Initiative Im Werkraum herrscht wieder Leben

Planen, konstruieren, erfinden, montieren: Wolfgang Liebrich mit Hattenhofer Schülern, die er für die Technik begeistert.
Planen, konstruieren, erfinden, montieren: Wolfgang Liebrich mit Hattenhofer Schülern, die er für die Technik begeistert. © Foto: Sabine Ackermann
Hattenhofen / Sabine Ackermann 25.07.2018

Dienstagnachmittag, im Werkraum der Grundschule Hattenhofen. Interessiert schaut die Gruppe von sieben Kindern dem Kursleiter beim Löten zu. Nicht zum ersten Mal. „Besonders die Mädchen zeigen großes Interesse“, erwähnt Wolfgang Liebrich den besonderen Aspekt, den er vor Beginn der Technik-AG nach Pfingsten so nicht vermutet hätte. Mit schnellen Arbeitsschritten hätten sie sich nicht nur in Szene gesetzt, sondern darüber hinaus schnell erkannt, wie das Spiel läuft. Achs- und Distanzhalter, Senkschrauben, Sechskant- und Rändelmutter, U-Bügel, Zylinderschraube, die Stückliste klingt für Laien wie böhmische Dörfer. Für Wolfgang Liebrich gehörten als Maschinenbau-Ingenieur solche Fachbegriffe zum Alltag.

Schon eine ganze Weile ist er im Unruhestand, auch als Gemeinderat – ein Ehrenamt, dass er vier Jahrzehnte lang bis 2014 aufrecht hielt. Dann, im Januar vorigen Jahres die Premiere des von ihm mit ins Leben gerufenen monatlichen Seniorenfrühstücks, das sich großer Beliebtheit erfreut. Und nun sind mal die Jüngeren dran. Als der mittlerweile 68-Jährige im Ingenieursverein erstmals von der „Eule - Gmünder Wissenswerkstatt“ aus Schwäbisch Gmünd hörte, war er von dem Konzept begeistert: Einen Beitrag zu leisten, um ausreichend Nachwuchskräfte für den naturwissenschaftlich-technischen und handwerklich-praktischen Bereich heranzubilden.

„Gerade Kinder im Vorschulalter bringen sehr gute Voraussetzungen für eine technische Frühförderung mit“, so Liebrich, der wie der begleitende Aushilfslehrer Gerald Winter sowie die Mithelfer Harry Wöhrle und Günter Ortwein die letzten Wochen immer wieder erlebt hat, wie groß das Interesse und ihre Motivation Produkte zu gestalten ist.

Also ging der umtriebige Senior auf die Grundschule zu und stieß bei Rektorin Stephanie Wierz, den Eltern und natürlich bei den Hauptakteuren, rund 22 Jungen und Mädchen ab der vierten Klasse, sofort offene Türen ein. Geplant sei, die Technik-AG im neuen Schuljahr fortzusetzen, dabei den einen oder anderen Senior anzusprechen, der beim Aussägen oder Anstreichen hilft, ist Wolfgang Liebrichs Wunsch.

Im ersten Projekt waren es zwei Autos, wo die Kinder Spaß und Freude am Planen, Konstruieren, Erfinden, Montieren hatten. „Ich hab mich voll drauf gefreut“, verraten Nina und Emily fast wie aus einem Munde. Während Nina zu Hause sogar ein Trampolin mit aufgebaut habe und als Berufswunsch Lehrerin in Kunst und Sport angibt, stimmt ihr Emily nur darin zu, ebenfalls mal unterrichten zu wollen: „Ich mag Musik und Sport“, sagt sie und freut sich nun wieder auf ihre Gitarre.

Als Handwerkerin sieht sich dagegen Jona, die ihrem Opa Manfred sogar beim Bau eines Flugzeugträgers und Errichten eines Teiches geholfen hat. Ganz taff in Sachen Handwerk outet sich Julius, der angeblich schon mal eine Schlagbohrmaschine bedienen durfte, bei der Jugendfeuerwehr ist und unbedingt Landschaftsgärtner werden möchte: „Da kann ich Bagger fahren.“ 

Begeistert zeigt sich Bürgermeister Jochen Reutter, dass der gut ausgestattete Werkraum im Untergeschoss nach Ende der Sanierung des Schulhauses nun wieder sinnvoll genutzt wird. „Es ist alles da was man braucht“, so der Schultes, der dem Projekt viel abgewinnen kann.

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