Bürgerauto Im Dienste der Senioren

Seit der ersten Fahrt am 1. März 2017 hat das 32 000 Euro teure Schnappermobil schon 9000 Kilometer zurückgelegt. Einer der  30 ehrenamtlichen Fahrer: Bürgermeister Marius Hick.
Seit der ersten Fahrt am 1. März 2017 hat das 32 000 Euro teure Schnappermobil schon 9000 Kilometer zurückgelegt. Einer der 30 ehrenamtlichen Fahrer: Bürgermeister Marius Hick. © Foto: Schwabenpress
Gingen / Günter Hofer 12.05.2018

Das von den Bürgern liebevoll „Schnapper-Mobil“ getaufte Bürgerruf­auto ist in der Filstalgemeinde sehr gefragt und auch in Kuchen und Süßen unterwegs. Der Fahrdienst mit dem „Nissan-E-NV200-Kombi“ soll älteren Bürgern von Gingen wieder ein Stück Selbstständigkeit und Mobilität zurückbringen. 30 ehrenamtliche Helfer chauffieren zwischen Montag und Freitag, bei besonderen Anlässen auch an Sonn- und Feiertagen, die ältere Bürgerschaft durch die Filstalgemeinde. Bestimmte Ziele – vor allem, wenn es um medizinische Dienstleistungen geht, die in Gingen nicht angeboten werden – fährt das Schnappermobil auch Kuchen und Süßen an.

Jüngst hat Bürgermeister Marius Hick seinen Chefsessel im Rathausplatz gegen den Fahrersitz vom Schnappermobil getauscht und für einen Tag Bürger entsprechend ihrer Wünsche chauffiert. Kurz nach 8 Uhr wurde von Hick der Nissan in den Gemeindefarben weiß und blau, mit seinen fünf Sitzplätzen und dem Platz für zwei Rollatoren oder einem Rollstuhl, von seiner Stromtankstelle abgekoppelt und das Ladekabel verstaut.

Anmeldung für jede Fahrt

So wie jeder der 30 ehrenamtlichen Schnappermobilfahrer, hatte Marius Hick für seinen Einsatztag die blaue Schnappertasche mit Einsatzhandy, Fahrtenbuch und Fahrauftragsverzeichnis dabei. Jeder Fahrdienst muss vom Nutzer bereits im Vorfeld des anstehenden Termins über das Einsatzhandy angemeldet werden. Auch für Terminverlegungen oder zeitliche Verschiebungen wird das besondere Handy genutzt und der aktuell eingesetzte Fahrer führt genau Buch und koordiniert.

Knapp 9000 Kilometer hat das Gingener E-Auto seit seiner Inbetriebnahme vor mehr als einem Jahr mittlerweile auf dem Tacho. Bisher hat es bei den Einsatzfahrten weder Kratzer, Schrammen oder Blechschäden gegeben. Alle ehrenamtliche Fahrer – darunter auch acht Frauen – gehen nach Meinung von Marius Hick sehr sorgfältig mit dem rund 32 000 Euro teuren Gemeindefahrzeug um. Für seinen ersten Fahrdienst muss Bürgermeister Hick nicht weit fahren. In der Bahnhofstraße holt er die 74-jährige Heidrun Kadow ab. Ein wenig lustig, denn sie war am 1. März 2017, die erste Nutzerin des Schnappermobils. Damals wurde die rüstige Rentnerin von Werner Zimmermann gefahren.

„Grauer Blitz von Gingen“

Bei seiner ersten Einsatzfahrt ging es für Marius Hick über die Ortsgrenze hinaus nach Kuchen zur „Mobilen Hilfe“. Dabei ging es ganz gesellig zu. Heidrun Kadow plauderte gemütlich mit dem Schultes, meinte, dass alle Fahrer vom Schnappermobil „lieb und freundlich“ sind. Selber hat sie zwar einen Führerschein und wurde früher sogar als „grauer Blitz von Gingen“ bezeichnet, die Augen machen heute aber dem Selberfahren einen Strich durch die Rechnung. „Ich hoffe, dass das Schnappermobil lange erhalten bleibt“, sagt Heidrun Kadow  zu Marius Hick. Eine halbe Stunde später, geht’s zurück nach Gingen. Die einfache Strecke nach Kuchen kostet zwei Euro, vier Euro werden von Bürgermeister Marius Hick ordentlich in der Tageskasse verbucht.

Fahrt zum „Viertelesschlotza“

Hauptsächlich für Einkaufsfahrten und Arztbesuche wird das Bürgerrufauto geordert. Es kann aber auch vorkommen, dass sich eine rüstige Rentnergruppe zum Beispiel zum „Viertelesschlotza“ auf den Grünenberg fahren lässt oder donnerstags das Waldheim vom Liederkranz das Ziel ist. Eine private Nutzung sieht der Einsatzplan vom Schnappermobil nicht vor. Im Durchschnitt ist das blau-weiße Auto, gesponsert von sechs Werbepartnern, an sechs bis acht Terminen pro Tag im Einsatz. Sponsoren für zwei Werbeflächen werden noch gesucht. „Mehr sollen es nicht werden“, betont Marius Hick, „wir wollen nicht als Litfaßsäule durch die Gegend fahren.“

Rund 70 bis 80 Kilometer weit könnte der Bürgermeister an seinem Einsatztag mit der vollgeladenen Batterie fahren. Bei einem kurzen Stopp vorm Rathaus klingelt das Einsatztelefon. Der ehemalige Gemeinderat Klaus Wimmer ordert bei Marius Hick das Schnappermobil für den nächsten Tag. Nach Kuchen soll es gehen. Kurz danach läutet es schon wieder. Ein anstehender Zahnarzttermin soll vorverlegt werden. Das Schnappermobil und sein Team sind flexibel. Bürgermeister Marius Hick surrt auf leisen Reifen zum nächsten Termin.

Info Wer das Schnappermobil benötigt, kann sich montags bis freitags von 9 bis 18 Uhr hier melden: ☎ (0162) 9036869.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel