Hohenstadt Hohenstadter wollen freie Sicht zum Wasserstein

Hohenstadt / Thomas Hehn 17.05.2018
Volle Zuhörerreihen und emotionale Beiträge prägen die Debatte zu vier Windkraftanlagen im Hohenstadter Gemeinderat.

Anfangs sollten es zehn sein. Inzwischen sind es nur noch vier. Aber die sind groß, sehr groß sogar: Mit einer Gesamthöhe von bis zu 238 Metern werden die vier Windkraftanlagen, die das Stuttgarter Planungsbüro Megawatt auf der Vorrangfläche „GP-27“ bei Hohenstadt aufstellen will, die bislang größten in der Region sein.

Aber das war nicht der einzige umstrittene Punkt, als es am Dienstag im Gemeinderat vor 20 Zuhörern um die Stellungnahme der Gemeinde zum immissionsschutzrechtlichen Antrag zur Genehmigung des Projektes ging. „Ich will auch kein Atomkraftwerk hier“, betonte Bürgermeister Günter Riebort, dass er und der Gemeinderat dem Thema Windkraft bislang offen gegenüber gestanden seien. Jetzt seien es zwar weniger Anlagen – „aber die sind sehr viel größer“, erläuterte der Bürgermeister, warum er inzwischen doch ein Problem zumindest mit einer Windkraftanlage habe: „Der Wasserstein ist der falsche Standort. Dort wird das Landschaftsbild gestört“, forderte der Schultes den Verzicht auf zumindest eine Windkraftanlage. Monika Saur sah es ebenso: „Der Wasserstein ist ein Naherholungsgebiet. Da führen Rad- und Wanderwege vorbei.“

Sorge um verbaute Zukunft

Zwei Gemeinderäten reicht das offensichtlich nicht. Uwe Gauss und Kai Maurer lehnen jegliche Windkraft auf Hohenstadter Markung kategorisch ab. „Das  Landschaftsbild ist überall beeinträchtigt.“ Darüber hinaus sei Windkraft auch keine saubere Energie, verwies Maurer auf die Produktionsbedingungen der auch in Fernost hergestellten Anlagenteile. Die laut Gutachten eingehaltenen  Emissionwerte seien im Übrigen nur Theorie. Außerdem fehlten Angaben zum Infraschall. „Wenn die Anlagen stehen, ist es zu spät“, fürchtete Maurer. Uwe Gauss, wie Maurer seit der Kommunalwahl 2014 neu im Gremium, setzte noch eins drauf: „Die Anlagen sind dreimal so hoch wie unser Funkturm. Wir verbauen unsere Zukunft, dafür verdienen Firmen und  Landwirte ein Schweinegeld.“ Er persönlich werde sich jedenfalls „mit allen Mitteln wehren“, kündigte Gauss an.

„Atomkraftwerke sind das größte Verbrechen an der Menschheit seit dem 2. Weltkrieg“, hielt Kurt Oldenburg entgegen. Zudem sei es beschlossene Sache, dass sie bis 2022 abgeschaltet würden. „Wenn wir keine Atomkraft- und Kohlekraftwerke mehr wollen, müssen wir nach Ersatz suchen“, konstatierte Fritz Müller nüchtern. Rudolf Stehle bemängelte, dass zwar „jeder regenerative Energien will, aber nicht vor der eigenen Haustüre.“

Daniel Buck („der Wasserstein ist der blödeste Standort“) stellte schließlich den Antrag, über jede Anlage einzeln abzustimmen. Die Standorte W8 (5:4 Stimmen,  W4 (7:2) und W2 (7:2) wurden befürwortet. W8 am Wasserstein dagegen mit 7:2 Stimmen (Stehle, Oldenburg) klar abgelehnt.

In einem weiteren, einstimmig gefassten Beschluss wird das Landratsamt aufgefordert, ins Genehmigungsverfahren eine öffentliche Bürgerbeteiligung aufzunehmen. „Wir sollten nicht über die Köpfe der Bürger hinweg entscheiden,“ hatte der Bürgermeister zuvor betont.

Die Anlagen und ihre Betreiber

Drei Windkraftanlagen (WKA 2, 8 und 9 ) im  Vorranggebiet GP-27 bei Hohenstadt sind 238 Meter hoch. Die Anlagen des Typ Nordex N 149  haben eine Leistung von 4,4 Megawatt. Die vierte Anlage (WKA 4, Typ Nordex 131) ist 229 Meter hoch und hat eine Leistung von 229 Megawatt. Die Inbetriebnahme ist für das dritte oder vierte Quartal 2019 geplant.

Bereits im April hat das Landratsamt die immissionsschutzrechtliche Genehmigung für fünf Windkraftanlagen des Typ N 131 im Vorranggebiet „GP 26 Harlachen“ auf Drackensteiner Markung erteilt.

Betreiber der geplanten Anlagen in beiden Vorranggebieten sind die Stuttgarter Firma Megawatt, das Geislinger Albwerk, die Energieversorgung Filstal in Göppingen sowie die Greenpeace-Tochter Planet energy.

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