Gesundheit Hygiene gegen Keime unverzichtbar

Kreis Göppingen / SWP 27.07.2018
Als globales Problem hat Dr. Lutz Zabel von den Alb-Fils-Kliniken die Gefahr durch Keime bezeichnet.

Der Chefarzt für Laboratoriums-Medizin an den Alb-Fils-Kliniken, Dr. Lutz Zabel, hat vor den Stadt- und Ortsseniorenräten in deren gemeinsamer Sitzung in Süßen erklärt, dass das Risiko, sich einen Erreger einzufangen, in den beiden Häusern in Göppingen und Geislingen nicht größer ist als in jeder anderen Klinik. Er habe in die eingeleiteten Maßnahmen so viel Vertrauen, dass er sich selbst ohne Weiteres in einer der Kliniken operieren ließe, heißt es in einer Mitteilung. Beide Kranken­­häuser kämpfen schon seit Jahren massiv gegen diese Erreger.­

Dennoch sind laut Zabel multiresistente Keime ein massives Problem, das unter keinen Umständen vernachlässigt werden dürfe. Vor allen Dingen müsse das Hygienemanagement vom Krankenhauspersonal, den Patienten und den Besuchern außerordentlich ernst genommen werden. Das Desinfizieren der Hände sei ein absolutes Muss.

Rechnerisch würden pro Tag von der Weltbevölkerung mit dem Stuhl über zwei Milliarden Kilo Bakterien ausgeschieden. Die Zahl der Mutationen, die zur Resistenz führen, sei bei der kurzen Verdoppelungszeit der Bakterien hoch. Zabel: „Dort, wo Antibiotika frei verkäuflich sind, steigt erfahrungsgemäß die Zahl der resistenten Bakterien an.“

Die multiresistenten Keime seien ein globales Problem, das von den verantwortlichen Stellen in Politik und Gesundheitswesen lange Zeit sträflich vernachlässigt worden ist. Als ärgerlich bezeichnete der Mediziner, dass von ursprünglich 18 Pharmaunternehmen, die 1990 noch ein Antibiotikum beforschten und entwickelten, nur noch sechs übrig geblieben seien. „Damit kommt die Forschung und Entwicklung von Antibiotika, die etwas gegen die Keime ausrichten können, nicht mehr mit der nötigen Intensität und Geschwindigkeit voran.“

Es sei zu befürchten, dass die multiresistenten Keime nicht aus den Schlagzeilen heraus kommen. Mikrobiologen und Pharmakologen warnten vor einer „Post-Antibiotika-Ära“, man sei für eine solche Situation nur unzureichend gewappnet. Hygiene-Maßnahmen in den Krankenhäusern seien daher unverzichtbar.

Ein weiteres Problem: Viele multiresistente Erreger kämen heutzutage auch aus der Tiermast und würden beim Kauf von Fleisch sozusagen gleich mit erworben. Eine Untersuchung von Hühnerfleisch habe zum Beispiel ergeben, dass bei 38 Prozent der Proben multiresistente Erreger gefunden wurden.

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