Abfallbilanz Immer weniger Biomüll

Wieviel Biomüll darf’s denn sein? Statistisch gesehen stellt jeder Kreisbewohner gerade einmal fünf Kilogramm pro Jahr an den Straßenrand, pro Monat sind das umgerechnet 416 Gramm. 
Wieviel Biomüll darf’s denn sein? Statistisch gesehen stellt jeder Kreisbewohner gerade einmal fünf Kilogramm pro Jahr an den Straßenrand, pro Monat sind das umgerechnet 416 Gramm.  © Foto: Staufenpress
Kreis Göppingen / Dirk Hülser 16.08.2018
Die Abfallbilanz des Landes zeigt: Der Biobeutel wird nicht angenommen, der Landkreis Göppingen bildet das Schlusslicht.

Der Biobeutel wird im Landkreis Göppingen wohl kein Erfolgsmodell mehr: Entgegen der im Landratsamt gehegten Hoffnungen ist die Menge des gesammelten Biomülls nicht gestiegen – sondern zurückgegangen: Von sechs Kilogramm pro Einwohner im Jahr 2016 auf fünf Kilogramm im vergangenen Jahr. Der Kreis bildet damit das Schlusslicht im Land, im Schnitt stellte jeder Einwohner im Jahr 2017 zehn Mal so viel vor die Tür wie die Kreisbewohner – 50 Kilogramm.

Seit der Einführung der Biomüllsammlung am 1. Juli 2015 wird im Landkreis diskutiert, ob nicht besser Biotonnen die Beutel ersetzen sollen, um so der Sammelmüdigkeit gegenzusteuern. Dabei sammelten die Bürger im zweiten Halbjahr 2015, nachdem der Beutel eingeführt wurde, noch am fleißigsten: Es kamen 804 Tonnen zusammen, im Folgejahr war es dann in zwölf Monaten weniger als das Doppelte, 1514 Tonnen, 2017 wieder zehn Prozent weniger, nur noch 1366 Tonnen.

Am Beutel alleine kann die miserable Bilanz nicht liegen: Außer dem Landkreis Göppingen nutzt im Land nur der benachbarte Ostalbkreis Biobeutel statt Tonnen. Pro Einwohner werden dort im Jahr 32 Kilogramm gesammelt, sowohl 2016 als auch 2017 – das ist zwar deutlich unter dem Landesdurchschnitt, aber um  ein Vielfaches höher als die bescheidene Menge auf der anderen Seite des Hohenstaufen.

Billigere Biobeutel

Im Dezember hatte der Kreistag beschlossen, mit einem finanziellen Anreiz mehr Bürger zum Biomüllsammeln zu bewegen. Seit diesem Jahr sind die Beutel billiger, zehn Stück mit 15 Litern Inhalt beispielsweise kosten statt zuvor fünf jetzt nur noch drei Euro. Zudem wurde die wahlweise Leerung der 120-Liter-Restmülltonnen im Vier-Wochen-Rhythmus eingeführt, was für die Bürger billiger ist und einen Anreiz zum Mülltrennen schaffen soll.

Damit wäre dann auch gleich ein zweites wichtiges Ziel der Müllpolitik erreicht: Die Menge des Haus- und Sperrmülls zu senken. Doch davon ist der Landkreis weit entfernt: Er landet mit 189 Kilogramm pro Einwohner nach dem Ortenaukreis (203 Kilogramm) auf dem vorletzten Platz der Landkreise, auch die kreisfreien Städte Stuttgart (190 Kilogramm) und Mannheim (241) stehen ähnlich schlecht da.

Insgesamt wurden 2017 im Kreis Göppingen 48 363 Tonnen Haus- und Sperrmüll eingesammelt und verbrannt, eine geringfügige Steigerung um 340 Tonnen gegenüber 2016. Da in diesem Zeitraum die Einwohnerzahl anstieg, verringerte sich die Pro-Kopf-Müllmenge um ein Kilogramm. Das ist immer noch weit vom Landesdurchschnitt entfernt, der lag 2017 bei 139 Kilogramm pro Kopf.

Der benachbarte Ostalbkreis konnte die Pro-Kopf-Müllmenge von 123 Kilogramm (2016) auf 115 Kilogramm senken. Noch besser steht der Kreis Heidenheim (104 Kilogramm) da, für den Rems-Murr-Kreis haben die Experten des Statistischen Landesamts 128 Kilogramm errechnet, für den Alb-Donau-Kreis 114 und für den Kreis Esslingen 130. Somit liegen alle Nachbarkreise unter dem Landesdurchschnitt.

Auffällig in der Abfallbilanz sind die Göppinger Zahlen bei den Grünabfällen: Hier gab es  2017 einen drastischen Einbruch, statt 41 476 wurden nur noch 34 915 Tonnen erfasst, pro Kopf ein Rückgang von 163 auf 137 Kilogramm. Am Wetter kann es nicht gelegen haben, in den Nachbarkreisen Rems-Murr, Ostalb, Esslingen, Alb-Donau und Heidenheim stagnieren die Zahlen. Auch landesweit gab es keine nennenswerte Veränderung.

Das Landratsamt will momentan keine Stellungnahme zum Thema Müll abgeben. Pressesprecherin Julia Schmalenberger schreibt: „Die Abfallbilanz des Landes soll, konkretisiert auf den Landkreis Göppingen und insbesondere unter Berücksichtigung des Biomülls, am 26. September im Umwelt- und Verkehrsausschuss beraten werden. Insofern bitten wir um etwas Geduld.“

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