Eislingen Hommage an die Kabarettkönigin Claire Waldoff

Eislingen / PETER RITZ 27.11.2012
Unkonventionell, professionell, exzeptionell - so stellte die Berliner Schauspielerin und Sängerin Sigrid Grajek die berühmte Chanson-Interpretin und Kabarettkönigin Claire Waldoff in der Stadthalle Eislingen vor.

Man sollte bald einmal auf den Stuttgarter Pragfriedhof gehen und am Grab von Claire Waldoff und Olly von Roeder, ihrer Lebensgefährtin über 40 Jahre, schöne rote Rosen hinlegen! Die wären hochverdient - denn wer so bereichert und fröhlich, nein glücklich wie die Gäste der Veranstaltung zu Claire Waldoff in der Eislinger Stadthalle sein darf, der fühlt solchen Wunsch.

Stellvertretend erhielten Sigrid Grajek, Schauspielerin, Sängerin und Kabarettistin aus Berlin, und ihre Pianistin Regina Knobel die Blumen - auf dem Tisch leuchtete ein hoher Rosenstrauß, und ein rosenpapierverpacktes Geschenk kam mit auf die Reise nach Berlin.

Claire Waldoff, die zwischen 1907 und 1933 nicht nur auf allen Berliner Kabarett- und Revuebühnen aufgetreten ist, sondern in ganz Deutschland (und einmal, englisch singend, in London!) war in ihrer Zeit eine Berühmtheit. Ihre witzigen, oft sehr klugen und raffinierten Lieder waren in aller Ohren, manche regelrechte Gassenhauer.

Sigrid Grajek präsentierte eine Collage aus Waldoffs Liedern und, als Ich-Erzählerin Claire, Informationen zu deren Biografie. Souverän und engagiert von Regina Knobel am Klavier begleitet, schmetterte, röhrte, seufzte, jubilierte, beschrieb und verspottete sie in allen Tonlagen das allzu alltägliche (Berliner) Leben, zugleich veranschaulichte sie dem staunenden und begeistert reagierenden Publikum im Jurasaal, welche biographischen und historischen Hintergründe Claire Waldoff geprägt haben.

Und wie diese ihre Zeit und ihr Berlin geprägt hat! Denn Claire Waldoff war unkonventionell, professionell und exzeptionell - genau wie die Frau, die ihr die Stimme lieh, Sigrid Grajek. Ein unvergesslicher Abend.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel