Perspektiven Höchste Eisenbahn für einen Rückblick

Kreis Göppingen / Von Peter Buyer 02.10.2018

„Höchste Eisenbahn  ist es für eine Eisenbahnausstellung, die die Bahngeschichte im Landkreis Göppingen zeigt“, sagt Landrat Edgar Wolff. „Viele erinnern sich noch an die Nebenstrecken, sie sind ein gewichtiger Bestandteil der Eisenbahngeschichte.“ Das finden die Ausstellungsmacher um Kreisarchivar Dr. Stefan Lang auch: Jede der vier Nebenstrecken im Kreisgebiet, die besonders die Pendler auf dem Weg zur Arbeit ins Fils­tal nutzen, wird in einem eigenen Raum erfahrbar gemacht.

Das Ende von Klepperle und Boller Bahn kommt mit der zunehmenden Anzahl an Autos. Landrat Wolff hat zur Eröffnung der Ausstellung ein paar Zahlen dabei: Bei Gründung des Landkreises Göppingen 1938 gibt es im Kreis 7800 Kraftfahrzeuge, heute sind es 192 000, davon 158 000 Pkw.

Süßen – Weißenstein: 1901 fährt der erste Zug die 10,5 Kilometer bis Weißenstein. Der „Gasthof Post“ in Süßen wirbt auf einer Postkarte von 1905 mit Nähe: „Nur 5 Minuten vom Bahnhof“. Rund um den Donzdorfer Bahnhof ist auf einer Aufnahme von 1928 frisch gekehrt, neben der Tür zum Warteraum hängt ein Reklameschild für „Sunlicht Seife“. Der Bahnhof vom „Einheitstyp III b“ steht noch und dient als Café.

Geislingen – Wiesensteig: Seit 1903 dampft die „Tälesbahn“ die 22 Kilometer hinauf ins obere Fils­tal, 1980 ist Schluss. Sind die Züge erst mal weg, geht es einigen Bahnhöfen an den Kragen. In Bad Ditzenbach und anderen Orten werden sie für Feuerwehrübungen kurzerhand in Brand gesteckt.

Göppingen – Schwäbisch Gmünd: Die Bauarbeiter haben beim Bahndammbau der Hohenstaufenbahn mit lehmigem Boden zu kämpfen. „Damals nach der Geislinger Steige wohl die größte Herausforderung für die Arbeiter und Eisenbahn-Ingenieure“, sagt Lang. Ab 1912 fährt das „Josefle“ nach Gmünd, mit dem Personenverkehr ist 1984 Schluss. Eine Reaktivierung wird bisher nur sehr zaghaft ins Gespräch gebracht.

Göppingen – Bad Boll: Seit 1926 fahren Züge von Göppingen nach Bad Boll. Anders als bei den anderen drei Nebenstrecken liegen die Schienen der bis 1989 mit Personenzügen befahrenen Vor­albbahn noch. Nicht nur deshalb gibt es die Idee, die Strecke zu reaktivieren.

„Auch nach 171 Jahren ist das Thema Mobilität aktuell“, sagt Kreisarchivar Stefan Lang. Und die Eisenbahn auch, ob VVS-Beitritt des Landkreises oder Neubaustrecke Wendlingen – Ulm, die Bahn mischt weiter mit. Die Geislinger Steige wird, wenn die ICE durch den Boßlertunnel und über die Fils­talbrücke rauschen, keine Strecke mehr für den Intercity-Express sein. 

Manche Rarität dabei

Neue Schau „Von Zeiten und Zügen – Eisenbahngeschichte im Landkreis Göppingen“ ist bis zum 6. Januar in der Galerie im Ostflügel auf Schloss Filseck in Uhingen zu besichtigen. Geöffnet ist mittwochs bis sonntags sowie feiertags von 13 bis 17 Uhr.

Dokumente und Modelle Rund 80 großformatige Reproduktionen von Ortsansichten, Bahnhöfen und Landschaften, vom Bau und aus der Anfangszeit der Eisenbahn im Filstal geben einen Überblick, wie einst die Mobilität in die Städte und Orte des Landkreises Göppingen Einzug hielt. Von der Firma Märklin sind Modellzüge zu sehen, die im Kleinformat zeigen, welche Loks und Wagen einst im Kreisgebiet fuhren.

Originale Der Kreisarchivar und sein Team haben für die Ausstellung auf Schloss Filseck Originaldokumente wie Briefe, Baupläne, Verträge und Zeitungsartikel aus dem Archiv geholt, manche davon wurden noch nie öffentlich ausgestellt.

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