Nahverkehr Pannenbus: Seniorengruppe im Regen ausgesetzt

„File not found“ gibt dieser Omnibus als Fahrtziel an. Kein gutes Omen für 16 ältere Frauen des TSV Adelberg, die schließlich mit dem Gefährt in strömendem Regen strandeten.
„File not found“ gibt dieser Omnibus als Fahrtziel an. Kein gutes Omen für 16 ältere Frauen des TSV Adelberg, die schließlich mit dem Gefährt in strömendem Regen strandeten. © Foto: Sigrid Cammerer-Dick
Kreis Göppingen / Dirk Hülser 09.11.2018
16 Seniorinnen des TSV Adelberg stranden mit einem kaputten Omnibus im strömenden Regen bei Kirchheim. Sie fordern nun eine Entschädigung.

Gewundert hatten sie sich ja schon, die 16 Seniorinnen des TSV Adelberg, als sie in Kirchheim in den Bus einstiegen. Aber sie hätten vielleicht noch misstrauischer sein sollen, als das Gefährt an jenem Samstagabend Ende Oktober an der Haltestelle auftauchte. Als Fahrtziel zeigte die elektronische Tafel über der Windschutzscheibe „21.04.2011 ZD-File not found“.

Einen Namen des Busunternehmens suchten die Passagiere auf dem Fahrzeug vergebens, stattdessen prangte die Internetadresse eines Gebrauchtbushandels auf der Karosserie. Und einmal eingestiegen, stellte sich heraus, dass das hintere Drittel des Omnibusses mit rot-weißem Flatterband abgesperrt war, die Sitze in Heck hatten keine Polster mehr. Ein Ticket zu lösen, war nicht möglich, das Gerät funktionierte nicht. Und auch die Türen waren defekt, sie schlossen erst nach mehreren Versuchen.

Hätten die betagten Damen vorher gewusst, was der Busfahrer ihnen später erzählte – vielleicht wären sie dann tatsächlich nicht eingestiegen. „Er sagte, dass er vor ein paar Wochen schon einmal mit dem Bus stehengeblieben ist“, berichtet Sigrid Cammerer-Dick, die den Tagesausflug der Vereins-Seniorinnen nach Kirchheim/Teck organisiert hatte. Hinterher ist man immer schlauer, doch als der Bus um 17.18 Uhr in Kirchheim startete, war die Reisegruppe noch guter Dinge. Das änderte sich bereits an der ersten Haltestelle, Ziegelwasen.

Seniorinnen werden buchstäblich im Regen stehen gelassen

Auch dort: Die Türen machen Probleme. Der Busfahrer schaltet den Motor aus, will wieder starten – doch jetzt geht gar nichts mehr. „Der Bus lief nicht wieder an, trotz allen möglichen Versuchen“, schreibt Cammerer-Dick an das Busunternehmen Schefenacker und das Göppinger Landratsamt. Es regnet in Strömen, der Fahrer öffnet die Klappe zum Motorraum. Die Damen im Alter zwischen 60 und 80 Jahren helfen, so gut sie können. Sie assistieren, leuchten, damit der Mann etwas sieht. Doch es hilft nichts: Der Bus will nicht mehr.

Der Rest der Geschichte ist schnell erzählt: Versprochene Taxis kommen nicht, weil angeblich keine verfügbar sind. Auch einen Ersatzbus gibt es nicht. Der Busfahrer – „er war sehr freundlich“, betont Cammerer-Dick – schließt sein havariertes Fahrzeug irgendwann ab und lässt sich privat abholen. Die 16 Frauen bekommen Asyl in einer nahegelegenen Gaststätte gewährt, die Tische sind aber alle belegt. Schließlich werden sie von Bekannten aus Adelberg und Umgebung mit vier Autos abgeholt.

Chefin des Busunternehmens sagt Entschädigung zu

„Ich war an dem Abend fix und alle“, sagt Cammerer-Dick. Den Brief hat sie abgeschickt, weil sie eine Entschädigung will. „Ich möchte nur diese Personen, die wir zusätzlich gebraucht haben, entschädigen und ihnen eine Aufmerksamkeit zukommen lassen.“ Dies sagt die Chefin des Busunternehmens, Karin Wagner, auch zu. Doch die Gemengelage ist kompliziert: Die Firma OVS (Omnibusverkehr Schlierbach) besitzt die Konzession für die Strecke Kirchheim - Göppingen. Diese Lizenz hat die OVS aber an das Esslinger Unternehmen Schefenacker als Subunternehmer vergeben. Auch in dieser Firma ist Wagner  zwar Geschäftsführerin, doch an jenem Abend fuhr eine dritte Firma aus dem Kreis Reutlingen – wiederum als Subunternehmer für das Esslinger Subunternehmen. Dieser Sub-Subunternehmer wolle eine „angemessene Entschädigung“ zahlen, versichert Wagner, der die ganze Sache furchtbar peinlich ist: „Das tut mir sehr leid“, sagt sie. „An dem Bus ist wohl der Zentralrechner ausgefallen.“ Das würde auch die Fehlermeldung im Display, „File not found“, erklären: „Datei nicht gefunden.“

Auch der Leiter des Amts für Mobilität und Infrastruktur beim Göppinger Landratsamt, Jörg-Michael Wienecke, kennt den Fall, er hat Cammerer-Dicks Brief erhalten und will sich nicht davonstehlen: „Da werden wir uns sicher was einfallen lassen. Wir sitzen da schon mit im Boot, das ist ja ganz klar.“ Das wird Sigrid Cammerer-Dick freuen: „Man hat uns im wahrsten Sinne des Wortes im Regen stehen lassen.“

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