Bildung Immer weniger Anmeldungen für Abendgymnasium

Susanne Meier will das Abitur am Abendgymnasium machen, damit sie Medizin oder Theologie studieren kann.
Susanne Meier will das Abitur am Abendgymnasium machen, damit sie Medizin oder Theologie studieren kann. © Foto: Constantin Fetzer
Constantin Fetzer 04.08.2018

Susanne Meier weiß, was sie will: Abitur machen, um Medizin oder Theologie zu studieren. Dafür büffelt die 30-Jährige im Abend-Gymnasium in Göppingen, das an die Volkshochschule angegliedert ist. Damals in der Realschule habe es noch kein so konkretes Ziel für sie gegeben. Andere Dinge als der Unterricht waren wichtig. Zur Ausbildung als Medizinische Fachangestellte kam sie eher zufällig, hat dies aber nie bereut und arbeitet seither in derselben Praxis in einem sehr familiären Umfeld. Doch nun ist Zeit für das nächste Level. „Es gibt Situationen im Leben, da möchte man nochmal abbiegen und etwas Neues machen“, berichtet sie. Der Dienst am Menschen sei ihr wichtig, darum hat sich der Wunsch nach einem Medizinstudium oder auch einem Theologistudium immer stärker entwickelt.

Parallel zum normalen Job geht sie darum jeden Abend zum Unterricht – nur das Wochenende ist frei, wobei auch dann manchmal Lernen angesagt ist. „Man muss sich intensiv strukturieren und auch Freiräume behalten, auch wenn das nicht einfach ist“, berichtet sie. Was sagt ihr Ehemann zu der Situation? „Er unterstützt mich, auch wenn die gemeinsame Zeit natürlich sehr reduziert ist“, berichtet sie. Nach der Arbeit geht es mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Hause, dann am Abend wieder in die Schule. Auch das kostet Zeit. Manchmal geht sie auch direkt aus der Praxis ins Freihof-Gymnasium, wo der Unterricht sattfindet.

Knapp zehn Leute sind in den  Klassen des Abend-Gymnasiums, berichtet Schulleiter Michael von Hagen. Viel weniger sollten es auch nicht sein, um einen sinnvollen Unterricht zu gewährleisten, für den auch die Kosten gerechtfertigt sein müssen. 30 Euro im Monat zahlen die Teilnehmer selbst, den Rest finanziert die öffentliche Hand. Die Zeiten, in denen bis zu 30 Personen pro Klasse angemeldet waren, sind lange vorbei. Heute sind es insgesamt nur etwas mehr als 30 Personen, die am Abend-Gymnasium angemeldet sind. Grund sei vor allem, dass es neben dem Abitur weitere Möglichkeiten gibt, ein Studium zu beginnen.

Susanne Meier kommt nun in die „Oberstufe“ – ab September geht es wieder los und bis dahin will sie ihre Mathematikkenntnisse nochmals auffrischen. Es gibt aber auch Schüler, die nur das erste der vier Jahre kommen. Dann haben sie bereits ihre Fachhochschulreife in der Tasche. Das reicht oft, um in entsprechende Karrierestufen im Öffentlichen Dienst aufzusteigen oder um zu studieren. Susanne Meier will aber das „echte“ Abitur, das ihr alle Möglichkeiten bietet. Sie ist froh, dass es das Abend-Gymnasium gibt: „Man bekommt so jederzeit eine Chance, weiterzumachen und sich neue Möglichkeiten zu eröffnen.“ Jeder solle diese Chance haben.

„Ins Abend-Gymnasium einsteigen kann man im Grunde auch mit einem Hauptschulabschluss“, berichtet Wolfgang Merkle, Leiter der Volkshochschule. So habe tatsächlich jeder die Möglichkeit, sein Abitur nachzuholen und im Beruf oder auch für sich ganz persönlich einen Meilenstein zu legen.

Nicht jede Volkshochschule hat dieses Angebot

Gründung Das Göppinger Abend-Gymnasium gibt es seit 1976. Nicht jede Volkshochschule hat dieses Angebot, jene in der Hohenstaufenstadt gehört zu den kleineren, die diese Möglichkeit dennoch bieten.

Beratung zum Abend-Gymnasium gibt es donnerstags von 17.30 Uhr bis 18.30 Uhr im VHS-Haus in der Mörikestraße in Göppingen, Tel. (07161) 650-9760. Ein Infoabend findet dort zudem am 11. September um 17 Uhr statt.

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