde um 1470 als Wehr- und Trutzkirche auf einer Anhöhe erbaut, erklärte Thomas Dohn, der Vorsitzende des Kirchengemeinderats. Ihr Festungscharakter ist heute noch besonders an der Ostseite erkennbar, wo die Kirchenmauer fast senkrecht nach unten abfällt. Das spätgotische Kirchenschiff entstand um 1470, Turm und Chor sind vermutlich einige Jahrzehnte älter. Davon zeugt das älteste Element der Kirchenausstattung: eine Glocke von 1430. Bereits um 900 und 1100 gab es an gleicher Stelle in Bad Überkingen Vorgängergebäude.

Viele Schätze gibt es im Inneren der Kirche zu entdecken, die gegen Ende des 16. Jahrhunderts noch einmal erweitert und modernisiert wurde. Neben der steigenden Einwohnerzahl Bad Überkingens waren wohl auch die Badegäste, denen man eine ansehnliche Kirche präsentieren wollte, ein Grund dafür. Den großen Einfluss der wohlhabenden Badegäste sieht man noch heute: Ihre Familienwappen zieren einige der 63 bemalten Deckenfelder, Grabplatten reicher Badegäste, die in Bad Überkingen verstorben sind, sind an den Wänden angebracht. Auch Bürger, die aus Bad Überkingen und Umgebung stammten, stifteten der Gallus-Kirche einige Kunstschätze: darunter ein mächtiges Bild-Epitaph, von 1698, das die Steinigung des Stephanus vor den Toren Jerusalems zeigt. Im Hintergrund des Bildes ist kurioserweise die Spitze des Ödenturms zu sehen. Dohn erklärt warum: Das Bild stiftete die Familie eines Überkinger Bäderwirtes, der von umherziehenden marodierenden Soldaten getötet wurde. Es soll an das "Märtyrium" des Wirtes erinnern, der Ödenturm im Hintergrund soll den lokalen Bezug herstellen.

Zum Schluss erklommen Dohn und die rund 15 Teilnehmer Dachboden und Turm der Gallus-Kirche. Ganz oben konnten sie das älteste Bestandteil, das sonst nur zu hören ist, einmal aus der Nähe betrachten: die Glocke von 1430. Zwei weitere Glocken aus dem 17. und 18. Jahrhundert überstanden den Winter 1941/42 nicht: Sie wurden zu Kriegszwecken eingeschmolzen. Erst seit Anfang der 1950er Jahre hat die Gallus-Kirche wieder ein dreiglöckiges Geläut.