Rechberghausen Im Casanova können Gäste Mittellose zum Kaffee einladen

Sabine und Matthias Renning wollen im Casanova eine alte Tradition aufleben lassen: Bedürftige, die einen "Aufgeschobenen" bestellen, erhalten ein gesponsertes Getränk.
Sabine und Matthias Renning wollen im Casanova eine alte Tradition aufleben lassen: Bedürftige, die einen "Aufgeschobenen" bestellen, erhalten ein gesponsertes Getränk. © Foto: Sabine Ackermann
Rechberghausen / SABINE ACKERMANN 29.08.2014
Seit neuestem kann jeder im Casanova in Rechberghausen durch einen "Aufgeschobenen" zum Kaffeeheld werden und hilfsbedürftigen Menschen eine Freude machen. Ein Gratis-Getränk für Menschen in Not.

Die einen mögen ihn mit Milch und Zucker, die anderen trinken ihn lieber schwarz. Egal wie, für zahlreiche Menschen ist ein Start ohne Kaffee in den Tag schwer vorstellbar. Was für die meisten zur täglichen Selbstverständlichkeit gehört, ist für manche seltener Luxus. Fortan können bedürftige Menschen im Kultur- und Begegnungscafé Casanova ein Tässchen Kaffee, ein alkoholfreies Getränk oder ein Essen in Gesellschaft genießen, ohne dafür bezahlen zu müssen.

Das Prinzip ist simpel: Ein freundlicher Gast bezahlt doppelt, isst oder trinkt aber nur einmal. Das zweite Getränk oder Essen wird gespendet - für jemanden, der sich das selbst nicht leisten kann. Die Idee, des "Kaffees zum Weitergeben" ist nicht neu, wissen Sabine und Matthias Renning. "Wir haben irgendwann einmal durch Zufall davon gehört und diese Aktion gleich für gut befunden. Vor allem darum, weil das Konzept ganz besonders dem Leitbild unseres Cafés entspricht, in dem wir ja großen Wert auf ein kulturelles Miteinander und Füreinander legen, völlig egal ob jung oder alt, arm oder reich und mit oder ohne Behinderung", verraten die Besitzer. Ausnahmsweise hat diese Idee nicht in Amerika ihren Ursprung, vielmehr ist es in Italien eine alte Tradition, die sich jetzt langsam aber stetig auf der ganzen Welt auszubreiten scheint.

Was einst als "Caffè sospeso" nach dem Zweiten Weltkrieg in Neapel begann, kennt man heute auch als "Suspended Coffee", "Café en attende" oder eben: aufgeschobenen Kaffee. Die Idee ist überall dieselbe: Man kauft einen Kaffee und zahlt zusätzlich für einen weiteren, den kann sich dann später ein Bedürftiger abholen.

Selten stecke hinter dem Spruch "Aufgeschoben ist nicht aufgehoben" so viel Gutes, findet das Ehepaar, dass das völlig legale "Schieber-Geschäft" jetzt so richtig bekannt machen möchte. Nur weil manche Leute weniger Geld haben, sei es nicht richtig, diese gleich abzustempeln oder in eine Schublade zu stecken. Schließlich gebe es auch in weniger krisengebeutelten Regionen Bedürftige. Das vorab bezahlte Getränk oder Essen laufe dann über eine extra Kasse und Abrechnung, sprich, kommt ein wirklich mittelloser Gast und sagt: "Einen Aufgeschobenen, bitte", wird dies aus der speziellen "Mehrwert-Kasse" abgerechnet. Allerdings herrscht darin noch gähnende Leere.
 


Vernissage der Donzdorfer Malerin Sabine Funk am 11. Oktober ab 19 Uhr. Das Casanova will die NWZ-Aktion "Gute Taten" finanziell unterstützen. Hierfür werden bis zum Ende der Ausstellung Lose verkauft, wobei die Künstlerin eines ihrer Bilder als Hauptgewinn stiftet.

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