Kreis Göppingen Immer mehr resistente Keime

Die Zahl der Patienten an der Klinik am Eichert, die den multiresistenten VRE-Keim in sich tragen, steigt weiter. Infektionen, die vor Vorerkrankungen lebensgefährlich sein können, verzeichnet die Klinik aber derzeit nicht.
Die Zahl der Patienten an der Klinik am Eichert, die den multiresistenten VRE-Keim in sich tragen, steigt weiter. Infektionen, die vor Vorerkrankungen lebensgefährlich sein können, verzeichnet die Klinik aber derzeit nicht. © Foto: Giacinto Carlucci
Kreis Göppingen / Dirk Hülser 14.05.2018
Obwohl mehr für die Hygiene getan wird, steigt die Zahl der Patienten mit dem VRE-Keim weiter. Der Staatsanwalt ermittelt noch wegen eines Todesfalls.

Trotz umfangreicher Bemühungen der Alb-Fils- Kliniken steigt die Zahl der Patienten, die von multiresistenten VRE-Keimen besiedelt sind, weiter an. Betroffen ist vor allem die Klinik am Eichert. Aktuell sind nach Auskunft der Klinik 49 Patienten besiedelt, davon 44 am Eichert und fünf in der Geislinger Helfenstein-Klinik.

Das ist ein Anstieg von mehr als 20 Prozent gegenüber Ende März: Damals berichtete die Klinik von insgesamt 40 Trägern des Darmbakteriums. Im Februar waren es noch 33 Fälle gewesen, daraufhin hatte die Stadt Göppingen auf Initiative des Gesundheitsamts eine Verfügung erlassen und den Klinik-Geschäftsführern ein Zwangsgeld in Höhe von 50 000 Euro angedroht, falls sich die hygienischen Bedingungen nicht verbessern. Damals war bei sieben Patienten eine VRE-Infektion ausgebrochen. Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es aber keine Infektionen, berichtet Klinik-Sprecherin Christiane Karrar.

Der Leiter des für die Kontrollen zuständigen Gesundheitsamts will nicht mit der Presse sprechen und lässt ausrichten, dass einzig die Pressestelle des Landratsamts Auskünfte geben kann. Dessen Pressesprecherin Julia Schmalenberger verschickt die Stellungnahme der Behörde wiederum schriftlich. „Ein Teil dieser positiv getesteten Patienten sind mit dem Erreger bereits besiedelt, wenn sie in die Klinik kommen“, heißt es in der Mail. Ansonsten seien die Kliniken auf einem guten Weg: „Wir können bestätigen, dass die Alb-Fils-Kliniken die vom Gesundheitsamt angeordneten Maßnahmen ordnungsgemäß umsetzen.“ So würden alle neuen Patienten auf die Keime getestet und Betroffene werden in räumlich getrennten Bereichen untergebracht. Eine Erklärung für die Steigerung von 33 auf 49 Fälle innerhalb von nicht einmal drei Monaten liefert das Landratsamt nicht. Das Gesundheitsamt ist beim Landratsamt angesiedelt und dessen Chef, Landrat Edgar Wolff, ist wiederum Aufsichtsratsvorsitzender der Alb-Fils-Kliniken, weil die Kliniken dem Landkreis gehören.

Zwei Patienten, bei denen der Keim nachgewiesen wurde, waren gestorben: Ein 90-Jähriger bereits im März 2017 an einer Blutvergiftung nach einer VRE-Infektion. Er trug das Bakterium aber bereits in sich, als er in die Klinik kam. Eine Frau, die Anfang 2018 in der Klinik am Eichert gestorben war, war ebenfalls durch VRE-Keime infiziert. Ob diese Infektion die Todesursache war, ist aber noch immer nicht geklärt. Der Fall liegt in Ulm bei der Staatsanwaltschaft.

Eine Obduktion habe stattgefunden, sagt Oberstaatsanwalt Stefan Adamski. „Aber wir wissen die Todesursache noch nicht.“ Es seien noch Folgeuntersuchungen notwendig. Die Patientin habe an diversen Krankheiten gelitten – „es ist nicht so einfach, hier die genaue Todesursache festzustellen“, betont Adamski.

Die multiresistenten Keime haben für die Alb-Fils-Kliniken gravierende Folgen. Die angepeilte „schwarze Null“ – also kein Defizit – ist dieses Jahr nicht zu schaffen, wie die Geschäftsführung unlängst eingeräumt hat. Neben den Kosten für zusätzlichen Hygieneaufwand sind seit Bekanntwerden der Probleme auch die Patientenzahlen zurückgegangen, was ein weiteres Loch in die Kasse reißt. Statt null Euro Minus gehen die Verantwortlichen mittlerweile von drei Millionen aus.

Auch der Wegfall der Schlaganfallversorgung trägt seinen Teil zum Defizit bei. Für diese Patienten ist seit 1. April nur noch das Christophsbad zuständig, doch gegen diese Entscheidung des Sozialministeriums haben die Alb-Fils-Kliniken beim Verwaltungsgericht Stuttgart Klage eingereicht. Das bestätigt dessen Sprecherin Ulrike Zeitler, sie sagt aber auch, dass die notwendige Klagebegründung noch fehle und das Gericht deshalb noch nicht aktiv geworden sei.

Wann die Begründung nachgereicht wird, kann Klinik-Sprecherin Karrar nicht sagen: „Das können wir noch nicht abschätzen. Wir sind derzeit mit unserem Juristen in regelmäßiger Abstimmung.“

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