Aktion Hundeschwimmen lockt 93 Vierbeiner

Ebersbach / Sabine Ackermann 19.09.2017
Apportieren und Paddeln im Höhenfreibad Ebersbach? Zum Saisonende kamen 93 Vierbeiner mit ihren Besitzern. Aber  nicht alle hatten Lust auf’s „Seehündchen“.

Platsch! Mit Schwung und noch mehr Freude springt die Labradorhündin jedem Ball hinterher, den ihr Frauchen immer wieder ins Becken wirft. „Andere Hunde sind ihr völlig egal, wenn sie Wasser sieht“, berichtet Wiltrud Bretzler lachend von ihrer vierjährigen Kirsa. Und in der Tat, wie ein Uhrwerk spult der schwarze Vierbeiner unermüdlich sein Programm ab: Ball fokussieren, reinspringen, hinschwimmen, Ball schnappen, zurückschwimmen, cool-elegant am Beckenrand aus dem Wasser steigen und schwanzwedelnd mit treuherzigem „Bitte-nochmal-Blick“ auf Frauchens Ausdauer hoffen.

Die Hundebesitzerin aus Wäschenbeueren findet es super, dass es dieses Angebot nun auch im Kreis Göppingen gibt. Zuvor war sie in Fellbach und Korb, da bieten die Freibäder schon länger das Hundeschwimmen an. „Oder wir gehen zur Rems, dort ist das Wasser tiefer als in der Fils und es besteht außerdem keine Leinenpflicht“, verrät Wiltrud Bretzler.

Von der Begeisterung fürs erfrischende Nass ist der fünfjährige Labrador-Rottweiler noch weit entfernt. Eigentlich sei Lucky nicht wasserscheu, „im Urlaub war er aus dem Pool nicht rauszukriegen, vielleicht hat er hier Angst“, mutmaßen Daniela und Gerd von Wurzach aus Göppingen. Da ist er freilich nicht der Einzige. Nach der ersten Stunde sind bereits über zwanzig Vierbeiner da, doch frönen nur zwei, drei Wauwaus dem Wasserspaß.

Zu kalt? Zu viele Leute? Keine Lust? An der Temperatur kann’s nicht liegen, angenehm warm sei das Wasser, wie Gabriela Koreck aus der Hohenstaufenstadt feststellt. Nach einer dreiviertel Stunde „gut zureden“ oder mit Leckerlis an den Beckenrand locken gibt sie alles für den letzten Versuch. Gummistiefel und Socken weg, Hosenbeine hochgekrempelt und ab auf den Stufen ins Wasser. „Suna, guck doch amol, wie viel Spaß die anderen Hunde haben, geh doch auch mal ins Wasser“, bittet sie ihre dreijährige Schäferhündin. Doch die will nicht, oder doch? Irgendwie wirkt sie etwas unsicher. Schließlich darf sie ja laut Frauchen zu Hause auch nicht in den Pool, also, warum denn auf einmal jetzt?

Da kann nicht mal ihr tierischer Nachbar Mogli etwas ausrichten. Der junge Zwergschnauzer von Carmen Schönfeld möchte gar nicht mehr raus. Inzwischen haben die warmen Sonnenstrahlen die Nebelschwaden verjagt und weitere Hundebesitzer ins Waldhöhenfreibad gelockt. „Der packt es einfach nicht, die Treppen zu nehmen“, verzweifeln Pauline und Jakob. Die neunjährigen Zwillinge führen ihren Labradoodle Apollo, eine Kreuzung zwischen Labrador, Retriever und Großpudel, kontinuierlich an die Stufen. Denn nicht nur diesem Hybridhund, auch anderen Vierbeinern scheint das Metallgitter auf dem Boden zwischen Weg und Wasserbecken suspekt zu sein.

Manch ein Hund läuft aufgeregt am Beckenrand hin und her und scheint zu denken: Wasser, oh wie toll, doch wie komme ich da rein? So kennt beispielsweise Mischling Max gleichfalls nur den flachen Einstieg eines Natursees, erklärt Tobias Mammel, der mit seiner Frau Sina und Sohnemann Lars aus Roßwälden gekommen ist. „Max musste sich erst mal an den neuen Gegebenheiten orientieren, dann haben wir ihn ein bisschen angestoßen und schon war er drin“.

Nicht alle Hundebesitzer gehen so sanft mit ihren Lieblingen um, einige werden kurzerhand geschnappt und mit Schmackes ins Wasser geworfen. Er hätte ja auch die Treppe nehmen können, rechtfertigt sich ein Tierhalter lapidar und betont: „Daheim rennt er den ganzen Tag die Stufen rauf und runter“. Na, dann.

Egal ob freiwillig oder unfreiwillig, jeder Hund der aus dem Wasser kommt, ähnelt einem nassen Sack. Kurz und heftig das Fell geschüttelt, und wer nicht vorher die Flucht ergriff, bekommt von dem „lebendigen Rasensprenger“ die volle Breitseite ab. Wasserscheu? Von wegen. Laika ist eine achtjährige Labradorhündin und die Freude am erfrischenden Nass liegt bei dieser Rasse in den Genen. Unermüdlich zieht auch Cockerspaniel Charly seine Bahnen. Laut seinem Frauchen „rennt der weg und hört nichts mehr, wenn er Wasser sieht“, so Marianne Kawelke die „wegen dieser genialen Sache“ extra aus Jesingen gekommen ist. „Na, komm, Nero“, oder „Ja, geh doch nei, sonst schwimmsch doch au“, die unermüdlichen Versuche von Frauchen und Herrchen, dass sich die bezahlten „50 Cent pro Pfote“ auch rentieren, sind fantasiereich.

Am Nachmittag dann belebt sich die Szenerie noch einmal deutlich. Insgesamt 93 Hunde und 199 Menschen zählt Schwimmmeisterin Steffi Förste bis zum Abend. Haufenweise Hunde, die sich beschnüffeln, ganz gut vertragen und überraschenderweise – kaum bellen. Einmal jedoch wird das Idyll gestört, zwei Rüden geraten unschön aneinander: Lautes Knurren und Zähnefletschen – nicht ungefährlich, die Besitzer müssen eingreifen. Zum Glück ist der Spuk schnell vorbei und zumindest in der ersten Tageshälfte der einzige Vorfall, der das ansonsten „harmonisch-tierische Miteinander“ ein wenig schmälert.

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