Hohenstadt ICE-Trasse Wendlingen-Ulm: Arbeiten am Steinbühltunnel

Hohenstadt / JÜRGEN WAHR 06.04.2013
Mit dem Aushub einer später befahrbaren Baugrube haben die Arbeiten für den Tunnelbau der ICE-Trasse Wendlingen-Ulm bei Hohenstadt begonnen. Der Rohbau der 635 Millionen teuren Anlage soll 2018 fertig sein.

Ein eigenartiges Geräusch und ein kurzer beeindruckender Augenblick: Ein voll besetzter Hightech-ICE schießt mit 250 Stundenkilometern zwischen Hohenstadt und dem Weiler Widderstall aus der Tunnelröhre. Auf der Albhochfläche wird er nach kurzer Zeit Ulm erreicht haben. Und dies auch bei Nebel mit unverminderter Geschwindigkeit - dank moderner Streckensicherungstechnik.

Der Augenblick ist noch nicht Wirklichkeit, erst im Jahr 2021 soll es soweit sein. So sieht es zumindest die Vorgabe im Planfeststellungsabschnitt PFA 2.2 der Schnellbahntrasse Wendlingen-Ulm vor.

Was derzeit schon einen Kilometer hinter Hohenstadt in Richtung Merklingen von Weitem zu hören ist, das ist das Hämmern eines schweren Baggers, der mit seinem großen Meißel das Karstgestein der Alb zerkleinert. Auf den Pfaffenäckern wird jetzt eine 25 Meter tiefe Baugrube ausgehoben, von deren "Sohle" aus schon im Juni der 4,8 Kilometer lange Steinbühltunnel in Richtung Hohenstadt vorangetrieben werden soll. Matthias Breidenstein ist der leitende Ingenieur, der als verantwortlicher Projektabschnittsleiter den Tunnelbau bis zum unteren Portal zwischen Mühlhausen und Wiesensteig lenkt. Zugleich kümmert er sich um den knapp neun Kilometer langen Boßlertunnel, der bei Aichelberg in den Berg eintreten und zwischen Mühlhausen und Wiesensteig herauskommen soll. Die Verbindung zum unteren Ende des Steinbühltunnels schafft dann eine 485 Meter lange Brücke über das Filstal.

Die Arbeiten seien aufgrund der geologischen Beschaffenheit des Karstgebiets besonders schwierig, erklärt Breidenstein. Der lang anhaltende Winter habe den Gesteinsaushub für die befahrbare Baugrube von letztlich 150 000 Kubikmeter Volumen verzögert. Wegen des Schnees habe man mit dem Abtragen des wertvollen Oberbodens bis Mitte vergangener Woche warten müssen. Wenn dann die im Erdreich liegenden Fahrröhren fertig sind, wird der fruchtbare Ackerboden wieder aufgetragen. Bis es so weit ist, wird er im Bereich neben der Autobahn zwischengelagert. Eine Geologin gehört zum Leitungsteam der Gesamtbaustelle.

Die beiden getrennt verlaufenden Fahrröhren, die lediglich durch Rettungsdurchgänge miteinander verbunden sind, entstehen im sogenannten Sprengvortrieb. Mithilfe spezieller Maschinen werden Erde und Gestein unter Tage abgetragen und der entstehende Hohlraum wird sofort mit Zement verfestigt. Der Boßlertunnel soll am Portal in Aichelberg auf einer Strecke von 2800 Metern ohne Sprengungen von einer großen Tunnelvortriebsmaschine angelegt werden. Mit dem Bau eines Zugangsstollens, der von Gruibingen bis zur Mitte dieses Tunnels führt, will man Mitte Juni auch diesen Bauabschnitt angehen.

Der Steinbühltunnel wird in einer Tiefe von 60 Metern die Abbruchsohle des Steinbruchs Staudenmaier bei Drackenstein unterqueren und anschließend die talabwärts führende A 8, bis er zwischen Wiesensteig und Mühlhausen wieder ans Tageslicht kommt. Sieben schwere Bagger sind zurzeit im Einsatz, um die 15 Vierachser-Lastwagen mit Abraum zu beladen, die diese auf die neben der Autobahn eingerichtete Deponie befördern. Ein Teil des insgesamt anfallenden Aushubs von 800 000 Kubikmetern werde wieder eingebracht, sobald die Baugrube nicht mehr benötigt wird und der 962 Meter lange "Widderstalltunnel" in Richtung Ulm in offener Bauweise bis zum eigentlichen Austrittsportal weitergeführt wird. Damit verbunden ist ein Rückbau der Autobahn-Rastanlage "Widderstall" (wir berichteten). Derzeit komme man noch mit 30 Fachkräften aus, doch sobald unter Tage im Schichtbetrieb rund um die Uhr gearbeitet werde, seien es weitaus mehr, erklärten Breidenstein und sein Pressesprecher Michael Schmidt bei einem Ortstermin auf der Baustelle. Mit den Feuerwehren der Gemeinden Hohenstadt und Drackenstein habe man im Übrigen ein Rettungskonzept entwickelt, das ständig dem Bauverlauf angeglichen werde, um bei eventuellen Notfällen schnell reagieren zu können.

Der Bau der beiden Tunnels werde etwa 635 Millionen Euro kosten, sagte Breidenstein. Dazu kämen rund 50 Millionen Euro für die Brücke über das Filstal. Für diese müssten die Arbeiten aber noch ausgeschrieben werden. Die Bauarbeiten für den Tunnelrohbau sollen etwa fünfeinhalb Jahre dauern und 2018 abgeschlossen sein.

www.bahnprojekt-stuttgart-ulm.de/auf-der-baustelle

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