Ulm / Merklingen / BRIGITTE SCHEIFFELE  Uhr
Joyce ist zwei Jahre alt. Schwarzhaarig, treue Augen, sanftes Gemüt. Die Hündin rettet mit ASB-Mitgliedern des Rettungs-und Besuchshundezugs Ulm Menschenleben. Jetzt war eine Übung in Merklingen.

Freudig springt Joyce, die schwarze Gordon Setter Hündin, aus dem Fahrzeug ihrer Besitzerin. Sie muss sich bewegen und begrüßt aufgeregt alle Teilnehmer des Übungseinsatzes: Der Rettungs- und Besuchshundezug des ASB Ulm trainiert im Merklinger Schotterwerk. Gleich hat sie ihren Einsatz und soll eine vermisste Person suchen. Markus Schwarz stellt sich als Opfer zur Verfügung und läuft in ein nahe gelegenes Waldstück. Zeit genug für alle Beteiligten, Joyce eine gute Portion Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. "Liebe und Motivation ist unglaublich wichtig", sagt Diana Schmahl, denn ihre Hündin wurde zum "Mantrailer" ausgebildet. Mantrailing ist ein Spezialgebiet in der Sucharbeit beim Rettungshundewesen. Der Hund verfolgt die individuelle Geruchsspur eines ganz bestimmten Menschen und ist fähig, sie auf jedem Gelände, auch in der Stadt und noch Tage später zu verfolgen.

Nun meldet sich das freiwillige Opfer Markus Schwarz per Funk aus seinem Versteck. Das ist zugleich das Startzeichen für den Einsatz von Joyce. Diana Schmahl lässt ihre Hündin den Geruch des Vermissten von einem Kleidungsstück aufnehmen, dann geht es los. Springlebendig nimmt Joyce sofort die Fährte auf, läuft keineswegs kerzengerade, sondern von links nach rechts, die Nase immer wieder am Boden, aber zielgerichtet. Der gesamte Einsatztrupp eilt hinter ihr her, Diana Schmahl begleitet sie an ganz langer Leine. Joyce lässt sich durch nichts irritieren, wirkt voll konzentriert und findet nur wenige Minuten später Markus Schwarz im Dickicht eines Waldstückes. Großes Lob aller Beteiligten für die Hündin, Leckerlis und Streicheleinheiten.

Zurück geht es nun zum Ausgangspunkt am Schotterwerk und allen Fahrzeugen, in denen weitere Hunde auf ihren Einsatz warten. 25 Hundeführer und Helfer mit über 30 Hunden zählt der Rettungs- und Besuchshundezug des ASB Ulm. Die Mitglieder kommen aus dem Kreis Ulm und Neu Ulm, dem Rems-Murr-Kreis, aus Waiblingen oder Günzburg und sind begeistert von der Möglichkeit, wie Menschenleben mit Hilfe von Hunden gerettet werden können. Zum Beispiel Stefanie Schwarz: Sie arbeitet hauptberuflich mit Demenzkranken und kennt das Problem, "wenn plötzlich jemand verschwunden ist". In solchen Fällen sei es hervorragend, dass Hunde den individuell menschlichen Geruch aufnehmen und nachspüren können. Anders verhalte es sich, wenn nun ein oder mehrere Wanderer in einem größeren Gebiet vermisst würden. "Dann sind Flächenhunde erforderlich, die das Gebiet systematisch absuchen", sagt Stefanie Schwarz. "Zwischen drei und 15 Minuten braucht ein Flächenhund, um einen Hektar Fläche abzusuchen", erklärt Zugführerin Diana Schmahl, die gleich einen weiteren Einsatz mit einem Labrador-Mix als Flächenhund hat: Hierfür werden sich drei Personen in einem Gebäude des Schotterwerks verstecken. Diana Schmahl erzählt währenddessen, dass der Rettungs- und Besuchshundezug des ASB Ulm mit vielen Hunden aus dem Tierheim arbeitet, die bei Mitgliedern ein neues Zuhause gefunden hätten: Elvis, Max, Titus, Mitch oder Baley heißen sie, manche wurden von ihren früheren Besitzern an der Autobahnraststätte ausgesetzt. "Da darf man ruhig drüber nachdenken, was ihnen von Menschen angetan wurde und dass sie heute Menschenleben retten", bemerkt die Zugführerin und deutet auf Titus, den Labrador-Mix. Jetzt kommt die Einsatzmeldung: "Drei Personen sind in einem Gebäude vermisst. Zwei männlich, eine weiblich. THW vor Ort, Krankenwagen und Rettung ebenfalls. Die Personen werden seit einer Sprengung vermisst." Das "Team Titus", der Labrador-Mix Hund mit Gefolge, macht sich ohne Leine auf den Weg und findet die Vermissten nach wenigen Minuten. "Das ist eine Hundeausbildung mit unschätzbarem Wert", sagt Peter Lotz, Besitzer von zwei großen braunen Labradoren. "Flächenhunde durchstreifen das Gelände systematisch, um gesuchte Personen zu finden." Er fügt hinzu: "Spielende Kinder können sich verlaufen haben, Jogger oder Mountainbiker im Wald nach einem Sportunfall liegen, ebenso Wanderer oder Pilzsucher. Dann spielt auch der Faktor Zeit eine Rolle." Sabrina Schrauf aus Merklingen kommentiert: " Unfallopfer können im Schockzustand vom Unfallort fortgelaufen sein oder suizidgefährdete Personen müssen gefunden werden. Jeder Mensch hat seinen ganz eigenen Geruch, das ist wie beim Fingerabdruck. Rettungshunde sind faszinierend, egal ob sie als Flächenhunde oder Mantrailer ausgebildet sind."

In einem Vergleichstest benötigen 50 Personen zum Durchkämmen eines unwegsamen Geländes 82 Minuten, acht Rettungshundeteams dagegen nur 16 Minuten.