Süßen / Patricia Jeanette Moser

Mademoiselle Mirabelle, die französische Kunstfigur aus Ger­stetten, bewegte sich in ihrem Programm „Guillotine d´Amour“ auf französischen Pfaden, mit Blick über den Rhein in beide Richtungen. Im schlichten Bühnenbild agierte die Künstlerin in entspannter Manier. Mit typisch französischem Charme eroberte sie das Publikum im Sturm. Aus einem Baguette machte sie einen Konfetti sprühenden Knallkörper. Rein äußerlich scheint Birgit Gebhardt, Jahrgang 1971, geradezu prädestiniert für diese Rolle. Klein, zierlich, dunkle Perücke, braune Rehugen und sexy obendrein, scheint sie die Französin in Reinkultur darzustellen.

Mademoiselle Mirabelle plaudert für gut zwei Stunden aus ihrem persönlichen Fundus – aus ihrem ganz eigenen Mirabelle-Kosmos. Denn eines wird bald klar: In ihrem Leben ist sie die Hauptperson. Sie bedient französische Klischees, bildlich und sprachlich. Das kommt beim Publikum an. Das wird auch erwartet. Wenn sie die Lippen schürzt und mit den großen Augen kullert, glaubt das Publikum sofort, dass das Rot-Zeichen an der Ampel von ihr nur als Vorschlag angesehen wird. Wenn ihr nach Flirten zumute ist, gibt sie gerne mal bei Tempo 160 auf der Autobahn eindeutige Signale an einen männlichen Verkehrsteilnehmer. Nur schade, dass dieser Herr die Signale als Nötigung versteht.

Keine Situation, der Mademoiselle Mirabelle nicht gewachsen scheint. Überhaupt scheint das Leben für sie sehr einfach zu sein. Schließlich ist sie immer im Recht. Auf der Western- und auf der E-Gitarre begleitet sich die Komödiantin selbst. Der Versuch auf dem kleinen Akkordeon gelingt ihr humorvoll und passt sich optisch ungemein gut ins Klischee ein.

Vom ersten Moment am Abend bezieht sie die erste Publikumsreihe ins Programm mit ein. Die wenigen anwesenden Männer sind schnell ausfindig gemacht und fortan Ziel so mancher verbalen Spitze. Doch wer kann Mademoiselle Mirabelle böse sein? Ihrem Charme erlegen, zeigen sich die Angesprochenen gnädig und spielen gerne mit.

Eine Umfrage im Publikum, wer denn derzeit keinen Führerschein besitze, bleibt ergebnislos. „Die Dunkelziffer ist hoch“, sagt Mademoiselle Mirabelle. Sie behandelt die Themen Liebeskummer und die Flexibilität der Männer, die ihrer Meinung nach gar nicht existiert. Auch das Schlussmachen beschreibt sie und gibt Ratschläge dazu. Sie rät sogar, es am gleichen Abend noch auszuprobieren.

„Das war ich für euch“, so verabschiedet sich Mademoiselle Mirabelle kess nach einer kleinen Zugabe. Die Eröffnung des 21. Kulturfrühlings in Süßen scheint gelungen, so mancher Besucher schien beim Abschied aus der Zehntscheuer einen französischen Akzent davon zu tragen. Zu hören war auch der Vorsatz, am nächsten Morgen ein Croissant verzehren zu wollen.

Der 21. Süßener Kulturfrühling

Der Kulturfrühling ist eine gemeinsame Veranstaltungsreihe von
Stadtbücherei, Volkshochschule,
Kulturhalle, Freundeskreis Kirchenmusik Mariä Himmelfahrt und Musikverein.

Mit weiteren Veranstaltungen setzt sich die Reihe bis zum 14. April fort.
Es gibt noch ein Frühlingsfest, ein Konzert, eine Lesung, ein Kindertheater und ein Frühlingskonzert.